Viele Börsianer schauen derzeit den steigenden Kursen hinterher. Die französische Präsidentschaftswahl könnte ihnen die erhoffte Korrektur und Gelegenheit zum Einstieg bringen.
Was ist schlimmer? Eine Börse die fällt, wenn man engagiert ist, oder eine steigende Börse, und man ist selbst nicht dabei? Nüchtern betrachtet, ist der erste Fall der schlimmere, denn in diesem verliert man Geld, während man im zweiten nur Gewinne verpasst.
Doch der Börsianer ist auch nur ein Mensch und empfindet es umgekehrt. Denn fällt die Börse und er ist dabei, dann verliert er zwar Geld, doch er hat das gute Gefühl: Alle anderen verlieren auch. Steigt die Börse aber, und er hat keine Engagements, drängt sich ihm unwiderruflich das Gefühl auf: Alle verdienen, nur ich nicht.
Die Rallye, die die Aktienmärkte und insbesondere der DAX seit Jahresanfang hingelegt haben, wird bei vielen Investoren genau diesen Schmerz erzeugen. Denn aus dem „Zu Tode betrübt“, das noch zum Jahresende herrschte, ist in nur wenigen Wochen ein „Himmelhochjauchzend“ geworden. Die Gründe liegen auf der Hand und jetzt, wo sie zu den Kursen passen, werden sie von den Kommentatoren auch fröhlich zitiert: Das Griechenlandproblem ist abgehakt, weil das Land kein, und die Bankenwelt mittlerweile auf eine Insolvenz vorbereitet ist. Zudem rutscht die deutsche Wirtschaft wegen der Schwäche in der Europeripherie nun doch nicht sofort in die Rezession. Der Export in die Wachstumsregionen bietet nach wie vor entsprechende Kompensation.
Vor diesem Hintergrund sind die Aktienbewertungen mit einem unter dem historischen Durchschnitt liegenden Kurs/Gewinn-Verhältnis und den Minizinsen bei Bundesanleihen, die dem Anleger als risikolose Alternative zur Verfügung stehen – wirklich spotbillig – und zwar immer noch!
Also jetzt dem fahrenden Zug hinterherlaufen und noch schnell aufspringen? Auch hier ist es wieder die Emotion, die dem Börsianer schwer zu schaffen macht. Denn günstige Bewertung hin oder her, will man wirklich einstiegen nachdem der DAX gegenüber seinen Tiefstkursen aus dem vergangenen Jahr bereits wieder um 2000 Punkte geklettert ist? Und wie wird man sich erst fühlen, wenn dann genau die Korrektur einsetzt, auf die man gewartet hat. Dann war man nicht nur erst zu zögerlich, sondern später auch noch zu ungeduldig, wie ein blutiger Anfänger. weiterlesen








