Ist die Stimmung viel zu gut?

Der DAX hat heute ein neues Jahreshoch markiert. Sieht man sich aus antizyklischer Sicht die Stimmung an, dann kann man eigentlich nur zu Gewinnmitnahmen raten. Bei Cognitrend sind die Strategen seit fünf Wochen sehr zuversichtlich und zuletzt nochmals optimistsicher geworden. Bei Sentix hat sich die in der Vorwoche stark gestiegene kurzfristige Stimmung für deutsche Aktien auf jahreshohem Niveau gehalten und die dortigen Strategen sagen daher unumwunden, dass die Jahresendrallye ausfalle. Bei den deutschen Börsenbriefen sieht es genauso aus. Außerdem ist der heute veröffentlichte ZEW-Konjunktur-Index überraschend gut ausgefallen. Nun ist ein besserer konjunktureller Ausblick ja durchaus positiv zu sehen – liefert er doch die fundamentalen Argumente für den Aktienkauf – in diesem Fall darf man aber nicht vergessen, dass hier Finanzmarktanalysten befragt werden, die sehr prozyklisch agieren.

Doch es gibt durchaus die Möglichkeit, dass es noch weiter nach oben geht. Der Fall des DAX unter die 7.000er Marke hat offenbar doch viele Anleger verunsichert, was am zwischenzeitlich stark gestiegenen Put/Call-Ratio ablesbar ist, das sich auch nach wie vor eher im Bereich der Kaufzone befindet. Möglicherweise sind viele Anleger doch zu stark abgesichert und müssen nun nachlegen, um der Performance der Indizes nicht zu stark hinterher zu hinken. Will heißen, der Optimismus ist nicht mit spekulativen, sondern eher konservativen Positionen unterlegt.

Weiterhin ist denkbar, dass es institutionelle Anleger gibt, die in den Stimmungsindikatoren gar nicht erfasst werden, und die nun wegen der Schwindsucht bei den Zinsen in den Aktienmarkt drängen. Und last but not least ist die eigentlich viel zu positive Stimmung so offensichtlich, dass die Anleger, die – so wie ich – nach der Methode der Behavioral Finance vorgehen, womöglich zu früh ausgestiegen sind.
Hinzukommt eine in den USA längst nicht so optimistische haltung. Zwar ist der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) mit 32,1 Prozent für Standard- und mit 50 Prozent für Technologiewerte wieder klar im Plus, im Bereich alter Stimmungshochs ist er aber längst noch nicht. Auch die anderen Stimmungsindikatoren sind hier bisher nicht gestiegen. Interessant ist vor allem eine Zahl die jüngst von der Bank of America Merrill Lynch veröffentlicht wurde. Deren „Sell Side Indicator“ zeigt so viel Pessimismus wie seit 15 Jahren nicht mehr. Abgebildet wird hier die von den Anlagestrategen empfohlene Aktienquote, die zuletzt mit rund 45 Prozent weit unter dem historischen Durchschnitt von über 60 Prozent liegt.


Quelle: BofA Merrill Lynch

Fazit: Das Stimmungsbild zu lesen gleicht derzeit wieder der Interpretation eines expressionistischen Bildes. Eine Korrektur und ein Ausfall der Jahresendrallye ist durchaus denkbar, doch die positive Saisonalität – der Dezember ist der beste Börsenmonat – gepaart mit teilweise bullischen Signalen von der Wall Street, lassen es zu gefährlich erscheinen sich von diesem liquiditätsunterstützten Markt gänzlich zu verabschieden. Ich bleibe daher long, vorwiegend im DAX und im Hang Seng, bin jedoch auf Rückschläge finanziell wie mental eingestellt.

  • Markus70

    Jetzt sind wir im Dax schon bei 7600. Für mich sind die Sentiments einfach zu gut. Werde zumindest einen Teil meiner Gewinne mitnehmen und sichere den Rest gut ab. Kann natürlich sein dass ich ein paar Hundert Punkte verliere aber was solls….

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