Deflation sollte unser Trauma sein

Mit der konzertierten Zinssenkung aller wichtigen Notenbanken in der vergangenen Woche hat sich die Politik erneut Zeit gekauft. Gelöst werden die Probleme dadurch aber natürlich nicht. Sie werden nur weiter in die Zukunft verschoben. Die Abhängigkeit von den tiefen Zinsen und Machtlosigkeit der Notenbanken gegenüber zukünftiger Inflation wird damit abermals größer.
Das ist der Grund, warum Deutschland als einziges der großen Industrieländer sich noch gegen den unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer durch die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt, zum Missfallen der betroffenen Länder. Denn eine solche Maßnahme würde zumindest deren Refinanzierungsprobleme über Nacht lösen. Deutschland hingegen ist bereit sich allseits unbeliebt zu machen, um wenigstens einen Rest an Stabilitätskultur zu retten.
Dass Inflation zu unserem Trauma wurde und die Angst davor hierzulande größer ist, als in allen anderen Industrienationen hat mit unserer Geschichte zu tun. Zweimal verloren wir Deutschen durch Inflation unser Geld. Das erste Mal durch die Hyperinflation von 1919 bis 1923 und dann durch die aufgrund der Preiskontrollen versteckte Inflation nach dem zweiten Weltkrieg. So wurde Inflation zum Trauma der Deutschen.
Das Trauma der USA ist hingegen die Deflation. Nach dem Kurssturz am legendären schwarzen Freitag im Oktober 1929 rutschte die dortige Wirtschaft in eine schwere Rezession. Um den Dollar innerhalb des Goldstandardwährungssystems stabil zu halten, wurde trotz der Wirtschaftsschwäche eine restriktive Geldpolitik betrieben, in deren Folge durch sinkende Preise und schrumpfende Wirtschaftsleistung das Bruttoinlandsprodukt um 50 Prozent zurückging. Teilweise erfroren und verhungerten die Menschen in ihren Wohnungen.
In Deutschland wurde zu diesem Zeitpunkt eine ganz ähnliche Politik betrieben. Nachdem die Inflation überwunden war, wollte der damalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Heinrich Brüning, für Stabilität sorgen. Seine eiserne Politik des Sparens führte zwischen 1929 und 1933 auch in Deutschland zu Deflation. Die Preise sanken um 23 und die Löhne sogar um 32 Prozent. Die Arbeitslosenzahlen nahmen immer weiter zu und sorgten für immer größere Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die Folge war die Machtergreifung durch die NSDAP.

Deflation und die sie befördernde Politik müsste daher unser viel größeres Trauma sein als die Inflation, denn sie führte uns in das dunkelste aller Kapitel der deutschen Geschichte.
Dennoch verlangen wir von den südlichen Ländern der Eurozone eine derartige Politik. Die Proteste auf den Straßen zeigen jedoch wie einst in der Weimarer Republik, dass diejenigen, die darunter zu leiden haben, dies nicht mittragen.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein Minus von einem Prozent im Wirtschaftswachstum die Wählerstimmen rechter Parteien um einen Prozentpunkt steigen lässt. Griechenland ist der „lebende“ Beleg für diese These. In den jüngsten Wählerumfragen legen nicht nur die stalinistischen Kommunisten deutlich zu. Auch die Rechtsextremisten, die öffentlich vom „Märchen von Auschwitz und Dachau“ sprechen, kommen mittlerweile auf 8,5 Prozent der Stimmen.
Auch die Entschuldung via Inflation ist kein Spaziergang und ein Drama für die Sparer, sie trifft aber nicht die sozial schwächsten, sondern nur die, die noch etwas besitzen und ist damit der sozial verträglichere Weg. Vor einer Hyperinflation und Währungsreform muss sich ohnehin niemand fürchten. Die, die davor warnen, vergessen allzu leicht, dass diese nach zwei verlorenen Kriegen stattgefunden haben.
Eine Geschichtsstunde im Deutschen Bundestag über die Auswirkungen der brüningsche Sparpolitik ist dringend von Nöten!

  • steffen

    Deflation oder Inflation sind klar definiert und beziehen sich auf die Geldmenge – und die steigt rasand seit Jahren. Beide Begriffe werden jedoch auch mit Teurungsraten oder Wirtschaftsleistung in Zusammenhang gebracht. Höchste unterchiedlich in Schwellenländern und alten Industrienationen. Und selbst die Teurungsraten in einem Land sind höchst unterschiedlich. Lebensmittelpreise steigen stark, anderes eher nicht, wedshalb die offizielle Infllationsrate so niedrig dargestellt werden kann. Manche Preise für Sachwerte steigen seit Jahren (Edelmetalle), manche fallen (US-Immobilien seit Jahren, auch spanische seit Jahren, chinesische seit kurzem).

    Und weil alles so komplex unterschiedlich ist, streiten sich die Experten und der Rest, ob es denn jetzt Deflation oder Inflation ist oder wird. Notfalls ist es Stagflation oder sonst was.

    Mögliches Szenario (Theaterstück):
    Alles bleibt verworren und schwankend wie bisher, bis von jetzt auf gleich ein sog. Externer Schock das Geldsystem auf Null stellen wird. Das kann über ein Wochenende geschehen. Mögliche Auslöser dafür gäbe es in 2012 ja genug.

  • holger offhaus

    Liebe Deflationisten,

    Sie wollen nun in die Deflation sparen damit der deutsche Sparer verschont bleibt? Auf Kosten der Südländer, die am Ende noch den Fensterkitt (fr)essen müssen? Ist das sozial verträglicher? Leider nein!

    Ich finde genau deshalb wird unser Pass, auch wenn wir ihn in Europa nicht mehr brauchen, immer unbeliebter. Deflation bedeutet, es werden immer weniger Kredite zur Verfügung oder vorzeitig fällig gestellt, weil die Nachfrage nach Produkten sinkt und Unternehmensausfälle wahrscheinlicher werden. Es werden reihenweise Wettbewerber ausfallen und die Qualität der Produkte wird sinken. Man darf die dadurch relativ schnell entstehende Deflationspsychose nicht unterschätzen. Es wird dann massiv gespart weil es morgen nochmals günstigere Preise geben könnte.

    Das könnte Deutschland am Ende sogar am härtesten treffen weil wir ein “sehr gutes” Sparervolk sind! Und wann wollen Sie dann das Rad aufhalten? Möchten Sie dann bei deutlich weniger Warenangebot den Geldhahn wieder aufdrehen um dann im Leben einmal beides zu bekommen?
    Bei Inflation dreht man den Notenbankzins, wenn es sein muss, immer höher aber bei einem Deflationsszenario ist bei Null Schluss, um bei diesem Instrument zu bleiben. Allein bei dieser Maßnahme sieht man doch schon, dass die Bekämpfung von Deflation wesentlich schwieriger ist.

    Also Simbabwe ist wirklich ein schlechter Vergleich! Hier wurden die, die das know-how hatten zum Teufel gejagt. Am Ende steht jemand neben einem Traktor der ihn nicht bedienen kann oder wenn er ihn bedienen kann nicht weiß wann er ihn bedienen sollte. (nichts gegen die Menschen in Simbabwe!) Er zerlegt den Traktor und verkauft die einzelnen Teile am Straßenrand. In Simbabwe gibt es bei Weitem kein dichtes Netz der öffentlichen Infrastruktur im Vergleich zum europäischen. Auch müssen dort viele Waren von außerhalb zugekauft werden. Es gibt bei Weitem kein Gebilde aus unterschiedlichen Branchen und Sektoren noch dazu nicht so eine hohe Wettbewerbsdichte und damit auch keine Warenvielfalt. Die Bildung der Gesamtbevölkerung verglichen mit der Europas braucht man wohl nicht erwähnen. Aber schauen Sie mal in das Amerika Anfang der 80er, dort hatten wir 13% Inflation und man bekam sie in den Griff. Aber zwischen 1930 und 33 verhungerten und erfroren Menschen in ihren eigenen Wohnungen. Auch wenn das im Geschichtsunterricht sehr oft zu kurz kommt weil zu lange in der Steinzeit geschlafen wird, ein Märchen ist das dennoch nicht!

    Und die Inflation wäre auch etwas Gutes insofern, weil der deutsche Sparer vielleicht endlich mal anfangen wird sich mit Geldanlage zu beschäftigen anstatt sein Sparbuch zu lieben und den Beratern sofort zu vertrauen. Ja, es hätte eventuell auch Vorteile! Man würde an der Unternehmensbeteiligung nicht mehr vorbei finden. Es gibt endlich eine größere Konkurrenz zum Bankkredit weil die Unternehmensfinanzierung über den Börsengang weit attraktiver wird. Die Konkurrenz Schuldverschreibung wird unattraktiver und die Zwergenaktienenbörse verglichen mit seiner Wirtschaftspotenz findet ihr Erwachen. Und dann haben wir doch das, was wir alle wollen: Weg vom Kredit und hin zur Eigenkapitalfinanzierung und vielleicht versteht die Politik auch endlich, dass das Thema Wirtschaft in der Schule nicht so stiefmütterlich behandelt werden sollte wie derzeitig!

