Jürgen Starks Rücktritt ist Fahnenflucht

Chefvolkswirt Jürgen Stark warf wegen offensichtlicher Zerwürfnisse im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag das Handtuch. Doch dieser symbolische Akt ist kontraproduktiv. Für eine Stabilitätspolitik à la Bundesbank ist es längst zu spät. Nur mehr Inflation kann den Euro noch retten.

Politiker, die zu ihren Positionen stehen, auch wenn dies bei Wählern unpopulär ist, oder sie es ihr Amt kosten kann, sind selten geworden. Die meisten drehen ihr Fähnlein der eigenen Karriere willen lieber in den Wind und tragen ihren Teil zum Glaubwürdigkeitsverlust der politischen Institutionen bei.
Eines ist sicher, diesen Vorwurf kann man Jürgen Stark nicht machen. Am vergangenen Freitag gab der Chefvolkswirt der EZB seinen Rücktritt bekannt. Offiziell hieß es „aus persönlichen Gründen“ tatsächlich sollen es große Zerwürfnisse im EZB-Rat über den Ankauf von Staatsanleihen der Peripherie-Länder und die Ausrichtung der weiteren Geldpolitik insgesamt gewesen sein. Stark geht insofern offenbar aus den gleichen Motiven, die bereits Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber dazu bewegten, sein Amt niederzulegen und sich nicht mehr um den Posten des nächsten EZB-Präsidenten zu bewerben.
Zugegeben, auf den ersten Blick ringt der Schritt Starks und Webers einem Respekt ab, näher beleuchtet sind sie jedoch Fahnenflüchtige, die mitgemacht haben, solange die Fehler der von ihnen mitgetragenen Politik nicht auffielen, und die nun, wo diese offensichtlich werden, vor den Folgen davon laufen. Denn nichts anderes sind die Staatsanleihekäufe durch die EZB. Sie sind die Konsequenz einer über Jahre viel zu stark wachsenden Verschuldung in der Eurozone und einer grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Euros an sich. Dies war Axel Weber und auch Jürgen Stark von Beginn an bewusst, wie aus Interviews mit beiden zumindest zwischen den Zeilen immer wieder erkennbar wurde.
Für die von ihnen offenbar noch immer geforderten Stabilitätspolitik à la Deutsche Bundesbank ist es jetzt viel zu spät. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Nützlich wäre es gewesen, wenn beide und auch Starks Amtsvorgänger Ottmar Issing, der immer die gleiche Linie vertrat, ihre gewichtigen Stimmen viel früher erhoben oder durch Rücktritte auf die zu erwartenden Folgen dieser falschen Politik hingewiesen hätten. Das einzige, was Jürgen Stark mit seiner Ankündigung vom Freitag nun bewirkt hat, war eine weitere Schwächung des bereits angeschlagenen Euros.
Ob die Gemeinschaftswährung in der heutigen Form überleben wird, ist ohnehin fraglich. Die Währungsunion vor der politischen Union zu installieren, war ein großer Fehler. Alle Verträge und Absprachen beginnend beim Maastricht-Vertrag und allem, was zusätzlich in den vergangenen zwei Jahren seit Ausbruch der Euro-Krise an Maßnahmen und Sanktionen zur stärkeren Etatdisziplinierung beschlossen wurden und womöglich noch beschlossen werden, sind im Grunde wertlos.
Die Teilnehmerstaaten sind souveräne Demokratien, das darf nicht vergessen werden. Im besten Fall werden die gerade im Amt befindliche Regierungen der einzelnen Länder noch bereit sein, sich an die Verträge und Absprachen zu halten, die sie selbst eingegangenen sind. Spätestens wenn diese jedoch abgewählt werden, und eine Partei in die Regierungsverantwortung gewählt wird, die einen völlig anderen Kurs in der Europapolitik fordert, sind alle Verträge Makulatur. Denn mögen diese auch noch strenge Sanktionen für Schuldensünder vorsehen, Brüssel fehlt die militärische Macht, sie durchzusetzen. Es mag hart klingen, aber wenn diese Ultima Ratio als Druckmittel am Ende fehlt, wird letztendlich kein Land davon abzuhalten sein, die Verträge zu brechen, wenn dies Volkes Wille ist.
Dass dieser schon heute nicht überall mit den deutschen Sparvorstellungen übereinstimmt, kann seit Ausbruch der Eurokrise auf den Straßen Athens, Roms und Madrids eindrucksvoll beobachtet werden. Und die Proteste dürften an Schärfe noch zunehmen, denn die Sparauflagen werden den betroffenen Ländern über Jahre hinweg schwächeres Wachstum, höhere Arbeitslosenzahlen und geringere Sozialleistungen bescheren.
Natürlich kann man ein Land, das sich nicht an die Sparauflagen hält, in die Pleite rutschen lassen, so wie es offiziell auch vorgesehen ist. Inoffiziell aber wird dies allenfalls noch für ein kleines Land wie Griechenland als Option gesehen, im Falle von Spanien oder Italien wird jedoch ein Bankenkollaps befürchtet, der die Lehman-Krise noch weit überbieten würde.
Ein Auseinanderbrechen des Euros wäre wohl die zwangsläufige Folge und damit wohl auch das Ende der vor mehr als 50 Jahren begonnen europäischen Integration. Vor dem Hintergrund, dass sie die Folge von zwei verheerenden Kriegen in Europa war und die 400-jährige Erbfeindschaft mit Frankreich beendete, wird deutlich, dass es sich lohnt, für den Erhalt des Euros zu kämpfen.
Die Initiative Frankreichs und Deutschlands, eine europäische Wirtschaftsregierung ins Leben zu rufen, ist der richtige Weg, weil er hin zu einer politischen Union führt, die eigentlich vor der gemeinsamen Währung hätte geschaffen werden müssen. Der Prozess benötigt jedoch Zeit und die nationalen Regierungen werden nur bereits sein, Souveränität nach Brüssel zu verlagern, wenn die Eurozone in der Zwischenzeit wieder stabilisiert werden kann. Reine Spar- und Stabilitätspolitik, wie die geldpolitischen Falken Axel Weber und Jürgen Stark fordern, führt dabei jedoch in die Sackgasse. Die von ihnen befürchtete höhere Inflation, ist nämlich der einzige Weg, den Euro noch zu retten.
Hauptursache für die Probleme der Peripherieländer ist deren mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, bewirkt durch die tiefen Zinsen, die diese Länder mit der Einführung des Euros quasi aus Deutschland importiert bekamen und bis dahin nicht kannten. Entsprechend freudig wurden diese von den Spaniern, Portugiesen, Griechen und Iren aufgenommen und auf Kredit gekauft, was das Zeug hielt – vor allem Immobilien. Der hierdurch entfachte Bauboom kreierte ein Wirtschaftswachstum, das uns Deutsche jahrelang neidisch nach Spanien und Irland blicken ließ. Es sorgte in den boomenden Ländern für einen wachsenden Lebensstandard und steigende Löhne und damit aber eben auch zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Kernländern Europas.
Da eine Abwertung der eigenen Währung zum Ausgleich dieser Wettbewerbsunterschiede nun nicht mehr möglich ist, bleibt nur eine Umkehr dieses Prozesses. Und das bedeutet nichts anderes als das die Löhne in Deutschland und den anderen Kernländer Europas rauf müssen, um die Lohnkosten in der angeschlagenen Peripherie wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Natürlich wäre es theoretisch auch möglich, die Löhne in Spanien, Portugal, Griechenland und Italien zu senken, praktisch wird eine solche Politik diese Länder immer tiefer in die Wirtschaftskrise führen, wie sich am Beispiel Griechenlands mit den aktuellen Wachstumszahlen zeigt. Deflation wäre die Folge und damit ein weiterer Anstieg der Verschuldungsrelationen. Denn in der Deflation wächst der Wert des Geldes und damit auch der der Schulden. In der Inflation ist es umgekehrt. Auch deshalb ist höhere Inflation wünschenswert, denn so wäre es möglich ohne weitere schmerzhafte und politisch kaum durchsetzbare Sparmaßnahmen, die Schuldenlast der Länder zu reduzieren. Angst vor Hyperinflation braucht deshalb niemand zu haben. Wer davor warnt, vergisst ganz offenbar, dass diese in der deutschen Geschichte Folge von verlorenen Kriegen waren.

  • Herbert

    @Tetik
    Ihr Beitrag hat mich in seiner Argumentation und Sachlichkeit sehr beeindruckt. Ich würde da gern etwas zu sagen:
    Zu 1. Bei allem Respekt für Herrn Weber und Herrn Stark, ihnen aber für einen „aussichtlosen Kampf gegen Windmühlen“ zu danken, dem kann ich mich nicht anschließen. Da erwarte ich wirklich mehr.
    Zu 2. Das Thema ist wirklich sehr komplex.
    Hier ist aber schon zu beachten, dass bis 1989 Europa und Deutschland geteilt war und die Globalisierung inzwischen eine ganz andere Dimension als nach dem Krieg hat.
    Es gibt übrigens neben militärischen auch Wirtschafts- und Finanzkriege. Zumindest lauern Gefahren.
    Zu 3. Da haben Sie völlig Recht, wenn die Politik schlecht ist oder die Menschen nicht mitnimmt, wird es neue Parteien geben.
    Zu 4. Bei Inflation müssen natürlich die Löhne in gleicher Weise mitsteigen (+ kalter Progression der Steuern und der anfallenden Abgaben), so dass für die Arbeitnehmer kein Verlust entsteht. Die Renten sind ohnehin an die Bruttolöhne gekoppelt und die Sozialleistungen wären anzupassen.
    Verlierer: die Sparer
    Gewinner: alle die mit Kredit investiert hätten (z.B. Unternehmen, die somit leichter neu investieren können und neue Arbeitsplätze schaffen können – somit auch alle Arbeitnehmer!- und Häuslebauer).
    „Was ist schlecht an Deflation? Ach ja, die Preise fallen und deshalb will jeder erst später kaufen und es setzt sich die berühmte Abwärtsspirale in Gang. So die allgemeine Logik. Wie weit kann der Preis eines Gutes denn in einer funktionierenden Wirtschaft fallen? Antwort: Bis auf das Preisniveau, wo der Anbieter nicht mehr wirtschaftlich produzieren kann. Der Anbieter wird ausscheiden und ein wettbewerbsfähigerer Anbieter wird seinen Marktanteil übernehmen. Genau das ist es, was mindestens seit dem Jahr 2000 in der Technologiebranche läuft. Warum soll das, was für Computer gilt, nicht auch für Autos, Schiffe, Uhren, Flugzeuge gelten. Immer unter der Voraussetzung, daß wir die Martktwirtschaft wollen.“
    Interessant! Allerdings würden Investitionen stärker aus vorhandenem Geld erfolgen müssen, da ein Kredit für eine Innovation sich durch die Deflation sofort verteuern würde. Leichtfertige Kredite würden sicher gebremst, aber eben nicht nur diese. Der Fortschritt verliefe langsamer und die Unternehmen, Staaten und Regionen stehen im Wettbewerb! Der schnellere siegt meist.
    Zu 5. „Was der deutsche Exporteur VW verkauft, kann der italienische Exporteuer Fiat nicht verkaufen“
    Das trifft auch auf VW und BMW zu und damit eine der Regionen in der sich die Hersteller befinden nicht untergeht, achtet der deutsche Staat darauf, dass keine Region auf der Strecke bleibt. Das will man im Prinzip auf europäischer Ebene ebenfalls, damit keine zu starken, regionalen Spannungen entstehen und Europa ein florierender international wettbewerbsfähiger Kontinent ist. Hier könnte es auch zu einer engeren Zusammenarbeit kommen, ähnlich wie VW/Seat/Skoda/Porsche/Audi.
    Zu 6. Die Haftungsrisiken entstehen m.E. erst durch die falsche Politik!
    Griechenland hat die Wirtschaftskraft Hessens und kann durch Europa nicht nach vorn gebracht werden, unfassbar!
    Griechenland hat zu hohe Schulden gemacht, das war ein Fehler, der aber leider zugelassen wurde. Jetzt nur Sparen verordnen bringt das Land nicht voran und korrigiert den Fehler nicht wirklich. Das eingesparte Geld muss an anderer Stelle für Investitionen genutzt werden. Die zu hohen Schulden können nur durch Wirtschaftswachstum abgebaut werden. Zusätzlich braucht Griechenland Strukturanpassungen wie z.B. ein funktionierendes Steuersystem.
    Notwendig wäre ein „Marschallplan“.
    Herr Rösler hatte die dt. Industrie eingeladen und Investitionen in Griechenland seitens der dt. Industrie prüfen lassen. Damit hätte die dt. Industrie Gewinne machen können, z.B. die z.Z. leidende Solarindustrie und Griechenland hätte wieder ein paar Einnahmen mehr für die Kreditrückzahlung. Aber das Ergebnis, die Industrie hat abgewinkt, keine ausreichende Rechtssicherheit und keine funktionierende Verwaltung.
    Wenn dem so ist, müsste man in Brüssel „ im Dreieck springen“, das herzustellen ist wohl wesentlich wichtiger als eine Glühlampenverordnung oder wie Gurken auszusehen haben. Da scheint man sich in Brüssel wohl wahrlich die falschen Prioritäten zu haben. So kann man die Menschen nicht für Europa begeistern.

    Mit besten Grüßen

    • tetik

      @Herbert
      Vielen Dank, daß Sie meinen Beitrag gelesen haben und sich auch die Zeit genommen haben, meinen Beitrag zu kommentieren. Daher einige Anmerkungen zu Ihrem Beitrag

      1. So setzt sic der aktuelle EZB-Rat zusammen

      Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident
      Vítor Constâncio, EZB-Vizepräsident
      Lorenzo Bini Smaghi, Direktoriumsmitglied
      José Manuel González Páramo, Direktoriumsmitglied
      Jürgen Stark, Direktoriumsmitglied
      Peter Praet, Direktoriumsmitglied
      Guy Quaden (Belgien)
      Jens Weidmann (Deutschland)
      Patrick Honohan (Irland)
      Georgios Provopoulos (Griechenland)
      Miguel Fernández Ordóñez (Spanien)
      Andres Lipstok (Estland)
      Christian Noyer (Frankreich)
      Mario Draghi (Italien)
      Athanasios Orphanides (Zypern)
      Yves Mersch (Luxemburg)
      Michael C. Bonello (Malta)
      Nout Wellink (Niederlande)
      Ewald Nowotny (Österreich)
      Carlos Costa (Portugal)
      Marko Kranjec (Slowenien)
      Jozef Makúch (Slowakei)
      Erkki Liikanen (Finnland)

      Alleine die Tatsache, daß die Stimme des Vertreters von Malta genauso viel wert ist wie die Stimme von Herrn Stark ist in meinen Augen vor dem Hintergrund der Entwicklungen, insbesondere seit der Entscheidung im Mai 2010 griechische Anleihen aufzukaufen, mehr als genug Beleg dafür, daß stabilitätsorientierte Notenbanker im EZB-Rat gegen eine unüberwindbare Mehrheit von Gelddruckern auf verlorenem Posten stehen. Schuld daran ist leider wieder die Politik.

      zu 2.
      Sie haben Recht, daß nationale Währungen die Tendenz haben, Währungskriege zu begünstigen. Allerdings wird aktuell primär das Argument von millitäischen Kriegen ins Feld geführt, wenn man begründet, warum der Euro für die europäische Integration unabdingbar wäre. Wenn man sich zudem Asien und Lateinamerika anschaut ist das millitärische Argument haltlos und das Währungskriegsargument teilweise treffend.

      zu 3.
      Wenn ich mir eine Regel für die Wirtschat wünschen könnte, dann wäre es die, daß die Kredite eines Unternehmens grundsätzlich auf 25% des Bilanzkapitals begrenzt werden müssen. Denn wohin sie auch schauen, ob LTCM, Asienkrise, Internet, Argentinien, Subprime, Island, Eurokrise. Auslöser ist immer eine Überschuldung gewesen, die so lange gut ging wie Wachstum da war. Aber die wirtschaftliche Entwicklung verläuft wie alles in der Natur in Zyklen. Deshalb brechen diese auf Schulden gebauten Kartenhäuser früher oder später zusammen. Was bringt es mir, wenn ich fünf Jahre lang im Schnitt inflationär getrieben 2% p.a. gewachsen bin, wenn im 6. Jahr ein Einbruch von 10% erfolgt und im nächsten Jahr von 5%. Das ist leider auch das, was diese Betonköpfe wie Krugman oder Bofinger nicht sehen wollen. Ihr Credo lautet. Wir müssen Wachstum erzeugen,um jeden Preis. Sie erkennen ga nicht, daß Sie damit ein Strohfeuer nach dem anderen abfackeln und am Ende in immer mehr Schulden versinken. Das ist für Sie nur der Beleg dafür, daß man noch nicht genug getan hat. Natürlich verzichtet man auf Wachstum aber dafür ist die Qualität des Wachstums viel solider.

      zu 5.
      Das von Ihnen angeführte Beispiel Seat und VW ist sehr gut. Denn es ist aus meiner Sicht der Spiegel der Eurokrise. Per 30.06.2011 hat Seat einen operativen Verlust von 48 Mio. € erwirtschaftet. Während AUDI rund 2,5 Mrd EURO Gewinn erwirtschaftet hat. VW hat 2,1 Mrd. EUROO Gewinn erwirtschaftet. Seien wir daher bitte alle realistisch und ehrlich. Der EURO hat die Mittelmeerländer mit billigem Geld vergiftet. Niemand hat bei Zeiten etwas dagegen getan. Rein wirtschaftlic ist die Sache klar. Die Länder müssen entweder aus dem Euro austreten und wieder in nationale Währungen zurückkehren oder sie wechseln in einen Süd-Euro. Denn der Zeitpunkt, wo man noch etwas hätte retten können, ist 5 Jahre vergangen. Dabei drängt die Zeit. Denn im Jahr 2012 werden auch Deutschland und Frankreich in der Rezession sein und dann wird sich vor den Wahlen im Hinblick auf “Solidarität mit Griechen, Italienern, Portugiesen und Spaniern” nichts bewegen.

      zu 6.
      Für einen Marschal-Plan braucht man Geld. Wie wollen Sie einer Kindergärtnerin in Deutschland erklären, daß die öffentlichen Kassen leer sind und es daher keine Lohnerhöhungen von mickrigen 150 Euro Brutto geben kann und im gleichen Atemzug verkünden Sie, daß man mit unzähligen Steuermilliarden (nachweislich betrügende) Griechen unterstützen wollen. Da können die Medien noch hundert Serien lancieren, wie gut und wichtig der Euro für Deutschland ist. Es ist auch immer leicht, Verzicht auf Egoismus zu prädigen, wenn man selber eine gesicherte Existenz hat.
      Freundliche Grüße

  • Toni

    Ob Fahnenflucht oder nicht… beide haben Sie sich verabschiedet, weil Sie sich nicht durchsetzen konnten. Ich bin übrigens auch sehr überzeugt, daß unser ehem. Bundespräsident Horst Köhler aufgrund großer Differenzen (jedoch mit der Kanzlerin) das Handtuch geworfen hat. Köhler trat kurz nach der Lehmann Pleite zurück, und hatte wohl auch in Sachen Geldpolitik sich nicht durchsetzen können, bzw. wurde damals von der arroganten “First Lady Deutschlands” nicht gehört…. ob man das nun Fahnenflucht nennt oder nicht ist für mich sekundär. Fakt ist, daß man scheinbar auch als Politiker nicht mit der Wahrheit durchkommt. Der Ober sticht den Unter…
    Naja, dann arbeien wir halt bis 69 oder 73 ist doch auch egal… Trifft doch eh hauptsächlich nur die noch Jugendlichen. bin gespannt wann die nächsten Autos brennen und in welcher Stadt.

  • Michael Ruff

    Hallo Herr Riße,

    hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl bez. der Währungsunion. Vergleiche das immer mit einem guten Faß Wein, in das man nur ein kleines Glas Gülle kippt. Der Wein ist anschließend ungenießbar!
    Denke man hätte die WU mit etwas mehr Bedacht auf den Weg bringen müssen. Aber der Druck der Hauptprofiteure (die (deutsche!)) Finanz- und Industriewirtschaft) hat wohl über die Bedenken der breiten Mehrheit gesiegt.
    Das sich die Herren Weber und Stark nun zwischenzeitlich von ihren “Taten” distanziert haben, ist sicher, wie Sie es trefflich ausdrücken, letztendlich Fahnenflucht, aber immer noch besser als der Rest der Strippenzieher in Politik und Wirtschaft, die aus Starrsinn an Dingen festhalten, die früher oder später eh nicht mehr zu retten sind.
    Für mich gilt in diesem Fall noch immer das Motto: “Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!”

    Beste Grüße

  • Tetik

    Herr Risse,

    eins vorweg, ich bin kein Hellseher und behaupte auch nicht, daß meine Meinung richtig ist. Ihrem heutigen Kommentar kann ich trotzdem aus mehreren Gründen nicht zustimmen.
    1. Weder Herr Weber, noch Herr Stark sind aus meiner Sicht Fahnenflüchtige. Vielmehr sind Sie Opfer des Systems EZB, das in letzter Konsequenz nie politisch unahängig gewesen ist. Ganz im Gegenteil, man muß insbesondere Herrn Stark dafür dankbar sein, daß er mit der Minderheit der anderen Falken bis zum Schluß den ausweglosen Kampf gegen die Windmühlen der Politik gekämpft hat.
    2. Sie und auch viele Medien schreiben, daß mit dem Euro die europäische Integration scheitern würde. Rückschau: Der zweite Weltkrieg endete im Jahr 1945. Der Euro wurde im Jahr 2000 eingeführt. Das heißt, auch ohne EURO gab es mehr als 50 Jahre keinen Krieg zwischen europäischen Ländern und es gibt nichst, was darauf hindeutet, daß bei einem Scheitern des Euro und der Wiedereinführung nationaler Währungen, Krieg zwischen Deutschland und Frankreich oder irgendeinem europäischen Land ausbrechen würde.
    3. Was Sie, die Medien und letztendlich die Politiker bewußt ignorieren, ist der Wille der Mehrheit der Bevölkerung. Denn die ist gegen ein Vereintes Europa mit einer Zentralregierung in Brüssel. Und an dieser Stelle ist Schluß. Keine Regierung, keine Wirtschafts- und Bankenlobby ist mächtiger als das Volk. Wenn es heute oder im Jahre 2013 in Deutschland zu einer Volksabstimmung kommt, werden mehr als 50% der Bürger genau so abstimmen. Ob Ihnen und Anderen diese Ansicht gefällt, ist eine andere Frage.
    4. Sie verkennen bzw. verharmlosen, wie schlimm die Inflation für den einfachen Bürger ist. In Deutschland (aber auch in vielen anderen Ländern) gibt es immer mehr Rentner und Bezieher von Sozialleistungen. Für diese Leute ist Inflation ein echtes Problem. Diese Leute wünschen sich genauso wie viele Sparer, eher Deflation. Denn Inflation ist nichts anderes als die Enteignung von Sparern und das Begünstigen von Schuldnern. In einem Punkt haben Sie Recht, Hyperinflation wird es nicht geben. Denn im Zweifel wird man noch mehr Technoligieartikel in den Warenkorb legen und im Gegenzug den Anteil von Lebensmitteln und Energie weiter reduzieren. Denn Menschen müssen ja nicht jeden Tag essen und heizen, aber sich den neuesten Computer kaufen. Für verhältnismäßig reiche Leute, wozu ich auch Sie zähle, ist Deflation natürlich ein Albtraum. Denn die Vermögenswerte wie Aktien, Rohstoffe und Immobilien verlieren stetig an Wert. Deshalb ist für mich auch die offizielle Inflationsrate von 2,5% einer der größten Witze. Denn wir sind auf die Güter des alttäglichen Lebens bezogen, locker bei 10% p.a.. Ich kann jedem Bürger nur raten, das Buch von Dirk Müller “Crash Kurs” zu lesen. Wer das Buch gelesen hat, der wird bei jeder Nachricht und jedem Kommentar sofort den Wahrheitsgehalt der Aussagen erkennen, sofern er seinen gesunden Menschenverstand nutzt.
    Was ist schlecht an Deflation? Ach ja, die Preise fallen und deshalb will jeder erst später kaufen und es setzt sich die berühmte Abwärtsspirale in Gang. So die allgemeine Logik. Wie weit kann der Preis eines Gutes denn in einer funktionierenden Wirtschaft fallen? Antwort: Bis auf das Preisniveau, wo der Anbieter nicht mehr wirtschaftlich produzieren kann. Der Anbieter wird ausscheiden und ein wettbewerbsfähigerer Anbieter wird seinen Marktanteil übernehmen. Genau das ist es, was mindestens seit dem Jahr 2000 in der Technologiebranche läuft. Warum soll das, was für Computer gilt, nicht auch für Autos, Schiffe, Uhren, Flugzeuge gelten. Immer unter der Voraussetzung, daß wir die Martktwirtschaft wollen.
    5. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie folgenden Sachverhalt nicht erkennen wollen oder bewußt verschweigen. Wirtschaft ist ein Nullsummenspiel. Was der deutsche Exporteur VW verkauft, kann der italienische Exporteuer Fiat nicht verkaufen. Oder anders ausgedrückt, der Gewinn Deutrschlands, ist der Verlust Italiens. Von daher ist es schon sehr amüsant, wenn Sie und andere Kommentatoren davon schreiben, daß Deutschland sich an der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Peripherieländer beteiligen muß. Das ist ungefähr so, als wenn Sie Bayern München auffordern würden, den 1. FC Köln zu helfen, wettbewerbsfähiger zu werden. Wohlgemerkt ich argumentiere, rein wirtschaftlich. Denn politisch ist es eine ganz andere Frage, in wieweit Deutschland zum Beispiel Griechenland noch weiter helfen möchte.
    6. Meine Meinung: Solidarität ja. Aber nur so lange, wie es wirtschaftlich sinnvoll ist. Dieser Punkt ist bei Griechenland schon längst überschritten. Spielen wir den so fürchterlichen Fall doch durch. Griechenland, Italien und Spanien gehen pleite. Das Erste, was die Politik in einem solchen Fall tun muß. Sie muß die Kundeneinlagen schützen. Sprich jeder Sparer, der bei einer deutschen Bank oder Sparkasse Einlagen hat, erhält eine Staatsgarantie. Bankationäre verlieren den größten Teil Ihrer Aktien und die Anleihgläubiger werden in Abhängigkeit von Laufzeit und Deckungsmasse des jeweiligen Instituts ebenfalls Verluste erleiden. Sicherlich wird es schmerzhafte Pleiten geben, die Börsenkurse werden einbrechen, die Arbeitslosigkeit wird steigen und es wird eine schwere Rezession geben. Und danach. Die Erde wird sich weiterdrehen und es wird von einer bereinigten Basis aus, der nächste Aufschwung starten. Denn dieses Szenario wird es in jedem Fall geben. Die einzige Frage, die noch offen ist, lautet: Ob wir diese Bereinigung in einem schlagartigen Crash bekommen oder ob wir den Weg Japans gehen werden. Oder anders ausgedrückt: Zwei schlimme Jahre sofort oder mindestens 20 Jahre Krise a la Japan.

    • Stefan Riße

      Ich danke Ihnen sehr für ihre detailierten Ausführungen, auch wenn diese sich sehr kritisch mit meinem Kommentar auseinandersetzen. Und das meine ich ganz ernst und nicht als Floskel. Solche Diskussionen machen meinen Blog umso spannender. Ich habe mich mit Ihren Argumenten in meinem Buch “Die Inflation kommt” sehr dezidiert auseinandergesetzt und kann das im Einzelnen hier jetzt nicht tun. Das würde den Rahmen sprengen. Ich teile ihre Ansichten teilweise auch, halte das, was eigentlich richtig wäre, aber eben für zu spät. Und ich bin in Bezug auf den sozialen Frieden anderer Meinung, weil ich glaube, dass eine Deflation diesen erheblich gefährden würde. Sie können die Japaner nicht mit den Franzosen oder Spanieren vergleichen. Fukushima hat das so unglaublich deutlich gemacht. In Deutschland war die Panik größer, als dort. Die Japaner ertragen einfach unglaublich viel.

  • Thomas Frebel

    Sehr geehrter Herr Riße,

    können Sie mir bitte erklären, warum immer wieder die Lehman-Pleite hervorgehoben wird, obwohl Lehman am 15.09.2008 Insolvenz anmeldete aber die Märkte erst ab dem 29.09.2008 einbrachen?
    Ich kenne sonst kein “Großereignis” bei dem die Märkte so spät reagierten bzw. zwei Wochen Später noch immer auf einem ähnlichen Niveau waren, wenn etwas so relevant gewesen sein soll.
    In jedem Artikel wird darüber berichtet, dass nach Lehman die Märkte einbrachen, wenn ich mir aber die Kurse anschaue sehe ich etwas anderes.
    Die Kurse machen die Nachrichten. Für mich würde das bedeuten, dass die Lehman-Pleite nicht die Bedeutung hatte, die Heute immer wieder erwähnt wird, weil die Kurse selbst zwei Wochen später etwas anderes zeigten.

    Für eine Erklärung dieser “zwei-Wochen-später-Reaktion” wäre ich Ihnen dankbar.

    Mit freundlichem Gruß

    T.F.

    • Stefan Riße

      Der Einwand ist gut und ich habe das natürlich auch beobachtet. Wenn Lehman nur der psychologische Auslöser gewesen wäre, dann hätten Sie auf jeden Fall recht, denn dann hätte die Reaktion auf den Fuße folgen müssen. Es ist aber durchaus denkbar, dass erst in der Folge der Geldmarkt nach und nach ausgetrocknet ist und es dann zu eimner Liquiditätsklemme kam. Genau wird sich das aber nicht nachvollziehen lassen. Vielleicht gab es auch einfach zu viele risikoreiche Engagements seitens der Hedgefonds und Banken, die einfach durch Zwangsliquidationen zu einer Kettenreaktion geführt haben.

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • Zur Zeit keine Termine vorhanden
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv