Kunde sein, nicht Aktionär!

ZalandoEs ist ein beeindruckendes Zeugnis für perfektes Marketing, was Zalando in den vergangen Jahren hingelegt hat. Die vor Freude kreischenden Frauen, wenn der Paketbote mit dem Zalando-Karton vor der Tür steht, kennt wohl fast jeder. Da gibt es den Otto-Versand und auch diverse andere Online-Mode-Versender, die letztlich die gleiche Ware anbieten, aber Zalando ist eben „hip“. Erfolgreicher Markenaufbau, kann man da nur beeindruckt sagen. Doch wieviel ist die Marke tatsächlich wert? Wie stark schützt sie vor Konkurrenz. Star-Investor Warren Buffett ist Aktionär bei Coca Cola und bei Gillette, weil er die Marke als Garant für hohe Gewinnmargen betrachtet. Er vergleicht es mit dem Burggraben um ein Schloss, der den Schlossherren vor Angreifern schützt. Und er hat Recht. Es gibt diverse günstiger Nachahmerprodukte, die in Verkostungstests regelmäßig nicht von der Coca Cola unterschieden werden können, und dennoch werden diese nur wenig gekauft. Die Coca Cola Dose in der Hand steht eben für Freiheit und Lifestyle.
Wer bei Zalando kauft, der kauft aber eigentlich nicht die Marke Zalando, sondern Marken der verschiedenen Bekleidungshersteller wie Hilfiger, Adidas, Esprit, Marco Polo oder andere. Das tun viele Frauen offenbar dann lieber bei Zalando als bei anderen Online-Shops. Doch wären sie auch bereit bei Zalando zu kaufen, wenn das gleiche Kleid von Esprit oder die gleichen Turnschuhe von Adidas woanders günstiger zu haben sind? Nein. Und genau hier wird die Marke Zalando entzaubert. Wo ich das bewunderte Kleid am Ende gekauft habe, sieht ja niemand, deshalb ist Zalando mir solange recht und billig, solange es nicht woanders noch billiger ist. Und Google sorgt dafür, dass ich diese Angebote schnell finde. Die Marke verschafft insofern keine Preissetzungsmacht. Natürlich ist Zalando sehr serviceorientiert und erlaubt umfangreich das Zurücksenden der Ware. Doch dieses Angebot entwickelt sich für viele Onlinehändler zunehmend zum Bumerang. Sie erziehen die Kunden geradezu dazu, gleich eine große Auswahl an Varianten und Größen sich zuschicken zu lassen, um dann das meiste wieder zurück zu schicken. Und das verursacht Kosten. Kurzum, das Geschäft, in dem Zalando sich befindet, ist geprägt von permanentem Preiskampf und Margendruck. Es gibt Experten in der Branche, die hinter vorgehaltener Hand munkeln, dass es bei den Marketingaufwendungen nie profitabel werden wird. Zwar sieht es gerade so aus, denn pünktlich zum Börsengang konnte das Unternehmen einen Gewinn vorweisen. Mit etwas Geschick lässt sich das jedoch in jeder Bilanz hinbekommen.
Ohne Frage, Zalando ist sicher sehr gut, in dem was sie tun. Doch um die gesamte Branche sollte man einen Bogen machen. Amazon als mit Abstand weltweiter Marktführer im Versandhandel ist ein gutes Beispiel. Die Aktie hat sich zwar anständig entwickelt. Gehandelt wird jedoch nach wie vor hauptsächlich Phantasie. 2014 werden wohl wieder Verluste eingefahren und auch für 2016 liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf dem aktuellen Kursniveau bei 64.
Mein Rat lautet deshalb, Finger weg von Zalando. Das gleiche habe ich damals beim Börsengang von Air Berlin geraten, als ich von n-tv dazu befragt wurde. Die Branche hat das gleiche Problem. Der Kunde kauft da, wo es am günstigsten ist. Und alle Fluglinien dieser Welt zusammen genommen haben in den letzten Jahrzehnten Verluste eingeflogen, weil sie sich ständig im Preis unterbieten. Die Empfehlung war richtig. Über 90 Prozent Kursverlust stehen zu Buche. Es gibt Unternehmen, wo man gerne Kunde sein kann, aber besser nicht Aktionär. Zalando gehört dazu.

