Jahresbilanz 2012

Das Börsenjahr 2012 liegt nun hinter uns. Klassischerweise ist dies der Moment, den Blick auf das neue Jahr zu werfen, was ich übermorgen auch tun werde. Zunächst einmal möchte ich aber Bilanz für das vergangene Jahr ziehen. Hiermit meine ich aber nicht die Kursentwicklung der verschiedenen Märkte, das erledigt bereits seit einigen Tagen die Tagespresse, ich meine die Bilanz meiner eigenen Prognosen. Hat es sich eigentlich gelohnt, diesen Blog zu lesen und den Hinweisen zu folgen? Ich versuche im Folgenden dies so objektiv wie möglich zu tun und verweise nicht nur auf meine erfolgreichen Vorhersagen – wie so viele Prognostiker dies gerne tun – sondern auch auf meine Fehlleistungen.
Für mich war das vergangene Jahr ein sehr bewegendes. Erstens, weil ich mit dem von mir gemanagten am 30. Juni 2012 aufgelegten Fonds „Riße Inflation Opportunities UI“ das erste Mal in meiner Börsianerkarriere Verantwortung nicht nur für mein eigenes, sondern auch für das Vermögen anderer Anlegern übernommen habe. Zweitens, weil meine grundsätzliche Methode, die Märkte einzuschätzen – und zwar vor allem von der Liquiditätsseite – einem wichtigen praktischen Test unterzogen wurde.
Zu den Prognosen im Einzelnen: Noch vor Jahresbeginn am 29.Dezember 2011 positionierte ich mich sehr bullish zu Aktien mit dem dem Beitrag: „2012 – Ein Jahr der Aktie?“ Der DAX notierte damals bei 6.000 Punkten. Grund für diese optimistische Prognose war der von mir im Verlauf des Jahres dann immer wieder erwähnte positive Liquiditätseinfluss zum einen durch die Politik der Notenbanken, insbesondere der Federal Reserve (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) und zum anderen durch den massiven Zinsrutsch am langen Ende sowohl im Dollar als auch im Euro bei den sicheren Schuldner.
Ich bot damit den Pessimisten die Stirn, die auch hier – mit teilweise äußerst analytischen Gastbeiträgen – ihre Meinung kundtaten. Es war die Eurokrise, die noch so viele in ihren Bann zog und eher skeptisch dreinblicken ließ. Nicht wenige erwarteten, dass der Euro 2012 untergehen würde. Das sah ich im erwähnten Beitrag anders:
„Tatsächlich spricht nicht viel für eine finale Entscheidungsschlacht in der Eurokrise im Jahr 2012 die Europäische Zentralbank (EZB) kann dieses Problem aber relativ leicht aus der Welt schaffen, indem sie Banken für einen längeren Zeitraum Kredite zu einem günstigen gewährt, wie sie dies zuletzt mit einen dreijährigen Tendergeschäft getan hat. Außerdem kann sie auch weiterhin Staatsanleihen der Peripherieländer aufkaufen und damit stützend ins Marktgeschehen eingreifen. Andererseits ist aber auch nicht mit einer finalen Lösung der Euro-Krise zu rechnen. Die EZB wird keine Vollkaskohaftung für die in Schwierigkeiten befindlichen Ländern übernehmen. Das wird Deutschland als Hauptzahlmeister nicht zulassen. Auch ist mit einer schnellen wirtschaftlichen Gesundung Italiens, Portugal, Spaniens und Griechenlands nicht zu rechnen. Die Sparmaßnahmen werden das Wachstum bremsen, wenn nicht sogar in eine Rezession führen. Gerade weil es derzeit schwer vorstellbar erscheint, könnte 2012 ein Jahr der Aktie werden.“
Alle gemachten Aussagen trafen am Ende zu, insbesondere die Einschätzung zum Handeln der EZB war richtig. In den folgenden Wochen, in denen der DAX dann bis auf rund 7.300 Punkte kletterte, unterstrich ich diesen Optimismus immer wieder unter anderem mit dem Beitrag am 19. Januar „Traumkonstellation für den DAX?“ (DAX-Stand rund 6.400), in dem es hieß: „Was den übergeordneten Investitionsgrad längerfristiger Investoren betrifft, so dürfte dieser vor allem in Europa unterdurchschnittlich sein. Deshalb haben die Märkte in Europa das größte Potenzial und hier insbesondere der DAX, weil die jüngsten Meldungen von der Konjunkturfront darauf hindeuten, dass der Konjunktureinbruch hierzulande geringer ausfällt als erwartet. Sollte sich dies bewahrheiten, würden fundamentale Kaufgründe auf unterinvestierte Anleger bei gleichzeitiger Liquiditätsschwämme treffen. Ein besseres Szenario kann es für den DAX gar nicht geben.“

