Wirklich dunkle Aussichten fürs Gold?

Die Gemeinde der Charttechniker hat das Ende der Goldhausse ausgerufen. Gestern gab es hierzu einen großen Artikel im Handelsblatt. Unter anderem waren dort Wieland Staud und Klaus Deppermann zitiert. Und auch anderweitig waren Kommentare dieser Art bereits zu lesen. Der Kursverlauf sei klassisch für einen nachhaltige Trendwende, lautet der Tenor. Müssen wir uns also von den meinerseits ausgerufenen “konservativen Kurszielen” von 2.000 bis 3.000 US-Dollar pro Feinunze verabschieden? Nein! Diese Artikel zeigen nur, dass die technisch orientierten Gold-Spekulanten zu großen Teilen bereits ausgestiegen sein dürften. Und da vor allem im kurzfristigeren und gehebelten Bereich sehr stark mit Charttechnik gearbeitet wird, bestätigt mich die gestrige Lektüre in meiner Einschätzung, dass eine weitere mögliche Korrektur in diesem Frühjahr weniger stark ausfallen dürfte, als in 2006, 2008 und wahrscheinlich auch als im vergangegen Jahr. Womöglich hält sogar die 200-Tage-Linie, die derzeit bei 1.287 US-Dollar verläuft. Und wenn nicht, dürfte sie durch einen letzten Ausverkauf der Techniker nur kurz unterschritten werden. Dennoch liegt mein Stop derzeit bei 1.062, was mich sehr entspannt die Situation abwarten lässt.
Im Übrigen habe auch ich in meinem letzten Artikel zu Gold und auch in den folgenden Trading Comments auf das saisonal bedingt schlechtere Chance/Risiko-Verhältnis und auch auf den typischen Kursverlauf für eine Korrektur hingewiesen. Aber allein anhand von Charts ablesen zu wollen, dass sich ein jahrelanger Trend umkehrt, ist – mit Verlaub gesagt – lächerlich. Fundamentale Argumente werden dabei gänzlich außen vor gelassen, obwohl diese nach wie vor deutlich fürs Gold sprechen(siehe auch “Die große Perspektive”).

  • Martin Hark

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel! Ich beschäftige
    mich gerade mit der Charttechnik. Die Charttechnik ist der Grundbaustein der
    technischen Analyse. Im Gegensatz zur fundamentalen Analyse wird anhand der Charttechnik nur die
    Vergangenheit betrachtet. Im Endeffekt sollte diese Rückschlüsse / Hinweise
    über die zukünftige Entwicklungen liefern. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen
    Charttypen und –techniken. Die klassische Charttechnik, die Point- Figure
    Technik, die Candlestick Technik sowie die Elliott Wellen Theorie sind hierbei
    die bekanntesten. Je nach Tradingstrategie bzw. –absicht können einzelne Trader
    unterschiedliche Strategien bevorzugen bzw. anwenden. Die Charttechnik stellt hierbei sicherlich ein bedeutendes Tradinginstrument
    /-unterstützung dar. Jedoch muss man sich im Klaren sein, dass man die Zukunft
    nie von der Vergangenheit ableiten kann. Spekuliert man nur kurzfristig
    (Daytrading) kann man sicherlich anhand der Charttechnik agieren. Langfristig
    wird die Charttechnik meist noch mit fundamentalen Daten kombiniert. Wie man
    hierbei erkennt, kann man lediglich aufgrund der Charttechnik handeln oder
    diese als sinnvolle Unterstützung beim Trading einsetzten.

  • R. Schreiber

    Der Goldpreis wird nicht im Gleichschritt mit der Inflation gehen. Man könnte hier Kostolanys Geschichte vom Hund und seinem Besitzer erzählen.

    Ich würde ganz einfach sagen: Gold ist eine Versicherung gegen Inflation. Und wie jede Versicherung muss man auch diese hier vor dem Schadensfall abschließen. Genau das haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen getan. Deswegen ist der Preis gestiegen. Der Goldpreis hat sensationelle 10 Jahre hinter sich. Korrekturen sind nach diesem Anstieg extrem wahrscheinlich. Anders ausgedrückt: Die Schwankungsbreite wird zunehmen. Wie sich der Goldpreis langfristig in Zukunft entwickelt, wird von der Inflation und der Angst der Menschen abhängen. Die Entwicklung ist also offen und schwer zu progostizieren. Ich denke jedenfalls, dass die derzeit leicht anziehenden Inflationsraten bereits im Preis enthalten sind. Wegen 2,4% (offizieller) Inflationsrate kauft niemand Gold. Noch befinden wir uns hier in normalen “Verhältnissen”. Wer in den letzten Jahren Gold als Versicherung gekauft hat, der hat Angst vor größeren Inflationssprüngen als das, was wir bislang sehen.

