Gefahr von der Wall Street – Der Sentiment-Bericht

So sehen Börsen aus, denen Anleger verzweifelt nachlaufen. Sie steigen und steigen und der Rückschlag, auf den alle warten, um noch einsteigen zu können, kommt nicht. Immer wieder habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass trotz aller „DAX 10.000“ oder anderer euphorischer Titelblätter von Geldanlagemagazinen von einer breiten Aktieneuphorie nicht die Rede sein kann. Im Gegenteil, das große Stimmungsbild, das alle potenziellen Anleger erfasst, war und ist immer noch von großer Zurückhaltung geprägt. Die Gefahren der Euro- und Schuldenkrise gepaart mit den Erfahrungen des Internet- und Lehmancrashs ließen breiten Aktienoptimismus bisher nicht aufkommen.

Weil es woanders schlichtweg nichts mehr zu verdienen gibt, befassen sich so langsam aber sicher immer mehr Investoren mit dem vermeintlichen Risikopapier, dem sie zuvor abgeschworen hatten. Der risikolose Zins ist passé, oder liegt unterhalb der Inflationsrate. Die längerfristigen Aussichten für den Aktienmarkt bleiben damit auch bei verhaltenem konjunkturellem Ausblick weiterhin positiv. Können Gewinne und Dividenden nur einigermaßen gehalten werden, haben Aktien immer noch enormes Kurspotenzial.

Gute bis sehr optimistische Stimmung gab es bisher nur unter den Profis, oder sagen wir denen, die sich immer entweder von Berufs wegen, oder aus Passion (bei mir trifft beides zu) mit dem Thema Aktien beschäftigen. Mit den oben genannten Argumenten begründeten Sie ihren fundamental durchaus gerechtfertigten Optimismus. Zwischenzeitlich sorgten ein rückläufiger ifo-Geschäftsklimaindex wie auch weltweit nachlassende Werte bei den Einkaufsmanagerindizes und dem Verbrauchervertrauen zwar für etwas mehr Vorsicht, mit den neuen Höchstständen ist die Euphorie der Börsenprofis aber wieder zurückgekehrt. Vor allem die Wall Street sieht überhitzt aus. Der quasi rückschlagfreie Aufschwung erreicht langsam Rekordlänge. mehr lesen

Schallmauer 8000?

Knapp sechs Jahre hat es gedauert, bis der DAX mit dem Überbieten der Marke von 8.154 Punkten nun wieder ein neues Allzeithoch erzielen konnte. Auch das vorherige im Jahr 2007 hatte er sich mit einem langen Leidensweg hart erkämpfen müssen. Denn bereits im März 2000 war der deutsche Leitindex getrieben vom damaligen Internetboom über die Marke von 8.000 Punkten gestiegen. Über sieben Jahre hat es damals gedauert und zwischenzeitliche Verluste von rund 70 Prozent mussten Anleger aushalten, bis der DAX dann wieder von oben auf die 8.000 Punkte-Marke schauen konnte. Nun stellt sich die Frage, ob das Vergnügen wie im Jahr 2007 wieder nur ein kurzes ist und der Markt jetzt wieder Jahre auf Talfahrt geht? Fast wirken die 8.000 Punkte wie eine Schallmauer.

Wer kauft auf neuem Allzeithoch, lautet die nicht unberechtigte Frage? Das ökonomische Umfeld hat sich dadurch schließlich nicht geändert. Wer der Ansicht ist, das dieses für die Aktienanlage spricht, der wird bereits investiert haben. Wer es hingegen nicht zum Anlass genommen hat, in Aktien zu investieren, wird es wohl kaum tun, wenn die Kurse zudem noch am Hochpunkt sich befinden. Bleiben aus dieser Perspektive nur ein paar Charttechniker, die das ökonomische Umfeld für unbedeutend erachten und bei gebrochenen Widerständen prozyklisch investieren.

Doch die Perspektive ist viel zu verengt, weil sie allein den Index fokussiert. Dieser wird am Ende aber aus den 30 in ihm enthaltenen Aktien berechnet, die im Durchschnitt betrachtet ihre Höchstkurse noch längst nicht wieder erreicht haben. Denn beim DAX handelt es sich um einen Performance-Index, der gezahlte Dividenden inkludiert. Insofern ist der jüngste DAX-Rekord mit den Rekorden an der Wall Street nicht vergleichbar. Der dortige S&P 500 Index ist ein Kursindex, der gezahlte Dividenden außen vor lässt. Sein deutsches Pendant, der DAX-Kursindex, den kaum jemand kennt, notiert derzeit bei rund 4.375 Punkten. Bis zu seinem Rekord im Jahr 2007 hat er noch knapp 1.000 Punkte Luft, die der Performance-Index seitdem an Dividenden drauf gesattelt hat. Dieses lag nämlich bei 5.302 Punkten und im März 2000 sogar bei über 6.000 Punkten. mehr lesen

Verschwörung gegen Gold?

