Liquidität schlägt Fundamental

Geldwelle-300x225Wegen überhitzter Stimmungsindikatoren habe ich schon Ende vergangenen Jahres die Aktienmärkte im Korrekturmodus gesehen. Zu früh, wie sich später zeigen sollte. An meiner langfristig positiven Einschätzung hatte dies ohnehin nichts geändert. Geschuldet war und ist dieser Optimismus nicht der Erwartung einer zukünftig stark wachsenden Weltwirtschaft. Der Konjunkturaufschwung in den USA ist einer der schwächsten der Geschichte seit Ende der Finanzkrise 2009 und wird es auch bleiben. Die Eurozone hat ihre ganz eigenen Probleme. Überall drückt noch immer die über Jahre aufgebaute Verschuldungslast. Doch die Zinssenkungen der Notenbanken auf Null oder etwas darüber haben es vermocht, sie so erträglich zu machen, dass weiteres Wachstum möglich war und ist. Die Eurozone, die die größten Probleme hatte, aus der Rezession herauszukommen, profitiert derzeit vom schwachen Euro im Exportgeschäft.

Normalerweise bringt ein steigender Dollar aber auch steigende Kosten für Energie und andere Rohstoffe mit sich. Das ist diesmal nicht der Fall, da der Ölpreis stärker verloren als der Dollar gewonnen hat. Auch andere Industrierohstoffe sind billiger geworden. Die verordnete Sparpolitik kann damit kompensiert werden und die früheren Problemländer Spanien, Italien und das chronisch wachstumsschwache Frankreich erleben zumindest einen gewissen Wirtschaftsaufschwung, wie die Frühindikatoren zuletzt nochmals bestätigt haben. Ein weiteres Aufflammen der Eurokrise ist damit zunächst vom Tisch. Nicht einmal das Drama um Griechenland war in der Lage, für eine Neuauflage zu sorgen. Die wirtschaftliche Verbesserung wird aber nicht zu einer Verringerung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) führen, da sich diese am Inflationsziel von zwei Prozent orientieren, wovon wir noch meilenweit entfernt sind. mehr lesen

China-Blase geplatzt?

GettyImages_106780916Das Thema Griechenland ist nun mehr oder minder vom Börsentisch. Dafür beschäftigt die Finanzexperten nun das Thema China. Viel wurde in den vergangenen Wochen über die Gefahren diskutiert, die von der möglichen Blase an den Festlandbörsen in China ausgeht. Ich war davon ausgegangen, dass es noch nicht soweit ist, dass die Kurse zunächst noch weiter steigen würden. Ich hatte das dortige Treiben mit den Ereignissen am Neuen Markt Ende der 90er Jahre verglichen, wo es deutlich länger lief, bevor es dann zum großen Knall kam. Und selbst nach dem Verlust der ersten 30 Prozent war der damalige Optimismus nicht tot zu bekommen. In China ist das jetzt bereits anders. Es gibt ein Bewusstsein für die vorherige Überbewertung der kleinen Technologiewerte. Experten hatten von Beginn an gewarnt. Es waren gerade diese zahlreichen Warnungen, die mich aus antizyklischer Sicht in die Irre führten und davon ausgehen ließen, dass es noch dauern würde mit dem Platzen der Blase.
Auch ein anderer Aspekt fehlte mir für einen richtigen Crash. Eine restriktivere Geldpolitik. Diese hatte jahrelang dafür gesorgt, dass der chinesische Aktienmarkt am Boden blieb, während in der westlichen Welt wie auch in Japan die Kurse haussierten. Es war der Versuch der chinesischen Regierung und Notenbank, das Schattenbankensystem auszutrocknen und den Immobilienmarkt nicht überhitzen zu lassen. So blieb bei dem rasanten Wirtschaftswachstum keine Überschussliquidität und damit auch kein Geld für den Aktienmarkt. Mit der Abkühlung des Wachstums und auch der Immobilienpreise – die restriktive Geldpolitik hatte Wirkung gezeigt – ergab sich anschließend Raum für eine Senkung der Zinsen und der Mindestreservesätze für Banken.
Die erste Zinssenkung im Herbst löste dann auch sofort einen Boom am Aktienmarkt aus. Das Spekulationsfieber, das es vor der Finanzkrise schon einmal gegeben hatte, war zurück.
Da sich an der grundsätzlichen Haltung der Geldpolitik im Reich der Mitte nichts geändert hat, halte ich auch an meiner These fest, dass die Rallye am chinesischen Aktienmarkt nicht schon wieder für Jahre beendet ist. Auch am Neuen Markt hatte es 1998 schon deutliche Kursrückgänge gegeben, bevor dann richtig durchgestartet wurde. Den richtigen Einbruch gab es aber erst, als auch die monetäre Situation schlechter wurde. mehr lesen

Rentencrash?

