Monatsarchiv: Februar 2012

Stolperstein Frankreich

Viele Börsianer schauen derzeit den steigenden Kursen hinterher. Die französische Präsidentschaftswahl könnte ihnen die erhoffte Korrektur und Gelegenheit zum Einstieg bringen.

Was ist schlimmer? Eine Börse die fällt, wenn man engagiert ist, oder eine steigende Börse, und man ist selbst nicht dabei? Nüchtern betrachtet, ist der erste Fall der schlimmere, denn in diesem verliert man Geld, während man im zweiten nur Gewinne verpasst.
Doch der Börsianer ist auch nur ein Mensch und empfindet es umgekehrt. Denn fällt die Börse und er ist dabei, dann verliert er zwar Geld, doch er hat das gute Gefühl: Alle anderen verlieren auch. Steigt die Börse aber, und er hat keine Engagements, drängt sich ihm unwiderruflich das Gefühl auf: Alle verdienen, nur ich nicht.

Die Rallye, die die Aktienmärkte und insbesondere der DAX seit Jahresanfang hingelegt haben, wird bei vielen Investoren genau diesen Schmerz erzeugen. Denn aus dem „Zu Tode betrübt“, das noch zum Jahresende herrschte, ist in nur wenigen Wochen ein „Himmelhochjauchzend“ geworden. Die Gründe liegen auf der Hand und jetzt, wo sie zu den Kursen passen, werden sie von den Kommentatoren auch fröhlich zitiert: Das Griechenlandproblem ist abgehakt, weil das Land kein, und die Bankenwelt mittlerweile auf eine Insolvenz vorbereitet ist. Zudem rutscht die deutsche Wirtschaft wegen der Schwäche in der Europeripherie nun doch nicht sofort in die Rezession. Der Export in die Wachstumsregionen bietet nach wie vor entsprechende Kompensation.
Vor diesem Hintergrund sind die Aktienbewertungen mit einem unter dem historischen Durchschnitt liegenden Kurs/Gewinn-Verhältnis und den Minizinsen bei Bundesanleihen, die dem Anleger als risikolose Alternative zur Verfügung stehen – wirklich spotbillig – und zwar immer noch!
Also jetzt dem fahrenden Zug hinterherlaufen und noch schnell aufspringen? Auch hier ist es wieder die Emotion, die dem Börsianer schwer zu schaffen macht. Denn günstige Bewertung hin oder her, will man wirklich einstiegen nachdem der DAX gegenüber seinen Tiefstkursen aus dem vergangenen Jahr bereits wieder um 2000 Punkte geklettert ist? Und wie wird man sich erst fühlen, wenn dann genau die Korrektur einsetzt, auf die man gewartet hat. Dann war man nicht nur erst zu zögerlich, sondern später auch noch zu ungeduldig, wie ein blutiger Anfänger. weiterlesen

Börsenexpressionismus

Die Stimmung scheint derzeit zu optimistisch, doch bedeutet dies nicht, dass die Kurse nun wieder auf lange Talfahrt gehen.

Sieht man sich derzeit gewisse Stimmungsindikatoren an, dann scheint es höchste Zeit zum Ausstieg zu sein. So ist der Anteil der vom US-Research Institut Consensus gemessenen optimistischen Anlageberater auf 75 Prozent herauf geschnellt, gegenüber weniger als 50 Prozent Ende vergangenen Jahres. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Betrachtung des täglich ermittelten Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI). Ende November lag dieser noch im Minusbereich, jetzt weist er bereits seit acht Tagen positive Werte von über 50 Prozent aus. In Deutschland sieht es nicht anders aus. Egal ob Put/Call-Ratio, Börsenbriefe oder kurzfristiger Sentix-Indikator, überall sind die Werte deutlich in Richtung optimistische Zone gelaufen. Abgerundet wird das Bild durch Zeitungsartikel, die den Anlegern erklären, wie sie jetzt vom Aktienaufschwung profitieren. Als der DAX im vergangenen Herbst bei gut 5.000 Punkten notierte, gab es solche Artikel natürlich nicht, obwohl das Aufwärtspotenzial zu diesem Zeitpunkt ja viel größer war.
Das altehrwürdige „Barrons“ in den USA rief auf ihrem Titel jüngst sogar die 15.000 Punkte als Zielmarke für den Dow Jones auf.