Nun ist es gut zwei Wochen her, dass am Montag, den 15. April, der Goldpreis so stark abgestürzt ist wie seit 30 Jahren nicht mehr. Als einer derjenigen, der Gold in den vergangenen Jahren vor allem als Schutz vor möglichen Inflationsgefahren immer wieder zum Kauf empfohlen hat, muss an dieser Stelle natürlich auch eine Analyse stattfinden. Viel ist geschrieben und gesagt worden zu den Gründen dieses Edelmetall-Crashes, das meiste gehört ins Reich der Sagen und Mythen. Fest steht, die Goldfans erlebten den größten Schock seit Beginn des Bullenmarktes im Jahr 2011. Um neun Prozent fiel der Feinunzenpreis an nur einem Tag. Der Nimbus der vermeintlichen Sicherheit des gelben Metalls hatte ohnehin schon Kratzer bekommen, nachdem seit dem letzten All-Time-High von 1.920 US-Dollar bereits 18 Monate vergangen waren. Der nun erfolgte Crash hat deutlich gemacht, dass Gold zweifelsfrei ein bleibender Wert ist, der jeweilige Preis aber genauso von Angebot und Nachfrage abhängt, wie jeder Aktienkurs auch.

Viele Gold- und Edelmetallanbieter wollen das aber nicht wahrhaben. Edelmetall-Gurus sprechen von der größten Goldverschwörung aller Zeiten. Auf der Finanzmesse Invest in Stuttgart sprach ein prominenter „Silberexperte“ sogar von einer der größten Verschwörung der Menschheitsgeschichte. Große US-Banken sollen massiv den Preis gedrückt haben, um sich für entsprechende physische Lieferungen einzudecken. Ich halte das für kompletten Unsinn. Derartige Theorien gibt es immer wieder, wenn Kursentwicklungen nicht den Voraussagen entsprechen. Die Auguren versuchen so ihre Fehlprognosen zu kaschieren, indem sie böse Mächte erfinden, die sie nicht vorhersehen konnten.

Regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen, dass auch ich seit Jahren zu den Goldbullen zähle. Trotzdem gebe ich freiherzig zu, dass ich den jüngsten Kurssturz nicht vorausgesehen habe. Dafür waren die Stimmungsindikatoren bereits zu negativ. Zumindest hatte ich zuvor aber nicht zum massiven Einstieg über 1.500 US-Dollar geblasen, sondern einen letzten Ausverkauf für möglich gehalten. Nach meiner Interpretation ist der Kurssturz von Stopp-Loss-Verkäufen am Terminmarkt ausgelöst worden. Es dürften die Spekulanten gewesen sein, die im vergangenen Spätsommer mit stark gehebelten Positionen eingestiegen sind. Alles sah zu diesem Zeitpunkt danach aus, als ob sich die Gold-Rally fortsetzen würde, und zwar pünktlich zum Beginn des saisonal günstigen zweiten Halbjahres. Doch bei knapp unter 1.800 Dollar kam der Angriff auf neue Rekorde zum Erliegen und bei unter 1.500 Dollar mussten offenbar viele die Reisleine ziehen. mehr lesen

Blutbad im Gold

Na, da habe ich mich ja schön verschätzt mit den möglichen Tiefs im Gold (siehe letzter Kurzkommentar). An nur einem Tag geht es weitere 100 Dollar runter. Hier werden wahrscheinlich vor allem die Haussepositionen ausgestoppt, die im vergangenen Jahr ab August eingegangen wurden, als der Goldpreis mustergültig im zweiten Halbjahr nach oben lief. Der Optimismus sprang damals sehr schnell an, was technisch ein Warnsignal auslöste. Dass es so weit herunter gehen würde, hab ich aber auch nicht gedacht, doch habe ich immer von dem noch möglichen Sell Off geschrieben, den wir nun haben. Im „Riße Inflation Opportunities Fonds UI“ war es richtig trotz aller Inflationsschutzausrichtung zunächst nur geringe Positionen zu halten und auf billigere Kurse zu warten, die ich heute zum Nachkaufen genutzt habe.
Mich erinnert der heutige Sturz an den Börsencrash von 1987, als der der Dow Jones um 22,3 Prozent an nur einem Tag verlor, wegen Stopp-Loss Aktivitäten im S&P 500 Future. Damals markierte der Dow Jones an diesem Tag auch seinen Tiefstand. Interessant wird sein, wie sich zuletzt die Stimmung der US-Anlageberater entwickelt hat. In der Korrektur im Mai 2006, die nun in ihrem Ausmaß von 25 Prozent mit jetzt 28 Prozent überboten wurde, rutschte der Anteil der Optimisten auf jeweils 31 Prozent ab. In der vergangenen Woche lag der Wert bei 52 Prozent. Unterdessen ist der Hulbert Gold Newsletter Sentiment Index (HGNSI) am Freitag schon auf einen Negativrekord von -37,5 Prozent gefallen.

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    04/06/2013   14:15 Uhr
 
   
 

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