German Aktien Angst

Financial MarketsSieht man sich den DAX-Chart der vergangen drei Jahre an, dann würde man daraus wohl schließen, dass an der Börse Champagnerlaune herrscht. Eigentlich galt die Marke von rund 8.000 Punkten als magische Grenze, die der deutsche Leitindex DAX nicht nachhaltig überschreiten kann, war er hieran doch schließlich zwei Mal gescheitert, das erste Mal im Jahr 2000 und dann nochmals 2007. Im vergangen Jahr war es dann aber so weit. Nach einem Abprallen nahm er die Marke dann im Sturm und erreichte in diesem Jahr dann auch die 10.000 Punkte. Von Euphorie kann jedoch keine Rede sein. Mit der Situation während des Internethypes hat die aktuelle Lage gar nichts zu tun. Damals wurde Spekulieren zum Volkssport. Eine Neuemission jagte die andere. Und mag es an der Wall Street und auch anderswo schon wieder Megamissionen geben und große Phantasiestorys gehandelt werden, hierzulande ist davon nichts zu erkennen. Die Zahl der Aktionäre geht immer weiter zurück, Neuemissionen gibt es erst jetzt wieder die eine oder andere und es mangelt nicht an warnenden Stimmen vor zu hohen Kursen. Fazit: Die breite Bevölkerung bleibt trotz Rekordkursen Aktienabstinent.
Wie sieht es aber mit den verbliebenen Aktienanlegern aus, den privaten aber vor allem auch den institutionellen, die am Markt aktiv sind? Auch hier dominiert die Vorsicht. Etwas Euphorie hat es allenfalls mal zum Jahreswechsel gegeben, seit der Ukraine-Krise und den ersten Rückschlägen bleiben die Profis aber in Deckung. Schön ablesbar ist dies im Put/Call-Ratio. Die Anzahl der zur Absicherung häufig verwendeten und auch als Verkaufsoptionen bezeichneten Puts lag in den vergangen Wochen im Verhältnis zu den auch als Kaufoptionen bezeichneten Calls weit über dem üblichen Durchschnitt. Auch an der Stimmung der Börsenbriefe lässt sich seit Monaten diese Skepsis erkennen.

PutCall-Ratio Deutschland

Deutsche Börsenbriefepositiv

Um es auf den Punkt zu bringen: Gäbe es nur die deutsche Börse, so müsste man ohne Wenn und Aber auch auf diesem Kursniveau zu Aktienkäufen raten. Natürlich hat sich die Situation durch die Ukraine-Krise eingetrübt und wird die Gewinnphantasie hierdurch weiter limitiert, Aktien sind aber noch immer spotbillig, vergleicht man sie mit der Verzinsung selbst zehnjähriger Anleihen.
Nur ist Deutschland keine einsame Insel. An der Wall Street gibt es durchaus harte Verkaufssignale von der Stimmungsseite. Und weil die Deutschen mit Aktien nicht viel anfangen können, werden diese traditionell zu hohen Anteilen von angelsächsischen Anlegern gehalten. Geht es dort abwärts, drücken sie dann auch bei deutschen Aktien auf den Verkaufsknopf. Da hilft dann die Unterinvestierung der heimischen Anleger wenig. Eine Korrektur an der Wall Street abzuwarten und dann beherzt in Deutschland einsteigen, könnte daher das richtige Konzept sein.

Gold Renaissance?

GoldDas zweite Halbjahr steht vor der Tür. Zeit also sich mal wieder mit den Edelmetallen zu beschäftigen, insbesondere mit Gold. Denn in den zehn Jahren Bullenmarkt bis September 2011 hatten sich die Aufwärtsschübe überwiegend in der zweiten Jahreshälfte abgespielt. Zufall? Vielleicht. Zehn Jahre haben keine statistische Relevanz. Doch es gibt durchaus logische Gründe dafür, dass es kein reiner Zufall ist.