Quelle: Finnazwoche

Bedeutet das nun, dass die nächste Baisse vor der Tür steht und dass es höchste Zeit zum Aussteigen ist? Nein! Denn es gibt momentan eine Menge Anlageprofis, die auf diese, ihrer Ansicht nach zu gute Stimmung verweisen, und die deshalb zwar grundsätzlich optimistisch sind, den Börsenzug aber verpasst haben, oder bereits wieder zu früh ausgestiegen sind. Sie sehnen nun einen Rückschlag herbei, der aber genau deshalb bisher nicht stattgefunden hat. Denn je häufiger ein Markt kleine Einbrüche immer wieder ausbügelt und dadurch den Eindruck vermittelt, dass es kein Abwärtspotenzial gibt, desto ungeduldiger werden die Anleger und steigen dann irgendwann schon bei kleinsten Rückschlägen ein. In dieser Phase sammeln sich dann immer mehr Haussepositionen an, während auf fallende Kurse setzende Anleger das Handtuch werfen und ihre Short-Positionen auflösen. Quasi unbemerkt wächst so das Verkaufspotenzial an. Festzustellen ist dies vor allem, wenn der Optimismus im Markt steigt, ohne dass die Kurse noch nennenswert nach oben klettern.
Irgendwann löst diese Hängepartie bei den kurzfristig agierenden Anlegern erste Positionsglattstellungen aus, die dann weitere Stopp-Loss Verkäufe nach sich ziehen und eine Korrektur einleiten. Diese fällt dann in der Regel größer aus, als von den bis dahin unterinvestierten Anlegern erhofft und erwartet, so dass diese ihre geplanten Käufe teilweise doch nicht tätigen, weil der bis vor wenigen Tagen noch für sicher gehaltene Börsenaufschwung in Frage gestellt wird. Dies ist dann der ideale Moment zum Einstieg, auf den ich aktuell in Bezug auf den deutschen Aktienmarkt warten würde, egal ob er jetzt bereits kommt, oder doch erst auf etwas höherem Niveau stattfindet.

Stimmungsindikatoren sind nicht gleich Stimmungsindikatoren. Sie zu lesen, ist wie die Interpretation eines expressionistischen Bildes. Mag es derzeit in einigen Indikatoren auch zu hohem Optimismus geben, erfasst werden hier zumeist die kurzfristiger agierenden Anleger. Die langfristigen Investoren dürften jedoch noch unterinvestiert sein und auf Deutschland bezogen, dürfte dies vor allem auf die Ausländer zutreffen, die aus Angst vor einem Euro-Crash deutsche Aktien im vergangenen Jahr ausverkauft haben. Doch der Euro wird, egal ob Griechenland drin bleibt oder nicht, zumindest kurzfristig nicht scheitern. Die Konjunkturperspektiven sind zudem besser als erwartet und in Ermangelung von Anlagealternativen und historischen günstigen Aktien-Bewertungen, dürfte diese Anlegergruppe weiter auf der Käuferseite stehen und die Kurse längerfristig nach oben befördern.

Abstruse Verschwörungstheorien

Für viele Politiker und andere selbsternannte Experten ist die Schuldfrage bezüglich Euro-Krise längst geklärt. Es sind die Spekulanten, oder Zocker, wie sie von anderen genannte werden, die im Gewand von Hedgefonds oder Investmentbanken im Zusammenwirken mit den Ratingagenturen unsere schöne Gemeinschaftswährung kaputt machen. Garniert mit der These des großen Währungskrieges der angelsächsischen Finanzzentren London und New York gegen den Euroraum, kommt jeder Verschwörungstheoretiker auf seine Kosten.
Wie aus dem Handelsblatt vor einigen Tagen zu erfahren war, will die SPD die Bekämpfung der Spekulation und der rücksichtslosen Zocker in und außerhalb der Banken zum Hauptthema im kommenden Bundestagswahlkampf machen.
Das mag womöglich auch gut funktionieren, die Enttäuschung der Wähler ist aber jetzt schon vorprogrammiert, weil die ausgemachten Feindbilder nicht der Grund für die Eurokrise sind und die angestrebten Maßnahmen daher keinerlei Wirkung erzielen werden.
Beginnen wir mit der Finanzmarkttransaktionssteuer. Selbst wenn diese weltweit eingeführt würde, eine Finanzkrise, wie wir sie erlebt haben – mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers als traurigen Höhepunkt – würde sie zweifelsfrei nicht verhindern. Schließlich wurde diese nicht dadurch ausgelöst, dass die Subprime-Anleihen, im Sekundentakt hin- und her gehandelt wurden, sondern dadurch dass die in diesen Anleihen verpackten Immobilienkredite mehr oder minder wertlos waren.
Auch der Verbot, der üblicherweise als CDS oder Credit Default Swaps bezeichneten Kreditversicherungen würde nichts bewirken. Die Idee, dass deren Prämien und damit die Zinsen von Griechenland und anderer Problemländern der Eurozone durch die Zocker-Banken und Hedgefonds gezielt nach oben getrieben würden, ist mit Verlaub gesagt, Unsinn! So wie Wetten auf den Ausgang eines Fußballspiels nicht zu mehr oder weniger Toren führen, so bestimmt das „Wetten“ auf eine Pleite Griechenlands, ob diese tatsächlich eintritt. Denn was würde wohl passieren, wenn es die CDS nicht gäbe und auch die Staatsanleihen der Peripherieländer nicht handelbar wären? Spätestens zu deren nächsten Refinanzierungstermin würden die Gläubiger in Kenntnis der Finanzlage ebenso hohe Zinsen verlangen. Wenn nicht sogar noch höhere, im Bewusstsein dessen, dass sie die Anleihen während der Laufzeit weder veräußern, noch gegen Ausfall versichern können. weiterlesen

Wenn ein Markt auf …

… schlechte Nachrichten, nicht mehr reagiert, dann ist das ein Zeichen dafür, dass er nicht mehr weiter fallen kann. Dieser Börsenweisheit gemäß kann es mit den Aktien eigentlich nur noch ununterbrochen weiter nach oben gehen. Die Titelgeschichte im Handelsblatt von heute macht deutlich, dass mittlerweile auch über einen Schuldenschnitt für Portugal gesprochen wird. Die Zinsen für portugiesische Anleihen sind mittlerweile auf 17 Prozent gesprungen. Und was passiert an den Aktienmärkten? Sie steigen ohne Unterbrechung weiter. Auch heute Morgen schon wieder Gewinne zur Eröffnung. Was aus stimmungstechnischer bzw. antizyklischer Sicht außerdem dafür spricht, dass es weiter nach oben geht, ist das Frankfurter Gespräch, das vorgestern Im Handelsblatt erschien. Überschrift: Experten erwarten heftigen Dax-Einbruch. Gefragt wurden hier vier namhafte Charttechniker.
Vor einen Jahr gab es dieses Gespräch auch und ich machte es auch hier zum Thema. Damals lautete der Tenor, dass der langfristige Aufwärtstrend im Gold gebrochen worden sei, und die weiteren Perspektiven eher düster aussehen. Für mich war dies damals der Anlass, meine Goldpositionen bei Kursen von 1.335 zu erhöhen bzw. deren Hebel. Also jetzt gemäß der Logik des antizyklischen Handelns mit allem in den DAX was geht? Die Traute habe ich leider nicht, weil mir die bereits häufig zitierten kurzfristigen Stimmungsindikatoren in den USA wie der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) mit über 40 Prozent für Standard- und 75 Prozent für Technologie-Aktien schon zu viele Tage zu positive Werte zeigen. Damals korrespondierte der Pessimismus auch mit anderen Stimmungsindikatoren Der Hulbert Gold Newsletter Sentiment Index (HGNSI) lag bei nur 11 Prozent und zeigte damit keinen Gegensatz zum Pessimismus der Charttechniker. Deshalb warte ich auf einen Rückschlag bevor ich in den DAX wieder einsteige.
Apropos HGNSI: Auch dieser ist zuletzt deutlich geklettert und notiert nach Werten von nur 0,3 Prozent zum Jahresbeginn jetzt bei 51 Prozent. Und hier sagen übrigens auch die vier vom Handelsblatt befragten Charttechniker (nur in der Printversion), nach dem Abgesang vom vergangenen Jahr, dass der langfristige Aufwärtstrend noch lange nicht zu Ende sei.
Schlagen 2012 Aktien dann wohl Gold? Ich würde nicht so wegen eines Zeitungsartikels nicht so weit gehen, es zu prognostizieren, wundern würde es mich aber auch nicht.

 

Live Erleben & Buchen

  • N-TV
    Interview Telebörse
    04/06/2013   14:15 Uhr
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv