Märkte im Verrückt-Modus

Die Börsenentwicklung ist derzeit extrem zweigeteilt und teilweise höchst irrational. Während in Japan die Kurse kerzengerade nach oben laufen, stehen andere Märkte wie der von mir favorisierte in Hongkong deutlich unter Druck. Der DAX zeigt mittlerweile ein ähnliches Bild. Diese Korrektur kommt nicht so unerwartet, nach den teilweise extrem optimistischen Stimmungsindikatoren. Zugegeben, ich habe die Aufwärtsentwicklung in Japan völlig verpasst, obwohl es natürlich nicht unlogisch schien, dass mit den extremen Ankurbelungsmaßnahmen der Bank of Japan (BoJ) die Aktien würden zulegen können. Es lag vor allem, daran, dass ich seit dem Einbruch des Nikkei im Jahr 1990 von über 40.000 Punkten unzählige Experten erlebt habe, die aufgrund der ja schon seit Jahren laufenden monetären Stimulierungsmaßnahmen den japanischen Aktienmarkt favorisiert haben und dann bitter auf die Nase gefallen sind. Die Hausse in Japan ist jedoch ein Tanz auf dem Vulkan. Zunächst werden sich die Unternehmensgewinne aufgrund der Abwertung des Yen zwar verbessern, dieses Land aber riskiert als erstes einen massiven Vertrauensschwund in das eigene Papiergeld. Davon soll nun so viel gedruckt werden, bis die Inflation zwei Prozent beträgt. Die Gefahr ist nicht gering, dass es zu einer Flucht aus dem Yen kommt, mit der Folge, dass japanische Staatsanleihen massiv abgegeben werden. Dann müsste die BoJ noch viel mehr Staatsanleihen kaufen, als die umgerechnet rund 58 Milliarden US-Dollar pro Monat, wie gestern verkündet. Dann müsste sie im Zweifel bis zur letzten Anleihe alles aufkaufen, um die langfristigen Zinsen unten zu halten. Denn dies ist in Japan ein Muss mehr als überall auf der Welt, denn die Staatsverschuldung liegt bei mittlerweile 240 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ein massiver Zinsanstieg, würde die Finanzierung unmöglich machen und weite Teile der Finanzwirtschaft mit ihren Anleihebeständen in die Pleite treiben. Ob japanische Aktien dann immer noch haussieren würden, ist fraglich.
Eine wohl gewaltiger Short Squeeze vollzieht sich derzeit bei den französischen Staatsanleihen. Denn obwohl der Bund-Future zuletzt nur gering zugelegt hat, konnte der an der Eurex gehandelte OAT Future in nur zwei Tagen 2,5 Euro gewinnen. Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen fiel zuletzt auf 1,84 Prozent. Derweil bereiten die Wirtschaftsdaten immer größere Sorge und steckt die Regierung Hollande wegen einer Schwarzgeldaffäre in der Krise. Ich vermute, dass die eigentlich zwingende Logik, dass dies eigentlich zu einer Flucht aus französischen Anleihen und damit steigenden Zinsen führen müsste, von zu vielen Hedgefonds verfolgt wurde, die nun unter großen Schmerzen ihre Positionen auflösen müssen. Wohl dem, der die Positionen nicht zu groß wählt und eine solche Phase durchstehen kann. Insgesamt bereiten die allseits sinkenden Zinsen – selbst die der Italiener fallen in diesem Umfeld – den Nährboden für bald wieder steigende Aktien.
Gold kann von all dem bisher nicht profitieren. Die immer stärkere Geldvermehrung spricht nach wie vor für das Edelmetall, aber der Weg ging zuletzt weiter bergab in Richtung der Korrekturtiefs bei 1.522 US-Dollar. Die Stimmungsindikatoren sind mit 46 Prozent Optimisten nach Lesart von Consensus historisch gesehen zwar niedrig. Gemessen an den Einbrüchen 2006 und 2008 wäre aber noch Platz bis rund 25 Prozent nach unten in einem letzten Sell-Off. Siehe hierzu auch den letzten Beitrag zu Gold.

  • http://www.facebook.com/stefan.kusche.1 Stefan Kusche

    Eine Frage: Würden Sie spekulativ orientieren Anlegern jetzt einen Einstieg in französischen Staatsanleihen (short) empfehlen?

    • Stefan Riße

      Nein, ich nehme hier erstaml Abstand. Wir brauchen eine echte Verschärfung der Eurokrise, damit das Thema läuft.

  • Sssimon

    Vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar, Herr Riße. Japan habe ich auch schon einige Zeit auf dem Radar. Bei der Story hinter dem Trade/Investment ist mir eine kleine Ironie aufgefallen:

    Sie sind ja der Überzeugung, die Inflationspolitik werde das Schuldenproblem in EU+USA letztendlich lösen.

    In Japan wird die Inflationspolitik das Schuldenproblem aber drastisch verschärfen. Die 240% nennen Sie als Grund. Ich könnte noch ergänzen, dass heute 40% der Steuereinnahmen in J für die Bedienung der Staatsschulden verwendet werden. Dann ist da noch die immer weiter steigende Überalterung mit allen Konsequenzen für die Rentenkasse=implizite Staatsschuld.

    Frage 1: Ist in Ihren Augen die Konsequenz eine Staatspleite Japans? Von welchem Ausmaß wären die Folgen?

    Frage 2: Sehen Sie dieses Szenario für EU als komplett ausgeschlossen an? Mit der
    Brüningschen Politik werden die Schuldenquoten weiter steigen, nicht
    sinken.

    • http://www.facebook.com/stefan.kusche.1 Stefan Kusche

      Für die EU ist es schwer zu sagen, weil es ja auch noch nicht ganz sicher ist wie es politisch ausgeht…
      Komplett ausschließen kann man das nicht, aber am Ende wird Europa sehr wahrscheinlich den Weg der USA einschlagen.
      Und die haben ja klar gemacht, dass sie nicht den japanischen Weg des jahrelangen “Hinsiechens” gehen werden und jeden Deflations Ansatz im Keim ersticken…

      • Stefan Riße

        Exakt!

    • Stefan Riße

      Staatspleiten sehe ich nicht, in Japan schon gar nicht, weil die nachdrucken werden bis zum Inflationsexitus, in Euroland wird es letztendlich auch passieren, wenn es die großen Länder erreicht. Nur Deutschland ist der Verfechter Brünigscher Politik.

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