Trotz Kurserholung weitere Stimmungsabkühlung

Ich schätze Dirk Müller sehr. Er ist ein sehr lieber Kollege und sorgt mit seiner sympathischen Art dafür, dass unser Thema – das Thema Börse – in der Öffentlichkeit nicht nur negativ besetzt ist. Das folgende ist bitte auch nicht als Häme zu verstehen. Doch für jemanden wie mich, der vor allem als „Contrarian Investor“ unterwegs ist, komme ich nicht umhin, seine Qualität als Kontraindikator unerwähnt zu lassen. Vielleicht ist er als das Sprachrohr der Börse auch nur jemand, der den allgemeinen Gemütszustand der Börsianer widergibt. Zum Beispiel, als er vor fast genau einem Jahr prognostizierte, dass es am Jahresanfang 2012 zunächst einmal nochmal weiter runter gehen werde. Tatsächlich kam dann ab Jahresanfang eine fulminante Rallye. Als der DAX in dieser dann bis auf 7.300 Punkte stieg, kam dann eine Titelgeschichte mit folgender Schlagzeile: „DAX 8000 – Dirk Müller – warum er so optimistisch ist!“ Was folgte, ist bekannt, der DAX fiel bis auf 5.900 Punkte zurück. Müllers Optimismus verfolg, er bezeichnete die Märkte als nicht prognostizierbar. Dann kam der Wiederaufstieg auf die 7.400 und die jüngste Korrektur auf zwischenzeitlich 6.950 Punkte. Und hier warnt Mr. DAX nun ganz aktuell vor der Crash-Gefahr. Wenn er als Kontraindikator auch diesmal funktioniert, dann müsste es jetzt eigentlich kräftig nach oben gehen. Seine Argumente sind die üblichen der Pessimisten: Konjunktur schlecht, Unternehmenszahlen schlecht! So weit, so gut, doch vielleicht ist das mit der Korrektur von März bis Juni auch schon abgearbeitet worden, und muss man für die Story aus der sich zukünftig Honig saugen lässt, den Blick weiter nach vorn richten und die sich zeigende Erholung in China und am US-Immobilienmarkt fokussieren. Zumindest gibt es genug Argumente, um plötzlich steigende Kurse zu begründen – nach dem Motto: Die Kurse machen die Nachrichten.

Was mich übergeordnet mit steigenden Kursen rechnen lässt, ist der immer wieder erwähnte Zinsrutsch am langen Ende, der noch nicht ausreichend von den Kursen wiedergespiegelt  wird und sich meiner Ansicht nach aber mittelfristig durchsetzen wird. Die Stimmungsindikatoren, wenn sie zwischenzeitlich zu optimistisch werden, sind für mich insofern nur der Hinweis auf eine Korrektur im Aufwärtstrend, der immer dann weiter geht, wenn sich die Stimmung – wie aktuell – wieder abgekühlt hat.

Hier gab es auch bei den quantitativen Messungen – trotz der jüngsten Erholung – bisher keine wirklichen Verbesserungen. Der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index notiert sowohl für die Standard- als auch für die Technologiewerte nach wie vor im Minus. Bei den amerikanischen Privatanlegern nach AAII gibt es so viele Bären wie seit September 2012 nicht mehr und die US-Anlageberater sind nun nur noch zu 42 Prozent optimistisch.

Niedrigere Werte gab es hier zuletzt im November 2011. Auch der Optimismus der Börsenbriefe nach Lesart  von „Investors Intelligence“ hat weiter nachgelassen, auch wenn hier von Pessimismus noch keine wirkliche Rede sein kann. Und zu guter letzt noch die technischen Kommentare von der Wall Street aus der FAZ. Die Techniker sehen demnach die aktuelle Erholung als eine, die im übergeordneten Abwärtstrend verläuft. Sie könne zwar noch etwas weiter gehen, sollte aber für Verkäufe genutzt werden. Das spräche dafür, dass wir nun zunächst konsolidieren, bis diese Zunft die Erholung dann für abgeschlossen erklärt und mit einer Fortsetzung der fallenden Kurse rechnet. Dann aber dürfte es mit starker Kraft nach oben laufen ….

  • manuel becker

    Dirk Müller
    verdankt seine “Prominenz” doch gerade seiner natürlichen Art mittels Gesichtsausdrücken und Gesten – an Kursschwankungen zu partizipieren. Wie sollte ein
    derart emotionaler Mensch sich nicht von der Stimmung der Allgemeinheit mitreißen
    lassen? Er hat seine Marktnische gefunden (schön gestriegelt, charakteristischen
    Bart, einprägsam, einfach ein richtiger Mann, wie man sich ihn vorstellt. Sie
    hingegen machen viel Ausdauersport und verwenden ihre Zeit zum Arbeiten anstatt auf ihre Frisur(entschuldigung)), aber letztlich profitieren
    Charaktere wie sie, enorm davon, dass eine breite Öffentlichkeit an seinen Ideen
    partizipiert. Ich musste diese Woche wieder an Kostolanys „Wenn alle auf eine
    totsichere Sache setzen…“ denken als ich realisierte, wie vielen meiner
    Kommilitonen Dirk Müller auf Facebook „gefällt“. Ihr Einwurf hat mir nun eine
    Menge Recherchearbeit erspart zu dem Thema erspart. Vielen Dank!

    And by the way:
    Die n-tv Telebörse hat unter ihrer beruflichen „Umorientierung“ leicht gelitten.

    • Stefan Riße

      Besten Dank! Wenn ich so gesehen werde, freut es mich besonders!

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