Die vergangenen Tage hat Gold eine beachtliche relative Stärke gezeigt. War es in der Vergangenheit so, dass stark fallende Aktien auch den Preis für das gelbe Metall drückten, weil Anleger generell aus Risiko-Assets flüchteten, war dies in den vergangenen Tagen nicht der Fall. Noch beachtlicher aber war die Resistenz gegenüber dem erstarkten US-Dollar im Zuge der Euro-Krise. Bedeutet dies nun, dass Gold, abgesehen von technischen Korrekturen, gar keine negativen Einflüsse mehr zu fürchten hat? Es sieht fast so aus. Denn läuft es konjunkturell gut und steigen die Aktien, steigt Gold ebenfalls, weil Anleger diversifizieren und weil eine gut laufende Wirtschaft das Thema Inflation auf die Tagesordnung bringt, insbesondere wenn der Konjunkturmotor – wie momentan – frisch gedrucktes Geld ist. Gibt es hingegen Krisenstimmung, dann suchen Anleger den sicheren Hafen und eine Alternative zu Euro und Dollar und flüchten ebenfalls in die Edelmetalle.
Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Ich halte es jedoch immer noch für durchaus möglich bis wahrscheinlich, dass ein weiterer deutlicher Rücksetzer im Euro auch den Goldpreis nochmals unter Druck bringen wird. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Reaktion im Gold manchmal etwas zeitverzögert eintritt.
Was mittlerweile jedoch gegen eine scharfe Korrektur der Feinunze wie im Mai 2006 spricht, sind die stark abgekühlten Stimmungsindikatoren. Anders als zu Beginn anderer scharfer Korrekturen, hat sich die Stimmung sehr schnell eingetrübt, ablesbar vor allem an Indikatoren aus den USA, die die kurzfristiger agierenden Marktakteure als Panel haben. Von Rekordoptimismus-Werten im Bereich von 73 Prozent ging es innerhalb kurzer Zeit auf sieben Prozent abwärts. Das zeigt, dass offenbar viele damit gerechnet haben, dass irgendwann der Rückschlag kommt, und die Rallye im Gold damit erst einmal zu Ende ist. Ich rechne zwar auch nicht damit, dass wir die Jahreshöchststände bei 1.577 Dollar im ersten Halbjahr nochmals erreichen werden, eine Seitwärtsbewegung bis in den Frühherbst und dann erneut steigende Kurse, wird als Szenario aber immer realistischer. Damit könnte ich – und ich hoffe auch meine Leser – gut leben.