Einer der wichtigsten Goldnachfrager ist nach wie vor Indien. Das liegt an der langen Tradition, zur Hochzeit vor allem Gold zu verschenken, als Schmuck um die Braut zu zieren, aber auch als Aussteuer. Die Hochzeitssaison beginnt Ende des dritten Quartals. Im Vorfeld kaufen die Inder daher das gelbe Metall. In den vergangen beiden Jahren fiel die Nachfrage eher schwach aus. Das lag an der schwächeren Wirtschaftslage, der deshalb sehr schwachen Landeswährung Rupie und an Einfuhrbeschränkungen. Die mittlerweile abgewählte Regierung wollte damit errreichen, dass die Inder mehr konsumieren und weniger in Gold investieren, das größtenteils importiert werden muss und die Leistungsbilanz stark ins Minus gedrückt hatte. Und dennoch gab es auch 2012 und 2013 zum Beginn des zweiten Halbjahres deutliche Ausbrüche im Goldpreis nach oben. Womöglich setzten Spekulanten am Terminmarkt auf steigende Preise. Weil dann die physische Nachfrage, auf die es letztlich ankommt, aufgrund der schwachen Nachfrage aus Indien aber nicht nachkam, brachen die Preise ein. Dies lässt sich natürlich nicht beweisen, aber es ist eine nicht unwahrscheinliche Erklärung. mehr lesen

Die rationale Börse

DAX_AllzeithochDie Finanzmärkte reagierten zuletzt äußerst besonnen und rational auf Ereignisse, von denen viele Marktkommentatoren erwartet hatten, dass sie für Bewegung nach unten sorgen würden.
Zum einen ist da die Ukraine-Krise. Nach der Annexion der Krim, war dies für die Börse ein „Fait Accompli“, also eine vollendete Tatsache, wie auch die Sanktionen gegen Russland, die überschaubar ausfielen. Mit dem Wiederaufflammen des Konfliktes in den östlichen Provinzen der Ukraine war aber klar, dass die Töne und das Klima zwischen der westlichen Staatengemeinschaft und Russland sich weiter verschärfen würden. Dennoch wurden kurzzeitige Kursverluste anschließend von umso größeren Gewinnen abgelöst, obwohl man einer Klärung des Konfliktes nicht einen Zentimeter näher gekommen war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit mussten zu diesem Zeitpunkt diejenigen ihre Short-Engagements zurückkaufen, die beim Wiederausbruch der Krise auf einen fallenden Markt gesetzt hatten.
Warum kam es nicht zu größeren Kursverlusten? Den Investoren war schnell klar, dass niemand im Westen ein Interesse an einem militärischen Eingreifen haben würde, weil uns dieses mit der Atommacht Russland sehr schnell an den Rand eines dritten Weltkrieges bringen würde. Das Krim-Beispiel wurde so zum gelernten Prinzip. Ein wenig Zittern, und dann laufen die Kurse wieder nach oben.
Nach der Europa-Wahl war es nicht anders. Es war klar, dass die Europa-Gegner deutlich zulegen würden. Diese Tatsache konnte schon vor der Wahl den Aktienmarkt nicht aus dem Tritt bringen, nach der Wahl als „Fait Accompli“ schon gar nicht. Wahlbörsen haben kurze Beine heißt es nicht umsonst, wobei das starke Abschneiden des „Front National“ in Frankreich schon eine negative Überraschung war. Doch dies stürzt Frankreichs Eliten womöglich in eine Krise, Europa jedoch nicht. Denn mögen die Europagegner auch stark geworden sein, ausrichten können sie am Ende doch nichts. Die bürgerlichen und sozialdemokratischen Parteien bilden nach wie vor die mit Abstand größten Fraktionen und sind damit Garanten dafür, dass Europa und die Eurozone auf ihrem aktuellen Kurs bleiben.
Wie ist diese sehr besonnene und rationale Reaktion der Finanzmärkte zu bewerten? Sind die Börsianer nun plötzlich rationaler und weniger emotional unterwegs? Sicher nicht. Die Börse und ihre Teilnehmer funktionieren seit mehr als 400 Jahren gleich. In einer anderen, überhitzen Marktphase wären beide Ereignisse – Ukraine-Krise und Rechtsdrift in Europa – für sich allein für einen erheblichen Kurssturz gut gewesen. Doch der Markt ist eben nicht überhitzt. Das zeigen nicht alle, doch viele der Stimmungsindikatoren, wie der der US-Privatanleger AAII, das Blogger-Sentiment Ticker Sense, das deutsche Put/Call-Ratio und die aktuellen Diskussionen.

Ticker Sense

PutCall-Ratio Deutschland

In den USA wird seit Wochen darüber diskutiert, wann nun der nächste Crash kommt. Allein aus diesem Grund steht dieser wohl nicht bevor. Dass der Ausbruch nach oben erfolgen würde, war durch die fortwährend schlechte Stimmung in den vergangenen Wochen immer wahrscheinlicher geworden. Die Frage lautet, wie weit dieser führt. Ist es nur einer der Short-Squeezes, der bald endet, oder gibt es neue langfristig agierende Anleger, die immer noch investieren, weil die Alternativen fehlen. Die Antwort fällt schwer, doch ich investiere nicht mehr auf diesem Niveau. Mag es auch noch ein gutes Stück nach oben gehen, das Chance/Risiko-Verhältnis wird zunehmen schlechter. Und fast drei Jahrzehnte Börsenerfahrung haben mich gelehrt, dass es immer wieder Chancen gibt, tiefer einzusteigen.

Seite 1 von 3312345...102030...Letzte »

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • N-TV
    Interview Telebörse
    07/10/2014   09:40 Uhr
  • N-TV
    Interview Telebörse
    07/10/2014   14:15 Uhr
 
  • Kurzkommentare

     

    29.9.2014, 10:05
    +++ Wieder abwärts mit neuem Gap +++
    Die Erholung am Freitagabend stellt sich heute Morgen als sehr wenig nachhaltig heraus. Es geht direkt wieder abwärts und in der aktuellen Korrekturbewegung werden neue Tiefstände erreicht. Da haben nach dem Schottland-Referendum doch wohl sehr viele auf baldige Rekorde gesetzt und ziehen jetzt zunehmend die Reißleine. Damit wurde ein neues Gap nach unten aufgemacht und so befinden wir uns nun zwischen zwei Gaps. Das eine von heute Morgen bei 9.541 und das andere von vor einigen Wochen bei 9.354 bezogen auf den Dezember DAX-Future. Von der Stimmungsseite spricht einiges für eine zumindest kurzfristige Konsolidierung oder sogar Erholung. So ist das Sentiment für die Nasdaq gemessen an den kurzfristigen Börsenbriefen auf Null gefallen, nach noch 87,5 Prozent vor zehn Tagen. Es sind natürlich aber auch Minuswerte möglich, und damit die Empfehlung von Short-Positionen. Dennoch ein so starker Rutsch, wie er auch ablesbar ist in Sentimentdaten für den DAX, spricht zumindest für eine Pause im Abwärtstrend.

    22.9.2014, 12:58
    +++ Am Trend verdienen +++
    Titelgeschichte aus Focus Money 38/14 mit Porträt meines Fonds Riße Inflation Opportunities Fonds UI >>

    22.9.2014, 11:53
    +++ So leicht kann es sein! +++
    Manchmal funktioniert die Börse doch simpler als gedacht. Wieder einmal war es richtig ab Freitag 13:00 Uhr nach dem Verfall von DAX- Optionen und Future auf eine Short-Bewegung zu setzen. Heute Morgen ging es mit schlechten Vorgaben aus Fernost und den US-Futures dann weiter. Auch dort waren diese Freitag verfallen. Allerdings ergab sich dann heute Morgen direkt ein Abwärts-Gap, was nach oben wieder Anziehungskraft entwickelt hat. Bis auf einen Punkt gegenüber dem Settlement-Preis es DAX-Future vom Freitag wurde dieses aber bereits quasi geschlossen. Im Verlauf der Woche erwarte ich eher weiter fallende Kurse, vor allem auch deshalb, weil zum Wochenende diverse Auguren nun das Wiedererreichen der 10.000er Punkte Marke im DAX prognostiziert haben.  

   
 

Kategorien

 
 

Archiv

 
 

Kurzkommentare gibt es nun auch wieder hier im Blog und weiterhin natürlich auf meinem Expertendesktop bei Gudiants.

Kurzkommentare gibt es nun auch wieder hier im Blog und weiterhin natürlich auf meinem Expertendesktop bei Gudiants.