Financial MarketsIch erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1994. Es ging in die Geschichte ein als das das Jahr des Renten-Crashs. Gemeint war hiermit allerdings nicht der Zusammenbruch des staatlichen Rentensystems, sondern der weltweit starke Kurseinbruch bei Anleihen, die im deutschen Sprachgebrauch auch Renten genannt werden. Wie aus heiterem Himmel fielen die vermeintlich sicheren Papiere und stiegen die Zinsen massiv an.
Vor ein paar Wochen konnte sich eine Wiederholung dessen niemand wirklich vorstellen. All diejenigen, die in den vergangen Jahren steigende Zinsen vorausgesagt hatten, wurden durch den Markt Lügen gestraft, so dass sich so langsam die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass wir in einer neuen Zinswelt angekommen sind. „Verrückte Zinswelt“ hat ich mein Stimmungsbarometer daher vor drei Wochen übertitelt in Anspielung auf die Rendite zehnjähriger Anleihen, die bei 0,05 Prozent angekommen war.
Drei Wochen später sieht die Welt jetzt ganz anders aus. Der auf Bundesanleihen bezogene Terminkontrakt Bund Future ist so stark abgestürzt wie noch nie seit seiner Einführung auf D-Mark Basis Anfang der 90er Jahre.
Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ist mittlerweile wieder auf 0,74 Prozent nach oben geschnellt. Das sind Dimensionen, die für diesen doch eigentlich eher konservativen und langweiligen Markt als Crash beschrieben werden dürfen.
Bond-König Bill Gross, der bis vor kurzem noch für den zur Allianz gehörenden Vermögensverwalter Pimco den weltgrößten Anleihefonds managte, bewies insofern ein gutes Timing, als er auf fast exakt dem Hoch des Bund Future vom „Short of the Lifetime“ sprach, also einer Chance wie es sie im Leben vielleicht nur ein einziges Mal gibt, mit fallenden Kursen einen großen Profit einzufahren. Zu ihm gesellte sich ein zweiter Anleihe-Guru aus den USA: Jeffrey Gundlach, der ins gleiche Horn stieß. Es waren vor allem die Prognosen der Gurus, die mich von einer Prognose in diese Richtung abhielten. Denn meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Gurus mit öffentlichen Prognosen selten richtig liegen.
Ansonsten lag es auf der Hand, dass die Umkehr des Marktes bald kommen musste. Es ist schon als töricht zu bezeichnen, eine Anleihe zu kaufen, die bei zehn Jahren Laufzeit gerade einmal 0,05 Prozent Rendite pro Jahr abwirft. Allein die zwischenzeitlichen Kursverluste der vergangenen drei Wochen sind größer als der Ertrag über die ganze Laufzeit betrug. Käufer können daher nur solche Institutionen gewesen sein, die wie Versicherungen zu großen Teilen Sicherheit kaufen müssen und solche Spekulanten, die geglaubt haben, sie würden noch jemanden Dümmeres finden, der Ihnen die Papiere zu einem noch höheren Preis abkauft, und wenn der Dümmere am Ende die Europäische Zentralbank (EZB) sein würde. Sie galt quasi als Garant für steigende Kurse.
Doch ihr Aufkaufvolumen hat einen Rahmen, der fallende Kurse dann nicht verhindert, wenn das Angebot am Ende noch deutlich größer ist. Die Sentiments zeigen seit Monaten ausgeprägten Optimismus für US-Anleihen.

Consensus Bonds

So stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Langfristig betrachtet sind die Zinsen insbesondere der weniger sicheren Peripheriestaaten noch immer viel zu niedrig und wird es hier irgendwann deutlich stärker steigenden Zinsen kommen. Für eine nachhaltige Wende dürfte aber eine etwas restriktivere Gangart der EZB notwendig sein. Mittelfristig stützt das Anleihekaufprogramm. Kurzfristig stützt es zwar auch, hier kann der Abbau spekulativer Long-Positionen aber noch zu weiteren deutlichen Verlusten führen. Sind diese abgebaut, wird aber eine massive Erholung starten. Wer auf die Short-Seite geht, sollte daher schnell reagieren, wenn es plötzlich nach oben zieht.

