Monatsarchiv: April 2011

DJ Ben Bernanke

Die aktuelle Börsen-Phase stellt selbst für sehr erfahrene Anleger und Spekulanten eine große Herausforderung dar. Die Situation in der wir uns befinden ist historisch einmalig. Noch nie hat es einen so starken Liquiditätsstimulus an den Märkten gegeben. Nicht nur dass die Zinsen in der westliche Welt tief sind wie noch nie, noch schwerer einzuordnen ist das direkte Gelddrucken auf dem Wege der Staatsanleihen-Käufe seitens der Notenbanken.
Während japanische Aktien von der lockeren Geldpolitik der vergangenen 15 Jahre kaum profitierten, lässt in den westlichen Industrieländern die Liquiditätswelle Aktien und Edelmetalle derzeit immer weiter klettern. Dabei dürfte es vor allem die US-Notenbank unter ihrem Vorsitzenden Ben Bernanke sein, der für die gute Laune an den Finanzmärkten sorgt. Die Zinsentscheidung gestern hat dies nochmals deutlich gemacht. Kaum hatte Bernanke betont, dass die Zinsen noch einen längeren Zeitraum auf dem aktuekllen Niveau verbleiben werden, waren Aktien, Euro und Edelmetalle durch die Decke gegangen, zur Freude derer, die in Aktien, Gold oder Silber investiert sind. Die anderen, die die erheblichen Risiken, die diese Politik in sich birgt und das Beispiel Japan vor Augen haben, stehen daneben und verstehen die Welt nicht mehr.
Ihre schmerzliche Erkenntnis ist einfach. Lockere Geldpolitik und sogar direkte Geldschöpfung führen nicht automatisch zu hoher Inflation, sind aber eben auch nicht nutzlos gegenüber Rezession und Deflation, wie es in Japan den Anscheint hat. Es scheint vielmehr eine Frage der Dosierung zu sein. Und nach dem Motto „viel hilft viel“ hat die Federal Reserve in den USA offenbar das nötige Maß gefunden, um selbst die überschuldete US-Wirtschaft so zu stimulieren, dass Rezession und Deflation verhindert werden können. weiterlesen

Alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit

Was hat es mit den Marken auf sich, von denen ich immer wieder in den Kurzmommentaren berichte? Viele haben mich um nähere Erklärungen gebeten. Hier sind sie nun:

Ist es eigentlich notwendig, den Markt richtig zu prognostizieren, um an der Börse Gewinne zu machen? Bei meinen längerfristigen Spekulationen versuche ich dies zumindest, und in der Vergangenheit auch mit einigem Erfolg. Einschätzungen zur fundamentalen Situation, zur Liquiditätsversorgung und zur Marktstimmung sind hierfür die Basis wie ich es in meiner Anlagephilosophie beschrieben habe. Im kurzfristigen Trading habe ich bis heute hingegen kein Rezept gefunden, die Trends an den Märkten zu prognostizieren. Doch ich habe einen anderen Ansatz entdeckt, der dies auch gar nicht notwendig macht.

Börse ist Zufallsverteilung

In meiner Anlagestrategie “Entgegen der Regel” habe ich die Philosophie, auf der diese basiert, bereits beschrieben. Doch nach der Lektüre folgt natürlich unweigerlich die Frage, wie denn die Wahrscheinlichkeit für Gewinntrades zu erhöhen ist. Die Logik bestätigt die Erfahrung, die ich gemacht habe. Wer am Beispiel des von mir bisher bevorzugt gehandelten DAX irgendwo zufällig in den Markt long oder short einsteigt, und ein Limit zehn Punkte darüber bzw. darunter platziert, der wird bei einem 100 Punkte entfernt platzierten Stop-Loss langfristig betrachtet in elf Fällen zehnmal zehn Punkte gewinnen und einmal 100 Punkte verlieren. Wäre dies auf die Dauer nicht so, hätten wir ja bereits ein automatisches Tradingsystem, das sicheren Profit abwerfen würde. Denn käme es auch bei einem zufälligen Einstieg dauerhaft zu mehr als zehn Gewinntrades  à zehn Punkten auf einen 100-Punkte Verlust, dann könnte man ja einfach blind die Orders platzieren. Käme es hingegen häufiger als alle zehn Mal zu 100 Punkten Verlust, müsste man die Sache nur umdrehen und jeweils den Stop-Loss auf zehn Punkte und das jeweilige Gewinnlimit auf 100 Punkte setzen. Doch so leicht macht es uns die Börse leider nicht. weiterlesen

Goldhoch außer der Saison

Im Jahr 2006 und im Jahr 2008 gelang es dem Goldpreis in der ersten Jahreshälfte neue markante Hochs zu produzieren, ansonsten fielen die Höchstkurse seit der langfristigen Preiswende im Jahr 2001 immer in die zweite Jahreshälfte. Der Grund hierfür dürfte vor allem in der indischen Hochzeitssaison zu finden sein, denn diese findet im zweiten Halbjahr statt. Bei allen Diskussionen, die wir über Gold als Kapitalanlage führen, darf nicht vergessen werden, dass nach wie vor die Schmuckindustrie der Hauptabnehmer für Gold ist. Dieses Jahr scheint nun wieder ein Ausnahmejahr zu werden. Der Goldpreis markierte mit Kursen von über 1.470 US-Dollar ein Allzeithoch.

Seit dem Jahr 2005 habe ich mich – nachlesbar auch in meiner Kolumne „Stimmungsbarometer“ in Focus Money – zu keinem Thema so klar positioniert wie zu Gold. Zwar habe ich spekulativ ausgerichteten Anlegern ab und zu auch zur Vorsicht geraten habe. So geschah es auch Anfang dieses Jahres. Aufgrund der simplen Beobachtung des saisonalen Zyklus erschien es mir ratsam, bei gehebelten Goldpositionen die Hebel etwas kleiner zu wählen, zum generelle Verkauf habe ich jedoch wie auch schon in den Jahren zuvor nicht geraten. weiterlesen

Konjunktur-Träume

Wie in der Vergangenheit immer wieder dargelegt, wird der Aktienaufschwung vor allem von der Liquidität getragen, die von den Notenbanken und hier vor allem der US-Notenbank Federal Reserve (FED) in die Finanzmärke geblasen wird. Denn obwohl die Länder der europäischen Währungsunion zusammen einen höheres Bruttoinlandsprodukt ausweisen als die US-Volkswirtschaft, nehmen sich die Liquiditätseinschübe seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) dagegen fast bescheiden aus. Mit gut 70 Milliarden Euro hat sie bisher insgesamt so viele Staatsanleihen aufgekauft, wie die USA in einem Monat aufkaufen. Und auch Japan wird mit seinen Maßnahmen dieser Art im Volumen bei weitem nicht das der USA erreichen. Die FED scheint sich zu sagen: Viel hilft viel und behält damit zunächst auch Recht. Die US-Konjunktur wächst nicht zuletzt weil mit dieser Politik die nächste Finanzmarktblase entsteht in der die Besitzer von Aktien derzeit aber das Gefühl haben, dass sie wohlhabender werden. Da Aktienbesitz in den USA weitaus verbreiteter ist, als hierzulande, ist der Einfluss auf die Konjunktur durchaus relevant. weiterlesen

Tanz auf einem Bein?

Nachdem der große Supergau in Japan ausgeblieben ist und auch das Eingreifen der alleierten Streitkräfte in Libyen plangemäß verläuft, sind die Börsen ganz schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen. Und das bedeutet: Die Kurse steigen. Die Frage, die sich nun stellt, ist einfach: Bleibt es bei dieser kurzen aber heftigen Korrektur, oder rutscht der Markt zunächst nochmals ab, bevor es wieder aufwärts geht.
Die übliche Anatomie spräche eher für eine nochmals stattfindende Korrektur, bzw. für die Ausbildung eines zweiten Beines, wie die Charttechniker es nennen würden. Denn auf zweien steht man bekanntlich sicherer, so die Theorie. Im vergangenen Jahr traf dies auf jeden Fall zu. Auch auf den Flash-Crash, der ja eigentlich nur eine Art technischer Ausrutscher war, folgte ein nochmaliges Abtauchen, bevor es dann wieder nach oben ging. Auch steht der Mai vor der Tür und wir alle kennen die schöne Börsenweisheit „sell in may and go away“. Weil diejenigen, die dieser Regel folgen, oft bereits im April aussteigen, ist der April schon häufiger der eigentlich schwierige Monat gewesen.
Zudem hat der Markt auf seinem Weg nach oben mit dem heutigen vier sogenannte Aufwärts-Gaps hinterlassen. Dies bedeutet, dass er an vier Tagen über dem Vortagsschluss eröffnet, und diesen anschließend auch nie wieder erreicht hat. Ausschlaggebend ist hier der Verlauf des DAX Future , der als Preismaßstab für die Bildung von CFD-Kursen auf den DAX ist. In meinen Kurzkommentaren beziehe ich mich auf die CFD-Marken.
Die Anzahl der offenen Gaps ist nun ungewöhnlich hoch, denn Märkte neigen dazu, solche Gaps zu schließen. Seit Beginn des Aktienaufschwungs im März 2009 hat der DAX am Ende nur in der Anfangsphase ein Aufwärtsgap hinterlassen, das nie mehr geschlossen wurde. Nun sind seit der Erholung weitere vier entstanden. Zur Verdeutlichung: Auf dem Weg nach unten hatte der deutsche Leitindex vier Gaps nach unten aufgemacht, weil die negativen Nachrichten vom Atomkraftwerk Fukushima ja immer über Nacht entstanden. Das letzte wurde heute bei 7.134 geschlossen. Sollte der DAX nun zunächst auch alle Aufwärtsgaps schließen, müsste er nochmals auf die 6.437 zurückfallen.

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