    Streiten wir nicht darüber, in welchem Fall (Inflation oder Deflation) die Schmerzen größer ausfallen. Nur fällt auf, dass bei Deflation die Schmerzen und das Elend wesentlich schneller kommen und die Bekämpfung wesentlich schwerer wird. Entscheidend ist auch die vorhandene Aktiva in einem Land, deshalb taugt der Vergleich zu Simbabwe auch nicht. Am Ende entscheidet Ihr Euch mit eurem Weg nur mit einem späteren unbegrenzten Ankauf der Staatsanleihen. Weil irgendwann müßt ihr etwas tun gegen die Abwärtsspirale. Viel mehr Möglichkeiten habt ihr nicht! Herzlichen Glückwunsch, aber der Patient ist nun Tod!

    Der deutsche Sparer hat doch Alternativen zu Sparbuch und Kopfkissen! Wenn er seinen Lieblings-Baumarkt besucht, warum den nicht gleich kaufen? Wenn seine Frau Bekleidung kauft: Anstatt die Frau beim kaufen zu bremsen kann man doch zuschauen wie viel sie im Laden findet. Warum dann nicht gleich auch diesen tollen Laden kaufen? Er sieht ständig gelbe Eimer auf Baustellen vielerorts und nutzt sie auch beim renovieren. Seine Bekannten tragen die Uhren des gleichen Designer und Vermarkter, sie sind zufrieden mit den Produkten. Er kauft das Motorenöl für sein Auto das von einer börsennotierten Gesellschaft hergestellt wird. Und wenn er die Anteile am Abend bei seinem Broker eingibt, kauft er auch gleich noch seinen Broker.

    • tetik

      @ holger offhaus
      Sehr geehrter Herr Offhaus,
      ich persönlich bin weder Deflationist, noch Inflationist, noch Pessimist. Ich bin in erster Linie Realist mit einem ausgeprägten Sinn für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit. In Ihrem Beitrag finde ich kein einziges ARgument, was ich noch nicht in meinen vorherigen Kommentaren direkt oder indirekt widerlegt hätte. Wenn doch, bitte ich Sie, um entsprechende Benennung, damit wir uns hier nicht im Kreis drehen.

      Viele Grüße

    • tetik

      @ Herr Michael
      Sehr geehrter Herr Michael,
      wenn ich das heutige Deutschland mit Simbabwe vergleichen würde, wäre der Vergleich in der Tat abstrus. Darauf bezog sich mein Vergleich aber auch nicht. Der Vergleich bezog sich darauf, dass Sie in Ihrem ersten Kommentar am 14.12 um 08:35 Uhr u.a. geschrieben haben „….Inflation um 5% ist keineswegs schädlich und selbst die hyperinflation würde einen geordneteren Neustart eines Währungssystems ermöglichen….“ und darauf bezog sich mein Hinweis auf Simbabwe, was zu Recht als Musterbeispiel für Hyperinflation gilt. Bezüglich Ihres heutigen Beitrags von 09:01 Uhr möchte ich gerne auf Ihre Argumente und Fragen antworten. Ihre Aussage „…wir müssen uns eben mit dem aktuellen Zustand auseinandersetzen und es wird so oder so Verlierer geben. „ Richtig Herr Michael, es wird so oder so Verlierer geben. Aber wenigstens sollte jeder Bürger mit einem intakten moralischen Kompass alles dafür tun (und da wäre die Einsicht in diese Notwendigkeit ein erster Schritt), dass nicht diejenigen die Verlierer sind, die nichts anderes getan haben als jeden Tag ehrliche Arbeit abzuliefern und das dabei verdiente Geld z. B. für eine Anschaffung, ein Haus oder die Altersvorsorge gespart haben. Es sollten auch nicht diejenigen die Verlierer sein, die heute oder in Zukunft Rentner sind und durch Ihre Arbeitsleistung, den von uns Allen geschätzten deutschen Wohlstand mitgeschaffen haben. Ihrer Aussage „….Drucken wir doch munter weiter, erkaufen uns so etwas Wachstum und moderate Inflation und schauen ob es gutgeht. Für die 100% Kehrtwende ist es zu spät.“ Würde ich zustimmen, wenn wir nicht im Jahr 2011, sondern im Jahr 1 nach Cristi Geburt leben würden. Denn dann hätten wir nicht die zahllosen Beispiele der Menschheitsgeschichte dafür, warum es eben auf dem von Ihnen beschriebenen Weg mit 1000%iger Sicherheit NICHT gut gehen wird. Von einer 100% Kehrtwende kann ohnehin keine Rede sein. Ich stimme hier der Meinung von Herrn Heller zu, dass am Anfang schon viel gewonnen wäre, wenn wir nicht mehr ausgeben als wir einnehmen. Zu Ihrer Frage „….Denken Sie alle Griechen waren Trickser und haben sich bereichert?“ Diese Frage ist so gestellt, dass ich Sie nur mit „NEIN“ beantworten kann. Denn ich habe keinen Überblick darüber, was jeder einzelne Grieche getan hat. Genau so wenig könnten Sie die Gegenfrage „ Waren alle Griechen fleißig und gesetzestreu“ mit JA beantworten. Was ich Ihnen aber empirisch belegt zu diesem Thema sagen kann, ist, dass bis zum Jahr 2009 Griechen real mehr verdient haben als Deutsche. Die Details dazu können Sie bei Interesse gerne unter dem folgenden Link nachlesen:http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter111210.html. Unter dem folgenden Link können Sie bei Interesse nachlesen, was nach aktuellsten Erkenntnissen dem griechischen Fiskus Jahr für Jahr durch Steuerhinterziehung und durch eine „40-40-20“-Regel an Einnahmen verloren gegangen ist. http://www.ftd.de/politik/europa/:am-fiskus-vorbei-das-griechische-betrugssystem-40-40-20/60142736.html. Das aus meiner Sicht Bemerkenswerte an diesem Artikel sind dabei nicht einmal die Zahlen oder das aufgedeckte Betrugssystem, sondern folgende Information: “Wie es auch immer sei, sollten neue Erkenntnisse zum Vorschein kommen, werde dies zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung führen”, hieß es in einer Erklärung von Finanzminister Evangelos Venizelos, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag. Schön, dass der griechische Finanzminister nach zwei Jahren Krise, Milliarden an Hilfsgeldern, zahllosen anderen Fällen von Sozialbetrugs und der Transferierung von Hunderten Milliarden durch „ehrliche“ griechische Bürger in die Schweiz und sonstigen Fluchtorten zu der Erkenntnis gelangt, dass man Steuerhinterziehung bekämpfen muss. Auf diese Beispiele können Sie jetzt gerne mit dem Gegenargument, des einfachen arbeitenden griechischen Bürgers antworten, der doch nun wirklich nichts für die ganze Krise kann. Darauf würde ich Ihnen zunächst mit einer Gegenfrage antworten. Hat es in Griechenland eigentlich in den letzten 20 Jahren eine parlamentarische Demokratie oder Diktatur gegeben? Meinem Wissen nach, fanden dort freie Wahlen statt und es hat immer die Partei gesiegt, die den Bürgern noch größere Wahlgeschenke (natürlich ohne Gegenleistung) versprochen hat. Mit anderen Worten auch der einfache griechische Bürger trägt Schuld für diese Krise, weil er Wahl für Wahl das griechische System „Immer mehr Leistung, für weniger Gegenleistung“ abgesegnet hat. Und wenn Sie an dieser Mitschuld einen Zweifel haben, dann sollten Sie sich einmal anschauen, was für Massen bei Demonstrationen und Streiks in Griechenland auf die Straße gehen. Ich erkenne in solchen Aktionen weder die Einsicht einer Mitschuld, noch die Einsicht in die Übernahme von Verantwortung für die Bewältigung der Krise. Natürlich gibt es auch in Griechenland Menschen, die die notwendige Einsicht haben aber im Gesamtverhältnis zu der Gesamtbevölkerung von 11 Millionen sind das Tropfen im Ozean. Und damit Sie einmal einen Eindruck davon haben, was dieses grundsätzliche Einstellungsproblem der griechischen Bevölkerung mit den Gewerkschaften an der Spitze konkret für die Wirtschaft bedeutet, anbei ein Musterbeispiel.http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,783275,00.html. Wenn Sie in dieses schwarze Loch noch weiter Geld überweisen möchten, dann stimmen Sie für eine Politik, die Ihre Meinung unterstützt. Ich kann es weder aus sozialer noch marktwirtschaftlicher Überzeugung tun. Und das in diesem Zusammenhang gerne herangezogene Todschlagargument, dass wir mit einer Verweigerung der Alimentierung eines solchen Verhaltens, Gewalt, Extremismus, Arbeitslosigkeit, Armut und Kriege begünstigen, überzeugt mich auch nicht. Warum? Ganz einfach, weil es ERPRESSUNG ist. Wenn Ihr nicht zahlt, dann führt das zu Zerstörung und Tod. Sehr gut. Basierend auf dieser Argumentation, sollten wir alle Kriminellen, die aus wirtschaftlichen Motiven heraus Straftaten begangen haben, aus den Gefängnissen entlassen und Ihnen die 5000 EURO monatlich aus der Glücksspirale überweisen. Und selbstverständlich sollten wir das nicht nur für die heutigen Kriminellen tun, sondern auch für die zukünftigen. Dann hätten wir es doch geschafft. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand für Alle. An diesem einfachen Mikrobeispiel kann man erkennen, was innerhalb eines Landes im Kleinen nicht funktioniert, wird landesübergreifend im Großen erst recht nicht funktionieren. Denn irgendwann sind die Mittel in den Geberländern für die Alimentierung ohne wirtschaftliche Gegenleistung erschöpft und spätestens dann, würde es zu sozialen Konflikten in den Geberländern kommen, die dann unweigerlich wieder den rechten Kräften Auftrieb geben würden. Und dann würde man wieder der Deflation die Schuld geben, ohne zu erkennen, dass die fehlerhafte Einführung des EURO und die zuvor betriebene hemmungslose Verschuldung in Südeuropa Auslöser für die EURO-Krise gewesen ist. Ihrer Aussage „…Und man sollte nicht vergessen wie viel mehr Wohlstand die westliche Welt in den letzten 40 Jahren erlangt hat….“ stimme ich zu und möchte ergänzen, dass wir diesen Wohlstand in Deutschland bis zur EURO-Einführung einer stabilen Währung und des von mir im gestrigen Beitrags beschriebenen funktionierenden Wirtschaftskreislaufs aus Sparen, Investieren, Produzieren und Konsumierens zu verdanken haben, wo der Investor die Verlustrisiken selber getragen hat. Leider wurde die Komponente „Sparen“ in den letzten 11 Jahren global gesehen, immer mehr durch Verschuldung und das Sozialisieren von Verlusten ersetzt und wozu das geführt hat, erleben wir gerade.
      Abschließend wünsche ich Ihnen, den Mitlesern des Blogs und natürlich auch Herrn Risse frohe und erholsame Feiertage. Tanken Sie Kraft, denn das Jahr 2012 wird kein Zuckerschlecken.
      Viele Grüße