Stunde der Wahrheit

Geldwelle-300x225Die Wachstumszahlen für das erste Quartal in den USA haben deutlich gemacht, dass die Stunde der Wahrheit in Bezug auf die Weltkonjunktur immer näher rückt. Um nur 0,2 Prozent ist die angeblich doch so gut laufende US-Wirtschaft gewachsen. Im zweiten Quartal wird sich nun zeigen, ob hierfür allein das Wetter verantwortlich war, oder ohne Staatsanleihekäufe durch die US-Notenbank Federal Reserve (FED) nichts mehr läuft, und Wachstum ohne diese außergewöhnlichen Maßnahmen und somit ein selbsttragender Aufschwung nicht mehr kreiert werden kann. Die FED scheint jedenfalls zunehmende Zweifel zu haben. Auf ihrer jüngsten Sitzung hat sie jedenfalls alle Ankündigungen diesbezüglich wieder gestrichen. Zinserhöhungen erwarten die meisten nun erst in 2016, andere hingegen schon ein viertes Anleihekaufprogramm, bekannt unter dem Namen Quantitative Easing. Die Stunde der Wahrheit rückt also näher. Schafft die USA nicht die nachhaltige Wende, wird es in Europa wohl nicht anders sein. Die Ausgangslage ist sehr ähnlich. Hier hilft derzeit der gesunkene Euro auf der Exportseite, doch dies ist ein Einmaleffekt, genauso wie der gesunkene Ölpreis. Sind diese in die Zahlen fürs Bruttoinlandsprodukt eingearbeitet, muss der Aufschwung sich selbst tragen. Doch hier gibt es einige Fragezeichen. Die Investitionen sind zu gering, die Einkommenszuwächse der Verbraucher sind es auch und deren Verschuldung nach wie vor teilweise zu hoch. Zwar wurde die Verschuldung abgebaut, die Gesamtverschuldungsquote der westlichen Volkswirtschaften ist jedoch gleich geblieben, da die Staaten nach der Finanzkrise die Verschuldung teilweise massiv erhöht haben, um gegenzusteuern. In vielen Schwellenländern sind die Verschuldungsquoten hingegen gestiegen, so dass die Weltverschuldung weiter zugelegt hat.
Nun könnte man ja nach der in den vergangenen Monaten gültigen Börsen-Logik jubeln. Heißt doch schwächelnde Wirtschaft mehr Geld von den Währungshütern. Doch diese Rechnung könnte nicht aufgeben, wenn den Börsianer auffällt, dass gar kein gewinnsteigernder Aufschwung mehr folgt.
Was aber dann tun mit dem Geld? Warten bis die Stunde der Wahrheit entschieden hat, ob die Konjunkturoptimisten oder -pessimisten Recht behalten? Schwierig! Sollte sich doch noch selbsttragendes Wachstum einstellen, dürfte das früh vorweggenommen werden, außerdem droht dann immer wieder auch die Zinswende.
China könnte die Lösung sein, bzw. Hongkong. Im Riesenreich ließ das Wachstum zuletzt nach. Dass es noch das offizielle Ziel von sieben Prozent erreichte, lag nur daran, dass die Preise gefallen sind und dies auf das reale Wachstum drauf geschlagen wird, genauso wie positive Preissteigerungen abgezogen werden.
Der bereits begonnene Prozess der geldpolitischen Lockerung dürfte sich also fortsetzen. Und im Gegensatz zu den alten Industrieländern ist hier das übliche Instrumentarium noch nicht verbraucht. Sowohl Leitzinsen als auch die zuletzt gesenkten Mindestreservesätze für Banken können noch deutlich gesenkt werden. Der Hemmschuh der vergangen Jahre wäre damit abgestreift. Zwar sind die Bewertungen insbesondere in Festlandchina nicht mehr niedrig, und gibt es bedenkliche Spekulationsexzesse privater Spekulanten auf Kredit, doch mit weiterem monetärem Rückenwind dürfte auch diese Spekulationswelle zunächst weiterlaufen als viele denken. Weder der Aktienmarkt in Hongkong noch der in Shanghai befinden sich bereits am Allzeithoch. Das Chance-Risiko-Potenzial erscheint in jedem Fall hier besser als an den weit gelaufenen Aktienmärkten Europas und der Wall Street.

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Kurzkommentare gibt es nun auch wieder hier im Blog und weiterhin natürlich auf meinem Expertendesktop bei Gudiants.

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