  • Metzner

    Wie kann es sein dass der Preis von Öl unterschiedlicher Qualität wie WTI zu Brent aktuell über -11 $ auseinanderdriftet, obwohl WTI das chemisch bessere Produkt ist. Ist das der normale spekulative Wahnsinn oder gibt es eine Rationale (neben den Ableitungen aus den Unruhen in Kairo) dahinter?

    • Stefan Riße

      Die offizielle Begründung hierfür ist in der Tat die Situation in Ägypten, da es sich bei dem durch Ägypten bzw. den Suezkanal transportierten Öl um Brent handelt. Bei WTI soll es derzeit zudem ein hohes Angebot aus Kanada geben. Dennoch kann man natürlich auf eine Einengung der Differenz spekulieren. Mir fehlen dafür aber bisher genügend Detailkenntnisse zur Situation.

  • http://www.daxprophet.com Frank Felber

    Hallo,

    Ich arbeite ja mit der Astrologie für das Markttiming und bin in den letzten Jahren bei Gold exellent immer wieder gelegen.
    Gold wird heuer nicht abstürzen. Das Ende der Goldhausse ist 2012 angesagt. Zumindest weisen alle astrologischen Auslösungen darauf hin. Sogar das erste Halbjahr wird meines Erachtens besser ausfallen, als es sich alle Charttechniker erwarten. Ab Mitte Febr. könnte es zwar bis in die erste Märzwoche nochmals schwierig für Gold werden, doch danach kommen schon wieder die ersten stärkeren Bullenschübe, die durchaus stark genug sein sollten, um Gold schon wieder steigen zu lassen, oder zumindest auf hohem Niveau seitwärts laufen lassen. Die große Rallye kommt heuer im Sommer bei Gold. Das wird die stärkste Zeit werden, da wir drei Monate lang eine Sonne/Venus Konjunktion am Himmel haben, so wie wir jetzt gerade zwei Monate lang eine Sonne/Mars (Krieg und Aufruhr…habe ich eh in meinem DAF Interview darauf hingewiesen haben). Das kommt höchst selten vor, dass eine Konjunktion solange andauert. Normalerweise dauert so etwas drei vier Tage und wenn Sonne (Gold) mit Venus (Wertsteigerung, Fruchtbarkeit) drei Monate in Gleichklang steht und zugleich Jupiter (Expansion) noch ins Trigon zur Sonne des Goldhoroskops steht, dann wird Gold durch die Decke gehen.
    Juli, August und September sind heuer die bullishten Monate für Gold und Silber.

    LG frank Felber

  • Eddy

    Also ich weiss nicht …

    wenn ich so optimistisch wie der Verfasser des Artikels bin, könnte ich den SL Kurs nicht rund 30 % unter dem Höchstkurs stellen – insb. das ich ja der Auffassung bin – im 2 HJ geht es wieder aufwärts.

    Ich persönlich gehe auch von weiter steigenden Goldnotierungen aus – sehe aber mein SL Kurs bei rund 1250 für unvorhersehbare Abstürze vor.

    • Stefan Riße

      Andere Einschätzungen sind ja immer möglich. Bin im ersten Halbjahr in der Regel und aufgrund der historischen Erfahrung vorsichtiger. Ich fahre hier je eine Strategie mit der ich Gold bereits seit unter 500 Dollar halte mit meinem Ansatz des Pyramidisierens. Im zweiten Halbjahr vergrößere ich die Position dann in der Regel bzw. den Hebel mit dann engerem Stop von meistens zehn Prozent.

  • Gilbert Hütter

    Danke für die Antwort!

    Eine Frage noch!? – Was halten Sie von Investitionen in Weizen und Zucker!?,…und welche Titel würden sie hier bevorzugen!?

    PS: Ich habe Ihr Buch “Die Inflation kommt” geleses,…und finde es sehr gut,..auch für einen KIeineren Anleger, wie mich! In meinem Portfolio halte ich 4 der vorgeschlagenen Fonds von DJE usw.!

    lg

    • Stefan Riße

      Weisen ,Zucker und andere nicht langfristig lagerbare Rohstoffe sind für mich keine Anlage, sondern allenfalls Spekulationsvehicle. Man könnte sein Geld in Ackerland anlegen, aber nicht in verderblichen Lebensmitteln. Für Anlagen bleibe ich deshalb bei den Edelmetallen und vor allem beim Gold.

  • Gilbert Hütter

    Wie kann es eigentlich sein, dass obwohl weltweit die Inflation zunimmt, Gold, im Moment, dennoch rückläufig ist?!
    lg
    gilbert hütter

    • Stefan Riße

      Wie erwähnt, ist im ersten Halbjahr die Nachfrage aus Indien geringer und die Anleger empfinden die aktuelle Inflation noch nicht als Bedrohung, sondern sehen sie eher als Zeichen ein Konjunkturbelebung. Daher fließt das Geld derzeit wieder eher in Aktien. Doch das wird sich meiner Ansicht spätestens im zweiten Halbjahr wieder ändern.

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