  • http://www.timschaefermedia.com Tim von der Wall Street

    Das ist ein super Beitrag. SIe haben völlig Recht. Ein paar Prozent Inflation ist besser als eine Deflation. Inflation heißt ja im Endeffekt nur, dass die Wirtschaft wächst.

    • tetik

      @ Tim von der Wall Street
      Genau. Von daher ist ja in Simbabwe alles in Butter. Denn Ihrer Logik nach, müßte dort die Wirtschaft bei einer Inflationsrate von 180.000% geradezu phänomenal wachsen. Von daher würde es die Qualität der Diskussion sicher erhöhen, wenn Sie einmal konkret darlegen unter welchen Rahmenbedingungen Ihre Aussage gilt.

      Viele Grüße

  • Peter

    Die ganze Diskussion hört sich ein wenig an wie: Hü oder Hott!
    Deflation oder Inflation? Welche Wahl. Wie wäre es mit einem vernünftigen Geldsystem, an dem das Geld nicht von privater Hand (via Banken) geschöpft wird. Durch den expotentiellen Zinseffekt sich ganz langsam aber sicher immer die Schlinge enger um den Hals.
    Die Zinsen sammeln sich in privater Hand (und das sind noch viel weniger als die restlichen 1% der “Wir sind die 99%-Bewegung.). Alle sind verschuldet… Ja bei wem denn? Beim Kutscher! Der hat die Zügel in der Hand und der entscheidet ob Hü oder Hott! Ganz einfach weil er mit seinem Vermögen gezielt Märkte fluten kann (=Inflation, s.Ölpreis 2008/ Nahrungsmittelmärkte) oder indem Geldmittel der Realwirtschaft entzogen werden (= Deflation, s.Derivatekarusell). Das ganze findet nur einen schönen Ausgang, wenn der produzierte Mehrwert wieder der allgemeinen Bevölkerung zugute kommt (langsameres Hamsterrad!) und das geht meiner Meinung nach nur mit einem veränderten Geldsystem, das weniger Abhängigkeiten schafft. Europa ist gerade dabei sich in immer größere Abhängigkeiten zu verstricken. Alles Gesunde ist stets im Fluß. Das gilt für Geld, Wasser, Luft, Leben, Natur.

  • Herbert

    @tetik
    Sie haben Herrn Gottfried Heller pauschal beurteilt. Er mag ja nicht immer richtig liegen, aber wer tut das schon?

    Das jedenfalls hört sich für mich recht verantwortungsvoll an:

    Zitat:
    >>> Heller: Die Menschen haben das ungute Gefühl, dass die Politik nicht mehr funktioniert. Der Euro-Stabilitätspakt wurde verletzt und der vertraglich vereinbarte Haftungsausschluss (“No Bail-out”) wurde gebrochen; die Europäische Zentralbank hat ihre Unabhängigkeit verloren. Und die Griechen, Italiener, Spanier und Portugiesen wollen nun – nachdem der Euro-Beitritt ihnen rekordtiefe Zinsen beschert hatte – auch noch ein weiteres Geschenk: Euro-Bonds. Diese wären die europäische Version der amerikanischen “Subprime”-Ramschanleihen, an denen das Land noch heute leidet. Man stärkt die Schwachen nicht, indem man die Starken schwächt. Mit der finanziellen Überbelastung droht auch Deutschland, seine Bestnote als Schuldner zu verlieren.<<<

    Quelle.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-08/interview-gottfried-heller-finanzmarkt

    Eine jeweils konkrete Kritik wäre mir lieber.

    • tetik

      @ Herbert
      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Ich werde das nächste mal konkret Bezug nehmen, welche Aussage ich kritisiere.

      Viele Grüße

  • Herbert

    Könnte man die Inflationsrate nicht mit einer Senkung der Mehrwertsteuer und Mineralölsteuer verringern?
    Dem großen Chor derer, die jetzt sagen, ‘für Steuersenkungen ist kein Spielraum, der Staat braucht das Geld’ würde ich gern entgegnen, wofür braucht der Staat so viel Geld, hat er sich nicht schon viel zu viel Aufgaben an Land gezogen? Die Annahme, der Staat kann das Geld klüger ausgeben als seine Bürger halte ich für mindestens fragwürdig.
    Und wo sind wir bereits?
    Ein paar Erläuterungen zum Steuerrecht:
    Zitat:
    >>> Die deutsche Steuertabelle ist nämlich wohl weltweit die einzige “Preisliste”, die seit 1958 die Inflation ignoriert. Logisch, dass damals die Spitzensteuer auch nur wirkliche Spitzenverdiener zahlten, denn dazu war das zwanzigfache Durchschnittseinkommen erforderlich. Heute reicht dazu ein 1,3-faches Durchschnittseinkommen, das in teuren Regionen Deutschlands schon viele Facharbeiter erreichen. Zum Vergleich: Nähme man für die heutige Besteuerung den Gerechtigkeitssinn und den Anstand der fünfziger Jahre zur Grundlage, müsste das Ende der Progressionszone von 52.552 auf etwa 800.000 Euro angehoben werden. <<<

    Quelle:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2009-09/melkvieh-mittelschicht/seite-1

    Ist diese Dimension unseren Politikern bewusst? Sicher sind die Aufgaben des Staates inflationsbedingt höher geworden, aber es geht um die enorme Steigerung der Progression in der Steuer.

  • Herbert

    der Beitrag von tetik war in der Tat erneut sehr nachdenkenswert und es ist richtig, dass hohe Inflation höchst problematisch ist und zu inneren Unruhen führen kann.

    Was aber ist die Ursache für Inflation?

    Wo sind die Untersuchungen zur Hypererinflation 1923?

    Eine Erklärung wurde hier dargestellt:
    Zitat:
    >>>Nach Diagnose von Historikern wie Carl-Ludwig Holtfrerich fing die Hyperinflation bereits 1916 an, als es der Regierung nicht mehr gelang, die enormen Kriegskosten als Anleihen bei Privaten zu platzieren. Die Zentralbank musste helfen. Von Ende 1913 bis 1918 versechsfachte sich so die Zentralbankgeldmenge – bei kriegsbedingt um 60 Prozent einbrechenden Industriekapazitäten, so Holtfrerich. Viel mehr Geld bei abrupter Angebotsverknappung ergibt eine lehrbuchgemäße Inflation.
    Nach dem Krieg wurden auch die Reparationen von der Notenbank mitbeglichen, die dem Reichskanzler unterstellt war. Ende 1921 lag die Geldmenge 21-mal so hoch – die Industrie brauchte aber bis 1928, um wieder so viel zu produzieren wie vor dem Krieg. Da muss man sich nicht wundern, wenn Hyperinflation rauskommt, die das Ersparte ganzer Bevölkerungsschichten vernichtet.
    <<<
    Quelle:
    http://www.ftd.de/politik/europa/:kolumne-thomas-fricke-welches-trauma-haetten-s-denn-gern/60140228.html

    Nach dem 2. Weltkrieg gab es einen Währungsschnitt mit Lastenausgleich, auch nicht gut für Erspartes.

    Zu dem was wir fürchten sollten, sind somit auch Krieg als eine Ursache für Wertevernichtung – vom menschlichen Leid abgesehen.

    Einige meinen diese Sorge ist unberechtigt, ich hoffe, dass sie Recht behalten.

    • Stefan Riße

      Entscheidend ist daran, dass die Vermögensvernichtung durch Kriege verlorene Kriege entstanden ist. Ich bin nach wie vor optimistisch, dass dies zu vermeiden ist. Auch deshalb sollte man um den Euro kämpfen.

