Monatsarchiv: Mai 2011

Glänzt Gold jetzt in allen Zeiten?

Die vergangenen Tage hat Gold eine beachtliche relative Stärke gezeigt. War es in der Vergangenheit so, dass stark fallende Aktien auch den Preis für das gelbe Metall drückten, weil Anleger generell aus Risiko-Assets flüchteten, war dies in den vergangenen Tagen nicht der Fall. Noch beachtlicher aber war die Resistenz gegenüber dem erstarkten US-Dollar im Zuge der Euro-Krise. Bedeutet dies nun, dass Gold, abgesehen von technischen Korrekturen, gar keine negativen Einflüsse mehr zu fürchten hat? Es sieht fast so aus. Denn läuft es konjunkturell gut und steigen die Aktien, steigt Gold ebenfalls, weil Anleger diversifizieren und weil eine gut laufende Wirtschaft das Thema Inflation auf die Tagesordnung bringt, insbesondere wenn der Konjunkturmotor – wie momentan – frisch gedrucktes Geld ist. Gibt es hingegen Krisenstimmung, dann suchen Anleger den sicheren Hafen und eine Alternative zu Euro und Dollar und flüchten ebenfalls in die Edelmetalle.

Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Ich halte es jedoch immer noch für durchaus möglich bis wahrscheinlich, dass ein weiterer deutlicher Rücksetzer im Euro auch den Goldpreis nochmals unter Druck bringen wird. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Reaktion im Gold manchmal etwas zeitverzögert eintritt.

Was mittlerweile jedoch  gegen eine scharfe Korrektur  der Feinunze wie im Mai 2006 spricht, sind die stark abgekühlten Stimmungsindikatoren. Anders als zu Beginn anderer scharfer Korrekturen, hat sich die Stimmung sehr schnell eingetrübt, ablesbar vor allem an Indikatoren aus den USA, die die kurzfristiger agierenden Marktakteure als Panel haben. Von Rekordoptimismus-Werten im Bereich von 73 Prozent ging es innerhalb kurzer Zeit auf sieben Prozent abwärts. Das zeigt, dass offenbar viele damit gerechnet haben, dass irgendwann der Rückschlag kommt, und die Rallye im Gold damit erst einmal zu Ende ist. Ich rechne zwar auch nicht damit, dass wir die Jahreshöchststände bei 1.577 Dollar im ersten Halbjahr nochmals erreichen werden, eine Seitwärtsbewegung bis in den Frühherbst und dann erneut steigende Kurse, wird als Szenario aber immer realistischer. Damit könnte ich – und ich hoffe auch meine Leser – gut leben.