Am 30. Januar lautet ein Beitrag dann „Starkes Kaufsignal für den Euro“ Auch diese Empfehlung war keine Katastrophe und brachte auf Jahresendbasis sogar leichte Gewinne, sie war aber verzichtbar. Zwar stieg der Kurs des Euro im Anschluss dann bis auf 1,35, doch wer keine Gewinne mitnahm, der fuhr dann in der sich zuspitzenden Eurokrise zwischenzeitlich gewaltig bis auf gut 1,20 in den Keller.
Am 02. Februar nahm ich das Frankfurter Gespräch im Handelsblatt auseinander, in dem vier namhafte Charttechniker bei einem Stand von 6.600 Punkten einen weiteren DAX-Absturz und für Gold weiter steigende Kurse voraussagten. Die Feinunze notierte zu diesem Zeitpunkt bei 1.760 US-Dollar. Genau ein Jahr zuvor hatten die Lineal- und Bleistift-Strategen in diesem Frankfurter Gespräch das Gegenteil prognostiziert und damit fürchterlich daneben gelegen. Im antizyklischen Sinne mutmaßte ich daher: „Schlagen 2012 Aktien dann wohl Gold? Ich würde wegen eines Zeitungsartikels nicht so weit gehen, es zu prognostizieren, wundern würde es mich aber auch nicht.“
Bei Kursen von rund 6.900 Punkten im DAX wies ich am 20. Februar wie auch mit dem Artikel „Stolperstein Frankreich“ am 23. Februar auf zunehmende Korrekturgefahren hin, die ich am 22. März bei noch etwas höheren Kursen mit „Sieg der Stimmungsanalyse“, unterstrich, wobei ich meinen grundsätzlichen Optimismus aber beibehielt. Das war auch ganz richtig, denn dann kam die Korrektur, die jedoch nicht mit dem Gewinn der Frankreich-Wahl durch den Sozialisten François Hollande als „Fait Accompli Hollande“ endete und auch nicht mit dem Gap-Closing bei 6.220 Punkten, was ich als Maximalwert veranschlagt hatte. Es ging unter die 6.000 Punkte und damit deutlich weiter als ich dachte. Denn bereits am 11. April schrieb ich übertitelt mit „Aktienneubewertung“ bei einem DAX von rund 6.650 Punkten. „Zwar halte ich immer noch eine ausgedehntere Konsolidierung für die wahrscheinlichste Variante, weil die französische Präsidentschaftswahl sich noch zu einem Belastungsfaktor entwickeln könnte, der Markt dürfte aber mit der schlechter werdenden Stimmung immer besser nach unten abgestützt sein. Erste Käufe könnten für gänzlich unterinvestierte Anleger bereits jetzt ratsam sein, denn dass die Aktien ihren Aufwärtstrend fortsetzen werden, davon ich so stark überzeugt, wie seit langem nicht mehr.“ Grundsätzlich richtig, aber hier passte das Timing nicht perfekt.
Gold hatte ich Ende März bei Kursen von 1.675 US-Dollar hingegen als gut abgesichert bezeichnet. Auch das war nicht perfekt, denn es kam mit dem Euro-Absturz noch zu einer deutlicheren Korrektur, wenngleich auf Jahresschlussbasis auch hier nur minimale Verluste zu verzeichnen sind.
Am 4. April schrieb ich dann mal zwischenzeitlich zum Öl: „Schwarzes Gold ohne Glanz“. Crude Oil war mit der Angst vor einer Eskalation des Israel/Irak-Konfliktes auf 105 Dollar gestiegen. Ich sah eher fallende Kurse, vor allem ab dem Tag des Konfliktausbruchs. Zu diesem kam es nicht, doch meine Leser verloren hier zumindest kein Geld mit Hausse-Positionen.