  • http://finanziell-umdenken.blogspot.com/ Lars Hattwig

    Hallo Herr Riße,

    trotz der jüngsten Preissteigerungen in der Eurozone oder auch in den USA wirken wohl zunächst deflationäre Kräfte (Sie haben es in Ihrem Beitrag gesagt). Auch die jahreszeitlich unübliche Korrektur von Gold (der Herbst ist mehrheitlich für einen steigenden Goldpreis gut) deutet darauf hin. Bei (oder kurz nach) schwächelnder Wirtschaft (bzw. Bärenmärkte im Aktienmarkt) waren die Inflationsraten historisch niedrig. Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass – nach Überwindung der derzeitigen wirtschaftlichen Probleme – längerfristig Inflation das vorherrschende Thema sein wird.

    MfG
    Lars Hattwig

  • sigillus

    Es überrascht mich, dass Sie der Geldmengenausweitung das Wort reden.
    Denn die Frage ist doch nicht die ob Inflation oder Deflation, sondern ob viel Liquidität überhaupt noch einen stmulierenden Effekt auf die Wirtschaft hat. Letzteres ist dann nicht der Fall wenn mit dem Geld nur destruktiv spekuliert wird. Die heimische mittelständische Industrie hat keinen Vorteil aus der Geldmenge wenn die Banken sich mit ”langweiligen” Unternehmenskrediten schwertun.

    Wenn schon Geldmengenausweitung, dann auch gleich gezielt investieren:
    z.B.: verbilligte Kredite für mittelst. Unternehmer, verb. Kredite für alt. Energieprojekte, den ausbau des Schienen-Güterverkehrsnetzes
    Bildungsoffensive etc. da wäre man sicher, das der Mehrwert auch in der Realwirtschaft ankommt.
    Und nicht bei den Banken nicht zur freien Verfügung und -Vergnügung

    Geschichtliche Anmerkungen:
    1) Auslöser der Weltwirtschaftskrise war das Platzen der vorangegangenen Spekulationsblase, Spekulation auf den Aktienmarkt, faule Kredite etc. Ursache: Geldmengenausweitung.

    2) Nicht nur Deutschlan hatte Hyperinflation. auch Frankreich und Belgien? waren betroffen, evtl. gar noch mehr Länder. Die Spar- und Hartwährungskultur in Dtld. -wie in der Schweiz sind älter als 1923.

  • tetik

    Als ich Ihren Artikel „Das wahre Trauma“ gelesen habe, war ich im Zug und Zufall oder nicht, als ich aus dem Zug ausgestiegen bin, war es exakt 5 nach 12. Von daher nehmen Sie und die Mitleser Ihres Blogs mir bitte nicht übel, wenn ich mit diesem Kommentar sehr, sehr weit aushole und die ganze Geschichte einmal so weit wie möglich aus meiner Sicht komplett aufarbeite. Ich habe Ihr Buch die Inflation kommt immer (noch) nicht gelesen. Doch kann ich aufgrund Ihrer Kommentare schon jetzt festhalten, dass wir bezüglich der Inflation grundsätzlich anderer Meinung sind. Sie halten Inflation für das geringere Übel, ich befürworte zur Not Deflation. Denn Deflation ist sozial und wirtschaftlich gerechter als Inflation. Jeder Leser kann sich selber eine Meinung bilden, welcher Auffassung er eher zustimmt. Was ich jedoch unter keine Umständen unkommentiert lassen möchte ist, dass Sie in Ihrem Beitrag direkt oder indirekt Deflation verteufeln, weil dies doch der NSDAP den Boden für die Machtergreifung bereitet hat und die deutschen Politiker mögen sich doch bitte daran erinnern, wenn es um die Lösung der Euro-Krise geht. Sprich bitte nicht an die Stabilität oder gar die Folgen der Inflation denken, sondern besser, aus Angst vor den Rechten, direkter (Euro-Bonds) oder indirekter (EZB-Bazooka) Zahlmeister Europas werden.
    Richtig ist, dass jede wirtschaftliche Krise den extremen Kräften (Rechten und/oder Linken) in einem Land Zuwachsraten beschert. Denn in der wirtschaftlichen Krise steigt die Anzahl der Bürger, die von den klassischen Parteien enttäuscht sind und daher eher bereit sind, extrem rechts oder links zu wählen. Ich bin kein Historiker und daher auch nicht in der Lage fundiert darzulegen, was insgesamt alles dazu geführt hat, was die NSDAP an die Macht geführt hat. Aus meiner Sicht war es ein Gift-Cocktail verschiedener Tatsachen. In erster Linie waren es die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die Ende der Zwanziger nach dem Platzen der Verschuldungsorgie in den 20ern auch Deutschland hart getroffen haben. In der Folge der Krise ging der Welthandel zurück und eine Vielzahl von Ländern hat protektionistische Schutzmaßnahmen beschlossen, was den Welthandel weiter einbrechen ließ. Dazu kamen die zu rigiden, unausgewogenen und vor allen Dingen viel zu spät beschlossenen Sparmaßnahmen der damaligen Regierung. Ergo: Ist aus meiner Sicht nicht die Deflation Schuld daran, dass die NSDAP an die Macht gekommen ist, sondern die Wurzel dieser Machtübernahme lag in der davor liegenden globalen Schuldenorgie aus viel zu lange, viel zu billig und viel zu viel bereitgestelltem Geld. Anders ausgedrückt: Deflation ist am Ende des Zeitspiels aus billiger Liquidität immer die Folge. Das können Sie auch in Japan seit dem Jahr 1990 und dem Platzen der dortigen Immobilienblase gut verfolgen. Wenn Sie schon in die Geschichte zurückgehen und Bundestagsabgeordneten bei der richtigen Entscheidungsfindung helfen wollen, dann sollten Sie bitte auch alle wesentlichen Rahmenbedingungen zu der Geschichte miterzählen und nicht nur den Teil, der in Ihre Argumentation passt. Denn es ist schon bemerkenswert, dass als Musterbeispiel dafür, das Deflation in politischer Hinsicht schlecht ist, immer die Weltwirtschaftskrise von 1929 herhalten muss und nicht einmal wird darauf hingewiesen, was denn überhaupt vorab die Ursache für die damalige Krise war. Denn wenn man das tun würde, würde man erkennen, wir haben eine noch viel schlimmere Ausgangslage als damals. Denn es gibt aktuell noch viel mehr Schulden, noch viel mehr billiges Geld und noch immer viel zu viel Liquidität, zu viel zu günstigen Kosten. Und wie sieht die aktuell immer wieder herbeigesehnte Lösung aus. Noch mehr billiges Geld, zu noch weniger Kosten. Darin sind sich so genannte „Experten“ wie Hans Bernecker, Gottfried Heller, Paul Krugman, Wolfgang Münchau, Heiko Thieme, Ken Fischer, andere Permabullen, die Redakteure des Handelsblatts, des Spiegels und von der FTD (Mit Ausnahme des Verfassers der Kolumne „Das Kapital“, die sich durch qualitativ fundierte Meinungen in dem täglichen Blätterwald aus Halbwahrheiten und Lügen positiv abhebt) einig. Immer mit der gleichen Begründung. Schulden und Inflation sind das geringere Übel.
    Und um Sie und diese „Experten“ nicht nur mit Ihrem deutschen Beispiel zu widerlegen und Ihnen andere Beispiele dafür zu geben, dass auch Inflation zu Unruhen mit Tod und Zerstörung in der Bevölkerung führen kann. In Nordafrika sind Regierungen in diesem Jahr wegen steigender Lebensmittel gewaltsam gestürzt worden. In China und Indien gibt es immer wieder teils gewaltsame Demonstrationen gegen steigende Lebensmittelpreise. In Mexiko gab es die Tortilla-Krise. Selbst in einem Land wie Israel gehen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen steigende Preise. In der deflatorisch geprägten Schweiz und in Japan habe ich hingegen noch keine Massenproteste gesehen, dass die Bürger gegen Ihre gestiegene Kaufkraft demonstriert haben.