Inflation im Vereinigten Königreich bereits bei 4,5 Prozent

Nach einen zwischenzeitlichen Rückgang im März ist die Inflation in Großbritannien bereits wieder auf 4,5 Prozent gestiegen. Bei einem Leitzins und damit Kurzfristzins von 0,5 Prozent bedeutet dies einen Kapitalverzehr von mittlerweile vier Prozent pro Jahr. In meinem Buch “Die Inflation kommt!”, hatte ich immer geschrieben, dass ich für das Pfund die höchsten Inflationsraten erwarte und fühle mich durch die jüngsten Zahlen insofern bestätigt. Auch die stagnierende Wirtschaft auf der britischen Insel und das Mega-Sparprogramm der Regierung ändern an der beschleunigten Teuerrung nichts, was so mancher in seinen Theorien gefangener Ökonom wohl nicht verstehen dürfte. Dennoch legte das Pfund nach der Veröffentlichung der Zahlen zu, weil diese Zinserhöhungsphantasie frei gesetzt haben. Logisch ist diese Bewegung aber nicht, denn wenn die Kaufkraft einer Währung deutlich mehr verliert, als die einer anderen, dann muss die mit dem höheren Kaufkraftverlust irgendwann abwerten, um Kaufkraftparität und damit Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Der Markt aber schaut zunächst darauf, welche Währung die höhere Verzinsung bietet und blendet das vorhandene Währungsrisiko völlig aus. Im Übrigen dürfte die Erwartung steigender Zinsen enttäuscht werden. Gerade wegen des ambitionierten Sparprogramms braucht die britische Wirtschaft die Unterstützung von der Zinsseite. Eine gleichzeitige fiskalische und monetäre Bremsung käme wirtschaftlichem Selbstmord gleich.
Es sind irrationale Marktbewegungen wie diese, die die besten Einstiegschancen, für Inverstoren mit gesundem Menschenverstand bieten. Denn längerfristig dürfte das Pfund unter diesen Bedingungen eher weiter verlieren. Fragt sich nur gegenüber welcher Währung? Die britische Teuerungsrate und Realverzinsung gibt nur die Richtung vor, in die es in der Eurozone und den USA ebenfalls gehen wird. Würde in den USA ehrlich gemessen, wäre die offizielle Inflationsrate wahrscheinlich bereits ebenso hoch. Nach wie vor glaube ich daran, dass der Schweizer Franken, die geringsten Inflationsraten aufweisen dürfte und somit die beste Basis auf der Long-Seite liefert.
Auf jeden Fall bestätigen die jüngsten Inflationszahlen die langfristig positiven Aussichten für den Goldpreis, auch wenn dieser zunächst in seiner Konsolidierungsphase verharrt. Dass er nun doch noch analog zum Mai 2006 zum finalen Ausbruch ansetzt, halte ich für immer unwahrscheinlicher. Ein weiterer Einbruch auf die 200-Tage-Linie bei 1.373 US-Dollar ist sicher möglich, vor allem wenn der Euro weiter fallen sollte. Die andere Variante ist eine Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Kursniveau.

QE 2 – Ende wirft Schatten voraus.

Nachdem die Rohstoffe ja bereits deutlich nachgegeben haben und gestern weitere Verluste hinnehmen mussten, schlossen sich die Aktien ihnen nun an. Folgt jetzt auch hier eine ausgedehntere Konsolidierung? Und ist dies bereits eine Vorwegnahme des Endes von QE2, dem Aufkaufprogramm für US-Staatsanleihen Ende Juni? Alle Börsianer haben dieses Datum im Hinterkopf, weil jedem klar ist, dass die steigenden Aktien- wie auch Rohstoffpreise vor allem auf diese Liquiditätseinschübe seitens der Federal Reserve zurückzuführen sind. Mit den wiederangelegten Zinseinkünften betragen diese fast 100 Milliarden Dollar pro Monat. Die Bilanzsumme der FED weitet sich immer stärker aus und hat sich seit 2009 nochmals mehr als verdoppelt.

Quelle: Finanzwoche

Solange das Programm läuft, fließt das Geld natürlich noch, doch es ist durchaus denkbar, dass vorherige Gewinnmitnahmen den positiven Effekt mehr als aufheben. Bezüglich des zuletzt gemessenen Optimismus an den Aktien- wie auch den Rohstoffmärkten ist auf jeden Fall ausreichend Rückschlagspotenzial gegeben. weiterlesen

Griechenland – Austritt möglich, aber nicht jetzt!

Noch am Freitag nach dem Treffen einiger EU Finanzminister und Europa-Zentralbank-Chef Jean-Claude Trichet in Luxemburg kam das Gerücht auf, Griechenland wolle die Eurozone verlassen und die Drachme wieder einführen. Trotz umgehender Dementis seitens der griechischen Regierung kam es zu einem weiteren Rutsch des Euros bis auf 1,4300.

Seitdem wird nun diskutiert, ob ein solcher Austritt überhaupt möglich wäre, was es für den Euro heißen, ob es den Griechen denn überhaupt helfen und was es für die griechischen Schulden bedeuten würde. Ganz unterschiedlich und nicht immer logisch sind die Kommentare, so dass ein wenig Klarstellung von Nöten ist.

1. Ist es überhaupt möglich, dass Griechenland, oder irgendein anderes Land aus der Währungsunion ausscheidet?
De Jure nein, de facto ja. Zwar sieht der Maastricht-Vertrag den Austritt eines Landes nicht vor, doch diejenigen, die so argumentieren, vergessen, dass alle Teilnehmerländer souveräne Demokratien sind. Und wenn sich die Regierung eines dieser Länder für den Austritt entscheidet, gibt es am Ende keine militärische Macht, die es davon abhalten könnte. Da ist der Unterschied zur innerdeutschen Währungsunion der einzelnen Bundesländer. Hätte noch zu D-Mark-Zeiten der Ministerpräsident eines Bundeslandes eine eigene Währung einführen wollen, wäre er durch die Bundesregierung bzw. die Justiz in letzter Konsequenz auch mit Gewalt daran gehindert worden. Doch Brüssel verfügt nicht über derartige Möglichkeiten.

2. Was würde dies für den Euro bedeuten?
Die Angst geht um, dass das Ausscheiden eines Landes zum Zusammenbruch der gesamten Währungszone führen würde. Für diese Vermutung existiert jedoch gar kein Grund. Es ist am Ende die Entscheidung einer jeden einzelnen Regierung, eine nationale Währung wieder einzuführen, oder nicht. Je besser ein bereits ausgetretenes Land mit dieser Variante fährt, desto größere Anziehungskraft dürfte diese Option haben. Am Ende könnte vielleicht nur ein Kern von Hartwährungsländern übrig bleiben. weiterlesen

Gold-Absturz hat Korrekturqualität

Mit dem heutigen Absturz des Goldpreises bekommt die Bewegung nun echte Chance auf eine ausgedehntere Korrektur. Sieht man sich die vergangenen Jahre an, dann begannen die Korrekturen fast immer mit massiven Kursstürzen, bzw. so massiven Kursstürzen folgte fast immer eine deutlichere Korrektur. Nur im November 2010, als Gold in drei Tagen fast 90 Dollar verlor, ging es umgehend wieder nach oben. Die Verluste finden durch die Bank bei den Rohstoffen statt. Ob Öl oder auch Silber, die noch deutlicher verlieren. Die Schwäche war schon in den vergangenen Tagen erkennbar, und die Stärke des Dollar – wegen der für Juni von der EZB abgesagten Zinssenkung – hat dem Bereich heute den entscheiden Schlag versetzt. Es macht einmal mehr deutlich, dass die steigenden Rohstoffe auch eine Abwertung des Dollar darstellen. Überraschend ist der Einbruch nicht. Auf die erhöhte Volatilität als Indiz hatte ich hingewiesen und auch die extrem hohen offenen Long-Positionen an den Terminbörsen waren ein weiteres Zeichen für diese Gefahr. Zum Timing nützen die Zahlen leider nicht, wie ich festgestellt habe, doch wenn es zum Absturz kommt, dann deuten hohe Positionen auf ein hohes Liquidationspotenzial und damit entsprechend schnelle Verluste hin. Im Übrigen waren unterdessen auch die von Consensus befragten Optimisten auf zuletzt über 80 Prozent gestiegen, was ein klares Verkaufssignal bedeutet.
Ich halte es jetzt eher für wahrscheinlich, dass irgendwann in den kommenden Tagen eine Aufwärtskorrektur erfolgen wird und es anschließend aber noch weiter abwärts geht. Die 200 Tage-Linie liegt derzeit bei 1.361 Dollar. Sie könnte ein mögliches Korrekturziel sein.
In meiner im ersten Halbjahr stets vorsichtigeren Haltung zu Gold fühle ich mich jetzt bestärkt und bleibe bei meiner Position mit Hebel 4. Mein Stop liegt derzeit auf der 1.166. Bis dahin ist es noch ein weiter, ich glaube zu weiter Weg. Die anziehende Inflation spricht generell weiter stark fürs Gold.

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