Gold bestätigt Saisonmuster

So einfach kann Börse sein. Gold muss man eigentlich immer nur Anfang September kaufen und zum Ende des Jahres wieder verkaufen. Wer dies konsequent gemacht hat, der hätte in den vergangenen neun Jahren extrem gute Gewinne gemacht, abgesehen vom Ausnahmejahr des Lehman-Crashes 2008.
Am Aktienmarkt halte ich die Bedeutung irgendwelcher Saisonphänomene zwar für extrem überbewertet. Gerade dann, wenn mit den entsprechenden Phänomenen argumentiert wird, treffen diese zumeist nicht zu. Erinnert sei nur an die vergangenen beiden Jahre in Bezug auf den September und Oktober. Diese beiden ach so gefährlichen Börsenmonate brachten die besten Gewinne. Beim Gold gibt es womöglich aber einen etwas reelleren Hintergrund. Denn im zweiten Halbjahr heiraten die Inder, bei denen Gold als Aussteuer immer noch eine hohe Bedeutung hat. Indien ist immer noch größter Goldimporteur. Besonders angenehm ist die Tatsache, dass von diesem Saisonzyklus im Gold bisher sonst kein Experte spricht. Mir ist er selbst erst 2009 aufgefallen, als ich die Leser meiner Focus Money Kolumne das erste Mal darauf aufmerksam machte.
Die Preisentwicklung der letzten Tage – insbesondere gestern Nachmittag und heute Vormittag – bestätigt dieses Muster mit weiteren Kursverlsuten erneut. Selbst der deutlich zur Schwäche tendierende US-Dollar hilft dem Goldpreis nicht. Bei 1.330 US-Dollar ist heute Vormittag eine weitere Unterstützung nach unten gebrochen worden. Hier hatte der Feinunzenpreis sein Tief Mitte November markiert, bevor er noch einmal zur Rekordfahrt aufbrach, die dann bei 1.430 Dollar am 7. Dezember zunächst endete. Die nächste Unterstützung ist nun 1.315 Dollar. Hier liegt das Tief aus der ersten Korrektur, die dem Aufwärtsschub von Juli bis Anfang Oktober auf 1.387 Dollar folgte. Danach kommt die 200-Tage-Linie, die nach wie vor schön ansteigt und derzeit bei 1.281 verläuft. Ich glaube, dass der Goldpreis diese allenfalls kurzzeitig und wenn überhaupt, dann auch nur um 30 bis maximal 50 Dollar unterschreitet. Mit anderen Worten: Verluste von nochmals rund 100 Dollar halte ich für möglich, mehr jedoch nicht. Ein starker Absturz wie 2006 oder 2008 erscheinen aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich.
Mein Stop liegt entsprechend meiner langfristigen Pyramidisierungsstrategie mit 25% Abstand vom letzten Kauf bei derzeit 1.062, womit ich mich sehr sicher fühle. Auf wieder 33 Prozent hätte ich diesen nur ausgedehnt, wenn wir zuvor nochmals eine extreme Aufwärtskerze in Richtung 1.550 Dollar gesehen hätten. Die gab es aber bisher nicht und auch die Stimmungsindikatoren zeigen keine extreme Euphorie. Das lässt sich zum einen am Put/Call-Ratio fest machen, aber auch am Hulbert Gold Newsletter Sentiment-Index. Dieser legt mit einem Stand von 33,6 Prozent den Schluss nah, dass die kurzfristig agierenden Goldspekulanten zu zwei Dritten auf Barmitteln sitzen. Im September waren es nur 40 Prozent.
Langfristig bleibt Gold so oder so erste Wahl. Die von mir prognostizierte Inflation kommt genau wie erwartet – auf leisen Sohlen und über einen Anstieg der Rohstoffpreise und steigende Importpreise wenn die Chinesen Ihren Yuan wie angekündigt aufwerten. Steigende Löhne werden als Ausgleich irgendwann folgen. In Deutschland ist dies bereits wegen der guten Konjunktur der Fall. Alle, die mit dem Argument der reichlich vorhandenen Überkapazitäten bisher erklärt haben, Inflation sei kein Thema, dürften so langsam aufwachen. Deflation wird 2011 auf jeden Fall nicht mehr das Thema sein, die anziehenden Inflationsraten neben den weiter heiß laufenden Gelddruckmaschinen stattdessen den Nährboden für weitere Inflationsängste liefern. Eine vermehrte Flucht ins Gold dürfte die Folge sein, die sich dann spätestens im zweiten Halbjahr mit einem weitern Aufwärtsschub manifestieren sollte.

  • Alexander Derr

    Guten Tag Herr Risse

    ich habe Ihr Buch original signiert von Ihnen hier liegen. Welchen Part des Buches spiegelt Ihrer Meinung die aktuelle und die zukünftige Zeit am besten wieder?

    Seite oder Kapitel wäre ausreichend mit kleiner Erläuterung.

    Würden Sie aufgrund der aktuell fallenden Kurse noch abwarten und dann allmählich nach und nach zu Kaufen um im 2.ten Halbjahr auf steigende Kurse durch eine anziehende Inflation zu spekulieren?

    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Derr

    • Stefan Riße

      Ich nehme an, dass sich Ihre Frage vor allem auf Aktien bezieht. Da bin ich mir nicht sicher, ob wir wirklich noch eine größere Korrektur bekommen. Für längerfristige Investments gilt insofern, was ich im Geldanlageteil geschrieben habe. Substanzstarke Aktien, um von der vielleicht in diesem Jahr schon aufkommenden Inflation zu profitieren.

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