    Und damit sind wir bei der Euro-Krise, wo leider auch an viel zu vielen Stellen immer nur einzelne Facetten herausgepickt werden, um irgendwelche Ansichten pro Eurobonds und EZB-Bazooka zu rechtfertigen. Aus meiner Sicht ist die Euro-Krise auch der Beleg dafür, dass es in Deutschland ein Medien-Trauma gibt. Wenn ich in der Folge von Medien spreche, meine ich die gängigen Zeitungen wie Bild, FAZ, SZ, Welt, Handelsblatt , Zeitschriften wie Spiegel, Stern, Focus, Börse Online und die Fernsehsender ARD, ZDF, RTL, SAT1, NTV. Denn schon vor der Einführung des EURO gab es gute Wirtschaftswissenschaftler, die darauf hingewiesen haben (und auch geklagt haben), dass eine einheitliche Währung auch eine einheitliche Fiskalpolitik benötigt. Hätten die Medien, diese Argumente einmal auf Dauer und in verständlicher Form der deutschen Bevölkerung vermittelt und dadurch auch eine politische Debatte losgetreten, hätten wir uns viele Probleme ersparen können. Aber stattdessen haben sich die Medien von dem Argument, Stabilitätspakt mit Stabilitätskriterien und dem Versprechen der Politik, es gibt keine Gesamthaftung abspeisen lassen. Wäre es nicht journalistische Verantwortung für Deutschland gewesen, kritisch, penetrant und dauerhaft zu hinterfragen, was passiert eigentlich, wenn ein Land die Stabilitätskriterien reißt? Was passiert eigentlich, wenn ein Land politisch oder wirtschaftlich nicht in der Lage ist, im Euro zu bleiben? Diese Fragen waren schon zur Einführung des Euro unbeantwortet. Aber haben die Medien diesbezüglich irgendetwas getan, um die deutsche Bevölkerung und die Politik durch entsprechende Maßnahmen wie konzertierte Aktionen (z.B. Warum der Euro so nicht funktioniert?) nachhaltig, zielorientiert und auf Dauer wachzurütteln. Nein, denn in Deutschland gibt es nur formal eine „Unabhängige und überparteiliche“ Presse. Ich kann mich an keinen einzigen Artikel in dieser Zeit erinnern, wo die negativen Folgen durch die Einführung des EURO für den deutschen Bürger im Vorfeld thematisiert worden sind. Denn das wäre ja nicht politisch korrekt gewesen. Stattdessen wurde dem deutschen Bürger erklärt, dass er jetzt bei seinem Spanienbesuch nicht mehr die harten DM gegen die schwachen Peseten tauschen muss, sondern die Preise für die schwachen Euro nicht mehr von Peseten in DM umrechnen muss. Das ist übrigens aus meiner Sicht, der einzige Vorteil, den der Euro für den einfachen Bürger gebracht hat. Alle anderen Vorteile haben die deutschen Exportunternehmen eingestrichen. Keine europäischen Konkurrenten mehr, die Ihre Produkte durch Abwertung Ihrer Währung billiger machen können als deutsche Produkte. Keine Zusatzkosten mehr für Devisensicherungsgeschäfte bei entsprechenden Geschäften mit dem europäischen Ausland und ganz wichtig, noch einfacher billige Jobs ins europäischen Ausland verlagern.
    In den ersten Monaten nach der EURO-Einführung hatte ich dann durch die TEURO-Debatte Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch etwas ändern wird aber das war auch nur ein Strohfeuer im medialen Blätterwald.
    Das zweite große Fiasko in der Euro-Geschichte nach der Einführung, war aus meiner Sicht die Aufnahme Griechenlands. Der Eintritt erfolgte mit manipulierten Zahlen. Gab es zu dieser Zeit kritisch agierende deutsche Journalisten, die die Aufnahme Griechenlands und die wirtschaftlichen Rahmendaten in irgendeiner Frage öffentlich und nachhaltig thematisiert haben? Gab es nicht schon zu der Zeit all die strukturellen Probleme am griechischen Arbeitsmarkt und den Sozialbetrug, die im Zuge der Krise jetzt thematisiert werden? Gab es nicht zu der Zeit bereits ein Wettbewerbsproblem der griechischen Wirtschaft? Wo war zu der Zeit eigentlich der IWF, der doch jetzt überall bei der Lösungsfindung mitspielen soll? Diese Fragen hätte man damals in das öffentliche Bewusstsein zerren sollen. Aber stattdessen feierte man Aufnahme X.
    Dann ging es weiter mit der Verletzung des Stabilitätspakts. Hat es in unseren Medien einen Aufschrei gegeben, als Deutschland und Frankreich den Stabilitätspakt gebrochen haben?
    Nein. Die SPD- und Grünen-Politiker haben den Medien erzählt, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt und wir schon bald den Pakt wieder erfüllen können. Damit war dann auch das letzte Fünkchen Hoffnung, dass die Maastricht-Verträge mehr wert seien als Lippenbekenntnisse, bei mir verflogen. Wurde dieser Vertragsbruch in den Medien Groß und Nachhaltig thematisiert und die Folgewirkungen dieser Entscheidung hinterfragt. Spätestens hier hätte man sich die Frage stellen müssen, was machen wir eigentlich mit Ländern, die auf Dauer gegen den Stabilitätspakt verstoßen? Wie wir spätestens seit 2010 Alle wissen, passierte nix.

    Genauso wenig wurde von unseren ach so unabhängigen Journalisten nachhaltig und dauerhaft kritisiert, dass sich im Süden Europas durch die niedrigen Zinsen eine Schuldenorgie gebildet hat und der EZB-Leitzins im Grunde seit dem Platzen der Internet-Blase aus deutscher Sicht viel zu niedrig gewesen ist, um den Geldwert stabil zu halten. Ist Ihnen eigentlich schon folgendes Phänomen aufgefallen. Wenn sich eine Rezession abzeichnet, sind die Permabullen, flankiert von den entsprechenden Medien sofort dabei, die EZB zur Leitzinssenkung aufzurufen. Nur im Aufschwung hört man von diesen Experten keine entsprechende Forderung. Da heißt es dann unisono, die EZB solle den Aufschwung nicht durch Zinserhöhungen abwürgen. Genau, am Besten immer billiges Geld, damit die Vermögenspreise aufgeblasen werden können und wenn der einfache Bürger durch die ohnehin viel zu niedrig ausgewiesene Inflation enteignet wird, sagen wir dann, das ist das geringere Übel. Aber für wen eigentlich? Sicher nicht für einfache Bürger, Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Sie schreiben auch immer so gerne, dass mit einer wirtschaftlichen Eintrübung auch die Inflation zurückgehen werde. (Anders ausgedrückt, noch mehr Luft für noch mehr billiges Geld durch die Notenbanken.) Das heißt aber nicht, dass die Preise damit sinken und etwas billiger wird. Nein, das heißt nur, dass die Preise nicht mehr so stark steigen wie bisher und die Enteignung des Sparers langsamer verläuft.
    Gerne wird in diesem Zusammenhang auch immer auf das Ammenmärchen von dem im Vergleich zur DM stabileren EURO verbreitet. Dazu folgende Anmerkungen: Die DM hat es von 1948 bis 2000 oder 2002 (je nach Betrachtung) gegeben. Also rund 50 Jahre. Den Euro gibt es noch keine 11 Jahre. Man vergleicht also schon alleine vom Zeitraum her, Äpfel mit Birnen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die DM nach dem zweiten Weltkrieg in einem Zeitraum der gemeinhin als das deutsche Wirtschaftswunder tituliert worden ist, seine ersten Lebensjahre hatte und auch noch die Inflation der 70er mitgemacht hat, kann man das wohl auch nicht so ganz mit dem bisherigen Lebenszeitraum des EURO vergleichen. Denn in dessen 11 Jahren sind bereits zwei (nein, sagen wir besser 2,5) Blasen auf deflatorische Weise geplatzt. Und als letztes Argument zur Widerlegung dieses Märchens noch der Hinweis, dass die Euro-Inflation wohl kaum so berechnet wird wie die Inflation zur DM-Zeit (Hinweis: Zusammensetzung Warenkorb).

    Als dann die Subprime-Blase geplatzt ist und der deutsche Steuerzahler mehr als Hundert Milliarden Euro verloren hat, da hätte man sich gewünscht, dass die Medien durch Ihre Macht endlich dafür sorgen, dass es strengere Eigenkapitalregeln für Banken gibt und keine Bail-Outs mehr auf Staatskosten. Aber auch hier gab es nichts Nachhaltiges von unseren ach so kritischen und unabhängigen Journalisten, was über die reine Bestandsaufnahme: Versagen der Politik in den Aufsichtsräten, der BAFIN und den Rating-Agenturen hinausging. Nein, es wurde sogar noch schlimmer. Denn mit Lehman Brothers hat man ein Musterbeispiel dafür bekommen, was passiert, wenn Politiker und Notenbanken eine vermeintlich große Bank pleite gehen lassen. Mit anderen Worten, der „Moral-Hazard“-Joker zur Rechtfertigung jedes zukünftigen Bailouts war gefunden. Auch hier zeigt sich leider wieder, wie schnell der Mensch vergisst. Kennen Sie das Institut Washington Mutual? War einmal sechstgrößte Bank der USA. Dieses Institut ging im September 2008 GEORDNET pleite und wurde dabei in einem Notverkauf an J.P. Morgan abgewickelt. Kritisch an dem Kollaps von Lehman Brothers war daher nicht, dass man Lehman Brothers pleite gingen ließ, sondern das man dies UNGEORDNET durchgeführt hat. Genauso wie man die Aktionäre und die Gläubiger (damit meine ich nicht die Sparguthaben) von Washington Mutual mit fast Null abgefunden hat, genauso könnte man jedes andere Institut auf dieser Welt abwickeln. Indem man die Spareinlagen sichert und den Rest in die Liquidation gibt. Aber das wäre ja gegen die Interessen der Bankenindustrie und deren Aktionäre und daher lässt man lieber den deutschen Steuerzahler dafür bezahlen. Haben Sie dazu eine kritische Beitragsserie von mehreren deutschen Zeitungen gesehen, die dieses Vorgehen einmal nachhaltig und auf Dauer in das öffentliche Bewusstsein der Deutschen gezerrt hat. Wenn ja, sagen Sie mir bitte, wann und wo? Denn ich habe nichts dazu gesehen.
    Dann kam Ende 2009 der griechische Offenbarungseid und in der Folge die PIIGS-Debatte. Da fiel dann einigen deutschen Journalisten doch tatsächlich auf, was historisch alles so schief gelaufen ist. Und selbstverständlich gibt es von diesen Journalisten die mehr als 10 Jahre auf ganzer Linie versagt haben, so bahnbrechende Lösungsvorschläge wie diesen auf Spiegel Online

    In der Euro-Krise erhebt das deutsche Schreckgespenst sein Haupt. Merkels Rigorismus ruiniert die Arbeit von Generationen. Selbst wenn die Kanzlerin mit ihrem Kurs recht hätte: Es wäre für Deutschland besser, mit den Partnern in Europa das Falsche zu tun, als allein auf dem Richtigen zu beharren.

    Da bin ich dann echt sprachlos. Nicht mehr auszugeben als ich einnehme oder erspart habe als Politik für Europa zur Vorgabe für wirtschaftliche Solidarität einzufordern, ist also ein deutsches Schreckgespenst. Und die Arbeit von Generationen würde durch diese geforderte Stabilitätspolitik ruiniert werden. Ach ja und wenn durch das hemmungslose Geld drucken, das Geld von über Jahren angespartem Vermögen durch die ausgelöste Inflation entwertet wird, dann ist das natürlich auch die Schuld von Frau Merkel aber natürlich NIE die Schuld der Notenbanken, die dem Alkoholiker (Bank) immer mehr billigen Alkohol (Lquidität) zur Verfügung stellen. Wenn Jounalisten Artikel so anfangen, spätestens dann, sollte jeder Deutsche die Münzhändler stürmen und sich mit Gold und Silber eindecken. Denn das ist der beste Beleg dafür, dass wir es in diesem Land mit einem kompletten Versagen der Medien und der Politik zu tun haben und das seit mindestens 11 Jahren. Wenn ich die Erfahrung aus der Geschichte nicht hätte, dann hätte ich ein solches Versagen der Eliten auf so breiter Front NIE für möglich gehalten. Im besten Fall geschieht dies aus Unwissenheit oder Unfähigkeit, im schlechtesten Fall, weil diese Leute von der Wirtschaft für die Manipulation der Bürger bezahlt werden. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich schlecht.
    Um den ziemlich großen Kreis ,den ich hier gezogen habe, zu schließen, möchte ich noch einmal auf Ihren Beitrag eingehen. Sie weisen in dem Beitrag auch darauf hin, dass man den Griechen nicht immer mehr Sparmaßnahmen auferlegen kann, weil dies den Extremismus fördert. Wenn wir alle Eigeninteressen der Medien und Wirtschaft in dieser ganzen Debatte ausklammern und einfach unseren Menschenverstand einschließlich Gerechtigkeitssinn einschalten, dann gibt es für die Lösung des PIIGS-Problems zwei Möglichkeiten.
    Erstens die PIIGS wollen den EURO behalten. Dann müssen Sie auch zusammen mit den Gläubigern die Kosten dafür tragen. Alles andere ist weder marktwirtschaftlich noch unter sozialen Gerechtigkeitsprinzipien einem Wähler in einem EURO-Geberland zu vermitteln. Wenn die Sparmaßnahmen zu sozialen Unruhen in Griechenland führen, dann wäre es einmal an der Zeit, dass ALLE POLITIKER den Griechen folgende Fragen stellen.

    1. Ihr habt durch manipulierte Zahlen den Euro-Beitritt erschummelt. Ist es daher nicht bereits genug Solidarität, dass wir euch trotzdem Milliarden an Hilfsgeldern überwiesen haben und Ihr trotzdem den Euro behalten könnt
    2. Ist es nicht schon geradezu dreist, wenn man Milliarden an Hilfsgeldern bekommt und immer wieder Massenfälle von unvorstellbarem Sozialbetrug bekannt werden, dass man auf Deutschland oder irgendein anderes Geberland mit Feindlichkeit reagiert.
    3. Was ist denn der Alternativplan dieser Ausländerfeinde? Sollen die Geberländer bis zu Ihrer eigenen Pleite weiterzahlen und dann gebe es keinen Extremismus in Griechenland.
    4. Warum sollen Griechen besser wegkommen als Russen, Argentinier, Isländer, Iren oder Bulgaren? Denn die haben auch gespart und/oder sparen noch, um aus der Schuldenkrise zu kommen.
    5. Warum sollen die Bürger in den Geberländern freiwillig auf Lebenswohlstand verzichten, damit wir den auf Pump durchgeführten Konsum der Griechen nachträglich finanzieren?

    Zu diesen fünf Punkten interessieren mich übrigens auch Ihre Ansichten. Denn nur sozialistische Träumer wie Helmut Schmidt können von europäischer Solidarität und Verantwortung auf einem SPD-Parteitag erzählen und werden dafür auch noch medial gefeiert. Ein weiteres Beispiel dafür, wie schnell der Mensch vergisst. Denn Solidarität ohne Gegenleistung führt letztendlich immer in den Sozialismus. Aber diese Erfahrung liegt ja in Deutschland schon 21 Jahre hinter uns und wie gesagt, der Mensch im Allgemeinen und die Journalisten im besonderen vergessen sehr schnell. Es spricht für die kommenden Jahre Bände, wenn auf dem selben Parteitag Herr Gabriel die „Agenda 2010“ als Fehler bezeichnet. Denn das war aus meiner Sicht das einzig Gute, was Rot-Grün zustande gebracht hat. Ehrlicher und richtiger wäre es gewesen, wenn Herr Gabriel die Aufnahme Griechenlands in den EURO und das Brechen des Stabilitätspaktes durch besagte Regierung angeprangert hätte aber das habe ich nicht gehört. Fazit: Wir haben im Jahr 2013 nur die Wahl die schlechte aktuelle Regierung zu behalten oder eine noch viel schlechtere Regierung unter SPD-Beteiligung zu bekommen. Da fällt mir dann nur eins ein. Und wehe, wenn ich an das Ende denke..

    Die zweite Lösung sieht so aus, dass den Griechen die Sparanstrengungen für die Mitgliedschaft im EURO zu hart sind und zur Drachme zurückkehren. In dem Fall gehen die Banken und Versicherungen leer aus. Auch das wäre aus marktwirtschaftlicher Sicht nur zu begrüßen. Jeder Marktteilnehmer (noch einmal, damit meine ich bei Banken nicht die Gläubiger der Spareinlagen und bei Versicherungen die Einzahler) muss den Gewinn oder Verlust für seine Aktivitäten selber tragen, alles andere führt eher früher als später nur in die Katastrophe. Die Verletzung dieses marktwirtschaftlichen Grundprinzips hat zu all den Problemen in den vergangenen Jahren einen großen Beitrag geleistet. Da wir gerade Geschichtsstunde haben. In den USA war die Abschaffung des Glass-Steagal-Acts (Trennung von Investmentbank und Kundenbank) im Jahre 1999 aus meiner Sicht der Anfang vom Ende einer gesunden Marktwirtschaft.

    Natürlich gibt es noch eine dritte Lösung, die jedoch nicht meinen beiden Kriterien ( Menschenverstand einschließlich Gerechtigkeitssinn) entsprechen. Die Geberländer mit Deutschland an der Spitze stimmen der Verallgemeinerung der Schulden oder der EZB-Bazooka zu. Dann ist es zwar bis zum Sozialismus nicht mehr weit aber das System wäre kurzfristig bis zum danach auftretenden Kollaps (der dann auch wieder mit Deflation) einhergehen wird, gerettet.

    Und es gebe sogar einen Umstand, wo ich auch die dritte Lösung akzeptieren würde. In ganz Europa werden z.B. drei Monate lang jeden Tag von Morgens bis Abends die Argumente für diese dritte Lösung von wahren Finanzexperten öffentlich vorgestellt, kommentiert und auch Fragen der Bevölkerung beantwortet. Danach gibt es eine Volksabstimmung in jedem Land. Die Länder, die mit JA stimmen bleiben im EURO und die Länder, die mit NEIN stimmen, scheiden aus den EURO aus.

    Dann wären wir auf jeden Fall der endgültigen Lösungsfindung einen entscheidenen Schritt näher gekommen. Aber das wird schon alleine deshalb nicht passieren, weil es in Deutschland und vielen anderen Ländern über den gesamten Zeitraum einer Legislaturperiode betrachtet, längst keine echte Demokratie mehr gibt. Denn statt parlamentarischer Demokratie, gibt es eine parlamentarische Diktatur, wo das „Stimmvieh“ der jeweiligen Regierungspartei nichts anderes tut als zuvor mit der Wirtschaft ausgeklüngelte Gesetze abzusegnen. Und wenn es dann doch echte Volksvertreter wie Herrn Bosbach gibt, muss der sich Kommentare wie die von Herrn Pofalla („Ich kann Deine Fr…. nicht mehr sehen“) anhören. Schöne Demokratie.

    Wenn Sie unseren Politikern auf dem Weg zur Krisenbewältigung einen guten Rat geben wollen, dann senden Sie den Entscheidern statt Ihrer aktuellen Kolumne daher bitte besser den folgenden Auszug aus dem aktuellen Kommentar von Peter Hussmann zu. Denn der trifft die grundlegenden Probleme aus meiner Sicht deutlich besser als Ihr Kommentar. Denn das wahre Trauma der Deutschen und der westlichen Welt ist die zügellose und verantwortungslose „BAIL ME OUT“ Mentalität gepaart mit dem kollektiven Versagen von Politik und Medien.