Trotz des bei den Aktien größer als erwarteten Korrekturausmaßes, das auch meine Nerven ziemlich strapazierte, ließ ich mich aber nicht von meinem Optimismus abbringen und fragte richtigerweise am 1. Juni „Ist das der letzte Wash-Out?“
Dann kam die Wende und die Kurse drehten mit den Statements der EZB und ihres Präsidenten Mario Draghi nach oben. In der Anfangsphase des Aufschwungs war ich hier mit meinen taktischen Einschätzungen fast zu vorsichtig, aber die Richtung stimmte.

Am 18. Juli äußerte ich mich dann wegen sehr schlechten Stimmung für die Edelmetalle offensiv zu Wort mit „Gold doppelt unterstützt“ bei Kursen von 1.575 Dollar. Das war auch auf heutiger Kursbasis noch richtig. Wichtiger aber noch und quasi goldrichtig war der Hinweis im Beitrag “Ist der Goldrausch nachhaltig?” am 27. August auf die dann plötzlich wieder viel zu gute Stimmung: „Kurzfristig könnte es aber auch nochmals einen Rutsch nach unten geben, um die Charttechniker wieder aus dem Markt zu schmeißen, oder es läuft zunächst seitwärts. Ein schneller weiterer Anstieg ist eher unwahrscheinlich. Es ist daher zu überlegen, Positionen mit kurzfristigen Verkaufs-Optionen abzusichern.“
Am 2. Oktober unterstrich ich dann die weiter gestiegene Korrekturgefahr im Gold bei Kursen von knapp 1.800 Dollar.
Am Aktienmarkt war unterdessen die Stimmung ebenfalls deutlich nach oben gehüpft. Mit dem am 22. Oktober erschienen Beitrag „Müssen die Trendfolger erst raus?“ wies ich auf gewisses Korrekturpotenzial hin und bin besonders stolz, dass ich das Gap-Closing bei 6.669 Punkten in den Kurzkommentaren am 6. September als Korrekturziel anvisiert hatte. Taktisch war dies wohl der Volltreffer des Jahres, denn der deutsche Leitindex rutschte nur wenige Punkte darunter, um dann bis auf 7.680 Punkte zu steigen. Für diejenigen Leser die unterinvestiert waren, war dies das ultimative Einstiegssignal, um doch noch dabei zu sein.
Zu den hier direkt veröffentlichten Kommentaren und Beiträgen kamen dann noch Verlinkungen auf zwei Stimmungsbarometer in Focus Money. Ein Volltreffer war „Yen in Gefahr“ am 29. August, denn genau im richtigen Moment sagte ich einen deutlich schwächeren Yen voraus. „United Kingdown“ am 25. Oktober hat sich als Empfehlung, das Britische Pfund zu shorten, bisher nicht gelohnt, die Verluste waren aber gering. Zwar gab es auch hier zwischenzeitliche Kursgewinne, doch solange ich nicht zu Gewinnmitnahmen rate, ist dies irrelevant genauso wie bei den Engagements, wo es zwischenzeitlich Verluste gab. Abgerechnet wird am Zielstrich sagen wir Radfahrer.
So gesehen war das Jahr 2012 aus meiner Sicht ein sehr erfolgreiches. Denn es gab keine einzige wirkliche Fehlprognose, die größere Verluste beschert hätte, wäre man ihr gefolgt. Prognosen mit Gewinnpotenzial gab es hingegen einige, insbesondere die zum DAX. Ich kann damit sehr befreit aufatmen, denn wären die Aktien 2012 enttäuschend im Sinne der Pessimisten verlaufen, dann hätte ich die Prognostizierbarkeit nach meiner Methode in Frage stellen müssen. So aber bewegt sich meine eigene Performance am Höchststand (Veröffentlichung in Kürze). Mit meiner Fondsperformance von 3,3 Prozent bin ich nicht ganz zufrieden. Hier hat die etwas zu große Vorsicht und ein Short-Engagement in französischen Staatsanleihen dafür gesorgt das die gute Prognosequalität sich nicht voll im Kurs wiederspiegelt. Über das Short-Engagement in den französischen Anleihen habe ich hier gar nicht geschrieben. Denn das wäre die einzige wirkliche Fehlprognose gewesen. Glück für meine Leser!

  • Bärchen

    Hallo Herr Riße,

    teilen Sie die Meinung von Dimitri Speck über gezielte Manipulationen beim Goldpreis?

    http://www.godmode-trader.de/nachricht/Wird-gegen-Goldanstiege-interveniert-Gold-Silber,a2997867,b605.html

    Beste Grüße und alles Gute für 2013!

    • Stefan Riße

      Nein, diese Ansicht teile ich nicht. Die Verschwörungstheorien sind uralt und natürlich erdacht von den Goldfetischisten, die glauben nur das Edelmetall habe einen wahren wert. Das ist Unsinn.

  • http://www.facebook.com/profile.php?id=100002580032980 Reco De Don

    Frohes Neues Herr Risse! Ich hoffe sie sind gut durchs Jahr gekommen! :-)
    Eine Stelle in ihrer Bilanz hat mich verwirrt:

    “Über das Short-Engagement in den französischen Anleihen habe ich hier gar nicht geschrieben. Denn das wäre die einzige wirkliche Fehlprognose gewesen. Glück für meine Leser!”

    Heißt das, dass sie nicht mehr an einen Absturz der Anleihen glauben und diese nicht mehr empfehlen oder meinen sie einfach nur, dass das Short-Engagemet zu früh gestartet wurde?

    Würden sie momentan noch zu Short-Positionen bei französischen Anleihen raten?

    Wenn ja, welche Kriterien müssen diese erfüllen um optimalen Ertrag zu bringen und haben sie auch ein Konkretes Beispiel? :-)

    • Stefan Riße

      Ich glaube nach wie vor, dass in der nächsten Eurokrise auch Frankreich unter duie Räder kommt. Ich würde diesen Zeitpunkt aber abwarten, derzeit gilt der Draghi-Put. Allerdings ehen wir in den letzten Tagen Verluste hier mit allgemein steigenden Zinsen bei den für sicher gehaltenen Staatsanleihen. Der Bund Future fällt jedoch noch deutlicher. Es ist also zunächst kein frankreichspezifisches Thema.

      • http://www.facebook.com/profile.php?id=100002580032980 Reco De Don

        Danke Herr Riße, wie kann ich am besten daran partizipieren? Mit welchem Instrument lässt sich als Privatanleger beim Short der französischen Anleihen partizipieren?

  • ThomasZ.

    Hallo Herr Riße,
    Vielen Dank für die sehr guten, kostenlosen Prognosen. Sie machen gute Arbeit ! Besonders der Tip vom Oktober bei Dax 6669 einzusteigen, hat mir ein nettes Weihnachtsgeld beschert.Wenn Sie mal einen Börsenbrief eröffnen, bin ich Ihr erster Abonnent :)

  • Gunna1

    Hallo Herr Riße,

    Auch Ich wünsche Ihnen und allen Lesern ein richtig gutes neues Jahr 2013. Die meisten Anlagestrategen rechnen 2013 nur mit kleinem Kurzplus. Nur einige wenige wie Herr Wieland Staud erwarten, dass der DAX in Richtung 9000 bewegen werden. An dieser Stelle möchte ich noch sagen, dass ich sehr dankbar bin für die kostenlose Ausbildung, die man hier bekommt und ein wenig stolz bin in Ihrem Fond investiert zu haben.

    Vielen Dank

    • Stefan Riße

      Ich bin stolz, das Sie bei mir investiert haben. Normalerweise ist Wieland Staud ein hervorragender Kontraindikator, derzeit teile ich aber seine Meinung, wenn auch aus ganz anderen Gründen.

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