    What we have increasingly observed over the past decade is nothing but the gradual destruction of the ability of the financial markets to allocate capital for the benefit of future growth. By preventing the natural discipline of the markets to impose losses on poor stewards of capital, and to impose interest rates high enough to force debtors to allocate the capital usefully, the world’s policy makers are increasingly wrecking the prospects for long-term economic growth. The world’s standard of living (what we can consume for the work we do) is intimately tied to its productivity (what we can produce for the work we do). That productivity requires our scarce savings to be allocated to productive physical capital, and to productive human capital (primarily education).
    Nietzsche famously said “What does not kill me makes me stronger.” The corollary is “What constantly rescues me makes me weaker.” The world will only stop looking for bailouts when policy makers stop handing them out.

    PS: Es sollte aus meinem Beitrag klar geworden sein, dass ich den Medien in erster Linie vorwerfe, nicht rechtzeitig, nicht kritisch, nicht nachhaltig und nicht dauerhaft den Finger in die offensichtlichen Wunden gelegt zu haben und auch jetzt gelinde gesagt, nicht den Hauch einer tragfähigen Idee zur Lösungsfindung beitragen. Denn selbstverständlich hat es zu den von mir genannten Ereignissen seit Euro-Einführung auch immer einzelne negative Kommentare gegeben aber das waren im Gesamtbild die Tropfen im Ozean. Und der einzige echte Fels in der Brandung war hier durchweg die Kolumne „Das Kapital“ in der FTD.

    Viele Grüße

    • Stefan Riße

      Der längste und äußerst spannende Beitrag meines Blogs! Danke!

    • Wolfgang Heller

      @tetik, was für ein Beitag! In dem ist alles enthalten, was zu Schuldenkrise und Euro-Desaster geschrieben werden musste.
      Und die These von Herrn Riße-Deflation sollte unser Thema sein – kann ich überhaupt nicht teilen.
      Ich mag einfach keine Inflationnisten!
      Inflation, ist das Übelste, was den Menschen passieren kann!

      • Stefan Riße

        Ich glaube, da gibt es ein paar mittlerweile sehr alte Menschen in Israel, die der Auffasung sind, dass einem noch viel Übleres passieren kann …
        Für mich ist Inflation auch keine schöne Sache. Sie ist aber das geringere Übel.

        • Wolfgang Heller

          Sie sollten die Äußerungen von Herrn Schäuble “Maßlosigkeit für Euro-Krise mitverantwortlich” verinnerlichen und Ihre Haltung zu den Inflationsgefahren überdenken!
          Wer stetiges Wachstum propagiert, kann eigentlich nicht ernst genommen werden!
          Es ist nicht die Zeit für Wachstumsfetischisten!

          • Stefan Riße

            Ich propagiere kein stetiges Wachstum und sehe auch absolut die Maßlosigkeit der Vergangenheit. Hierzu finden Sie alles in meinem Buch “Die Inflation kommt!” Nur ist diese nicht mehr rückgängig zu machen, und deshalb plädiere ich jetzt für eine pragmatische Lösung.

      • Gabler Michael

        @wolfgang heller
        Sie würden statt einem Stimmulus direkt ein Narkotium verabreichen, damit die deflation, die eh schon hohe arbeitslosigkeit in Ländern wie Italien, Spanien etc. nochmals deutlich erhöht ?? Denn wenn nun Sparen das Allheilmittel sein soll ist die nächste Dekade Deflatorisch. Dann kommt es gut möglich zum Krieg. Tetik sagt es sei die vorhergehende inflatorische “SchuldenmacherZeit” ausschlaggebend; ich sage dass umschwenken auf´s Sparen und der MORBIDEN DEFLATION überhaupt einen Hauch einer Chance zu geben, kann uns mehr als Geld kosten….die Freiheit und den Frieden!
        Inflation um 5% ist keineswegs schädlich und selbst die hyperinflation würde einen geordneteren Neustart eines Währungssystems ermöglichen als die deflation/depression die wesentlich mehr gefahren in sich birgt!

        Gabler Michael

        • tetik

          @ Herr Gabler
          Was Sie in Ihrer Argumentation bewußt oder unbewußt ausblenden, ist der einfache Umstand, daß eine nachteilige Deflation sich nur dann entwickeln kann, wenn sich vorher eine mit billigem Geld aufgepumpte Kreditblase gebildet hat, die dann irgendwann zwangsläufig platzt. In der Regel dann, wenn nicht genügend Liquidität nachgeführt wird, um die Blase aufrecht zu erhalten. Statt also die Deflation für Arbeitslosigkeit verantwortlich zu machen, sollten Sie zunächst einmal erkennen, was in diesem Zusammenhang Ursache (billiges Geld zum Aufpumpen einer Blase) und Wirkung (Deflatorisches Platzen) ist.
          Wenn Sie darauf mit dem Gegenbeispiel Schweiz argumentieren wollten, dann haben Sie auf den ersten Blick Recht, dass dieser Zusammenhang anscheinend nicht zu bestehen scheint. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass es auch hier diesen Zusammenhang gibt. Denn das internationale Kapital, das sich die durch die Notenbanken bereitgestellte Liquidität sichert, lägt dieses Geld in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit, primär im Schweizer Franken an. Und da die Schweizer Notenbank diese Liquiditätsflut in den Schweizer Franken zum Schutze der eigenen Exportwirtschaft bekämpft, indem Sie die Dollars, Euros und Yens mit frisch gedruckten Franken aufkauft, kommt es zu den Minizinsen und der deflatorischen Entwicklung.
          Zu Ihrer Aussage „…Inflation um 5% ist keineswegs schädlich und selbst die hyperinflation würde einen geordneteren Neustart eines Währungssystems ermöglichen…“ kann sich natürlich jeder Leser dieses Blogs wie zu den Beiträgen von Herrn Risse eine eigene Meinung bilden. Aus meiner Sicht kann dieser Aussage nur jemand zustimmen, der entweder komplett verschuldet ist oder kein Vermögen besitzt. Denn alle anderen werden sicher nicht gut finden, dass Ihr erarbeitetes Vermögen jedes Jahr um 5% entwertet wird oder durch eine Währungsreform gleich komplett ausgelöscht wird.
          Und Ihre Aussage das Sparen und Deflation „….die Freiheit und den Frieden..“ gefährden, verkennt wieder einmal wie eingangs erwähnt den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.
          Aber folgen wir doch Ihrem Beispiel um „Freiheit und Frieden“ zu bewahren. Wir lassen zu, dass jedes Jahr 5% Inflation herrscht und dass Deutschland direkt oder indirekt der Zahlmeister für den Süden Europas wird. Mit welchem Anreiz, wollen Sie dann einen Bürger in den Geberländern eigentlich motivieren, zu arbeiten? Dieser Mensch soll von Morgens bis Abends arbeiten, soll sehenden Auges dabei zusehen, wie sein Erspartes z.B. für die Altersvorsorge jedes Jahr mit 5% entwertet wird, damit die in Südeuropa aufgelaufenen Schulden bezahlt werden. Wie wollen Sie einen Unternehmer dazu motivieren, nicht noch mehr Arbeitsplätze nach Asien zu verlagern, wenn die Inflation auf der Kostenseite (z.B. hohe Rohstoffkosten) und auf der Nachfrageseite (geringe Kaufkraft beim Verbraucher) eine Investition von vornherein zu einem Verlustgeschäft macht?
          Wenn die Wirtschaft und das Leben so einfach wären, wie Sie es suggerieren, wir nehmen 5% Inflation oder gleich die Hyperinflation in Kauf und bewahren uns damit Freiheit und Frieden, dann frage ich mich, warum gibt es auf dieser Welt überhaupt Arbeitslose und Armut? Gerade die Probleme in armen afrikanischen Ländern oder anderen Entwicklungsländern wären doch so einfach zu lösen. Die Antwort Herr Gabler ist ganz einfach, Geld kann man DRUCKEN, WOHLSTAND NICHT. Denn um den zu erreichen, muss jemand auf produktive Art und Weise arbeiten. Anders ausgedrückt, es muss jemand ein Gut oder eine Dienstleistung anbieten, für deren Mehrwert jemand bereit ist, als Gegenleistung mit (werthaltigem) Geld zu bezahlen. Dieses Geld wird gespart, um mit anderen Ersparnissen und ggf. auch mit einem Kredit im Idealfall dann wieder in die Erstellung von marktfähigen Investitionen und/oder Dienstleistungen zu investieren. Trägt sich eine Investition nicht, dann erleidet der Unternehmer einen Verlust und NIEMAND sollte Ihm diesen Verlust abnehmen, schon gar nicht der Steuerzahler und damit auch Sie nicht. Rentiert sich die Investition, dann kassiert der Unternehmer/Investor als Gegenleistung den Gewinn. Eigentlich ganz einfach, oder?
          Was wir durch die Krisen in den letzten Jahren ALLE verstanden haben sollten, ist, dass mit jeder Abweichung (durch einfaches Geld drucken) von diesem funktionierenden und nachhaltigen Weg, wir die Wirtschaft und unseren allgemeinen Wohlstand schwächen.
          Wenn Sie und andere Leser dieses Blogs daher allen Ernstes behaupten wollen, dass 5% Inflation oder Hyperinflation „Freiheit und Frieden“ bewahren, dann empfehle ich Ihnen die Auswanderung in ein Land wie Zimbabwe. Laut Wikipedia betrug die Inflation im Jahre 2008 100.580,2 %. Unter folgendem Link können Sie alle Details zu den durch Hyperinflation ausgelösten Freiheit und Frieden nachlesen.
          http://de.wikipedia.org/wiki/Simbabwe
          Viele Grüße

          • Gabler Michael

            Sehr geehrter Herr Tetik,
            bei allem Respekt, ein Vergleich Simbabwe mit Deutschland ist nicht Äpfel mit Birnen sondern abstrus. Hyperinflation finde ich keineswegs wünschenswert, aber wir müssen uns eben mit dem aktuellen Zustand auseinandersetzen und es wird so oder so Verlierer geben. Drucken wir doch munter weiter, erkaufen uns so etwas Wachstum und moderate Inflation und schauen ob es gutgeht. Für die 100% Kehrtwende ist es zu spät.
            Denken Sie alle Griechen waren Trickser und haben sich bereichert?
            Und man sollte nicht vergessen wie viel mehr Wohlstand die westliche Welt in den letzten 40 Jahren erlangt hat. Zwar hat es die letzten 10 jahre völlig überhand genommen mit dem China-Billig Schnick Schnack
            und dem elenden Konsumrausch…ich kann mich erinnern wie ich meine Schallplatten (Beatles etc.) nach dem Kauf am gleichen Tag 5 mal hörte und die Texte las,…. doch auch der Lebensstandard insgesamt wurde deutlich erhöht!
            Vieles läuft schief im System…haben die Banken schuld, die Staaten ?? Die Frage erübrigt sich, denn ausbaden werden es sowieso die Bürger müssen.

            Ich bleibe Optimist, denn das letzte Hemd hat keine Taschen

            Ein schönes besinnliches Weihnachtsfest

            Gabler M.

          • Stefan Riße

            Bin sehr erfreut über diese kontroversen Dikussionen, in die ich mich gar nicht einschalten will, weil sie für sich sehr viel Mehrwert bieten.

        • Wolfgang Heller

          Wer redet denn hier vom Sparen ? Es ist doch nichts da, was man sparen könnte. Es geht eigentlich nur noch darum, Ausgaben im gleichen Verhältnis zu den Einnahmen zu stellen.
          Gibt es da nicht ein oft zitiertes Beispiel einer schwäbischen Hausfrau?
          Der Schuldenwahn muss endlich beendet werden!

  • Stefan kusche

    ”gefällt mir”

  • holger offhaus

    Hallo Herr Riße,

    mir ist es ein rätsel, dass die politik so schwach im begreifen der zusammenhänge ist. es läßt einen wirklich die sprichwörtliche faust in der tasche aufgehen.
    vielleicht sollte ihr wertvoller artikel auch mal direkt an die politik gelangen?

    mit freundlichen grüßen

    • Stefan Riße

      Leiten sie ihn gerne an Frau Merkel weiter …. 🙂

  • Anja

    Hallo, Herr Riße,
    die Inflation würde doch aber auch nur vorübergehend das “geringere Übel” sein. Und sie trifft eher nicht die, die etwas besitzen, wenn dieser Besitz z.B. (bezahlte) Immobilien sind. Sparvermögen sind natürlich weg. Auch wenn Schuldner in der Inflation , wie z.B. der Häuslebauer, der sein Haus über Kredite finanziert hat, besser gestellt wird, nützt es nicht so viel, wenn er auch die dann verhältnismäßig besseren Kredite durch die Inflation nicht mehr bedienen kann. Denn es führt auch zur Senkung der Reallöhne , wie auch der Realeinkommen von Personen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, da der Staat diese entsprechend der Inflation nicht mehr erhöht.
    Die Familien sind also insgesamt betroffen.
    Der einzig große Profiteur der Inflation ist der Staat, denn der Realwert seiner Verschuldung nimmt ab !
    Aber letztendlich würde eine Deflation , der mit immer mehr Fiat-Geld entgegengewirkt werden müsste auch wiederum zur Inflation führen.
    Nur, das passiert doch jetzt schon ?
    Verschwimmen da nicht langsam die Grenzen und die Frage, ob “Pest oder Cholera” tut sich gar nicht mehr auf ? Was soll denn der EU-Gipfel wirlich bringen; die Ratlosigkeit und Uneinigkeit ist doch dort genauso vorherrschend.

    • Stefan Riße

      Ja, es geht am Ende um die Absenkung unseres Lebensstandards als zwangsläufige Folge der Globalisierung und des Wettbewerbs aus den Billiglohnländern. Doch ich bleibe dabei, dass Inflation am Ende der bessere Weg ist, auch wenn die von Ihnen genannten Fakten alle stimmen, bleibt die Alternative – Deflation schlimmer.

      • Harald

        Die momentane Situation ist meiner Meinung nach mit dem Begriff Stagflation zu beschreiben.
        Wie sehen Sie das Herr Riße?

        • Stefan Riße

          Noch nicht ganz. Die Definition ist ja Rezession bei Inflation. Noch wächst die Wirtschaft, aber wir bewegen uns auf jeden Fall darauf zu.

  • Andreas Stix

    Hallo Herr Riße!

    Selbst in einem Land wie Österreich, welches bisher noch keine rigiden Sparmaßnahmen wie Griechenland durchführen musste, ist die rechtspopulistische FPÖ gemeinsam mit der SPÖ laut Umfragen momentan stimmenstärkste Partei. Dies hat hierzulande eher den Grund, dass die Bevölkerung gegen eine weitere Unterstützung der “Schuldenstaaten” ist, da gerade die Massenzeitungen die Schuldenkrise hier sehr populistisch und unsachlich ausschlachten. Ich sehe daher momentan als größte Gefährdung für den Euro einen politischen Umschwung bei den “Retter-Ländern” hin zu rechtspopulistischen, europafeindlichen Parteien.

    • Stefan Riße

      Das ist auch eine sehr große Gefahr! Der Euro ist noch längst nicht gerettet.

  • machiavelli

    na dann ist es ja ganz einfach. Wir verschulden uns so lange, bis Land unter ist, dann monetarisieren die Notenbanken die Schulden, knallen uns ne Inflation rein und dann fangen wir wieder von vorne an. Und zu sagen, nee nee, nach der nächsten Inflation fangen wir an, einen ausgeglichenen Haushalt zu ermöglichen. Helmut Schmidt, unser Superhero hat das ja bestimmt als Kanzler locker geschafft, oder:-O.
    Als Ihr Resümee bliebe dann nur, dass man aufgrund der rechten Gefahr nicht mehr zu seriöser Politik zurückfinden kann/darf. Wer weiß, vielleicht ist das wirklich der Weg. Ein trauriger Weg. Sicherlich könnte ich noch zig Kapitel hinzufügen, aber das würde den Blog sprengen. Komischer Kapitalismus, auch komische soziale Marktwirtschaft. Banken, die längst Pleite sind, werden gerettet, damit sie weiter zocken können, Notenbankenbürokraten bestimmen den Takt der Welt, cool. Ganz ehrlich, wir schimpfen auf die Amis, und zwar zurecht, ABER, es werden die einzigen sein, die für die Wende sorgen können. Und zwar auf eine andere Weise, als man denken möchte. Nur den USA traue ich es zu, eines Tages wieder so etwas wie eine Marktwirtschaft zu generieren und den turnaround zu schaffen. Wer gegen den Euro ist, ist gegen Deutschland, gegen Europa, gegen Frankreich, ermöglicht es dem rechten Gesocks, auf Stimmenfang zu gehen. Recht einfache Argumentation, sorry

  • Andreas Lange

    Hallo Herr Riße,

    ich kann Ihre Ausführungen nur unterstützen. Habe viele Bücher von Kostolany gelesen. Er hat großen Anteil daran, daß ich mich so sehr für die Börse interessiere.
    Habe auch Ihr Buch über die Inflation gelesen und mich mit Edelmetallen darauf vorbereitet.
    Ich bin ein großer Fan von Ihnen und Kosto wäre bestimmt in groben Zügen Ihrer Meinung.
    Es bleibt also weiter spannend an den Märkten.Hätte gerne eine Zeitmaschine, um in die Zukunft zu schauen.

    • Stefan Riße

      Kosto wäre ganz sicher ein Kämpfer gegen den deutschen Stabilitätswahn. Sein großer Feind damals war der Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger.

      • Andreas Lange

        Genau Herr Riße! Die monetäre Clique, wie er sie genannt hat.
        Mir tun dabei nur die Leute leid, die jeden Tag hart arbeiten und ihr Geld auf dem Sparbuch oder unterm Kopfkissen deponieren, ohne in Sachwerte zu investieren.Sie befinden sich irgendwie in einem Hamsterrad.
        Wir sind nun wohl alle gespannt, was am Wochenende beim EU Gipfel herauskommt.
        Haben Sie eigendlich in nächster Zukunft ein neues Buch geplant?

        • Stefan Riße

          Nicht sofort in nächster Zeit, aber bald!

      • Wolfgang Heller

        Na, von Stabilitätswahn kann ja nun wahrlich nicht die Rede sein!
        Wir werden von Wachstumsfanatikern und Schuldenfetischisten regiert!

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • Zur Zeit keine Termine vorhanden
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv