Gefahr von der Wall Street – Der Sentiment-Bericht

So sehen Börsen aus, denen Anleger verzweifelt nachlaufen. Sie steigen und steigen und der Rückschlag, auf den alle warten, um noch einsteigen zu können, kommt nicht. Immer wieder habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass trotz aller „DAX 10.000“ oder anderer euphorischer Titelblätter von Geldanlagemagazinen von einer breiten Aktieneuphorie nicht die Rede sein kann. Im Gegenteil, das große Stimmungsbild, das alle potenziellen Anleger erfasst, war und ist immer noch von großer Zurückhaltung geprägt. Die Gefahren der Euro- und Schuldenkrise gepaart mit den Erfahrungen des Internet- und Lehmancrashs ließen breiten Aktienoptimismus bisher nicht aufkommen.

Weil es woanders schlichtweg nichts mehr zu verdienen gibt, befassen sich so langsam aber sicher immer mehr Investoren mit dem vermeintlichen Risikopapier, dem sie zuvor abgeschworen hatten. Der risikolose Zins ist passé, oder liegt unterhalb der Inflationsrate. Die längerfristigen Aussichten für den Aktienmarkt bleiben damit auch bei verhaltenem konjunkturellem Ausblick weiterhin positiv. Können Gewinne und Dividenden nur einigermaßen gehalten werden, haben Aktien immer noch enormes Kurspotenzial.

Gute bis sehr optimistische Stimmung gab es bisher nur unter den Profis, oder sagen wir denen, die sich immer entweder von Berufs wegen, oder aus Passion (bei mir trifft beides zu) mit dem Thema Aktien beschäftigen. Mit den oben genannten Argumenten begründeten Sie ihren fundamental durchaus gerechtfertigten Optimismus. Zwischenzeitlich sorgten ein rückläufiger ifo-Geschäftsklimaindex wie auch weltweit nachlassende Werte bei den Einkaufsmanagerindizes und dem Verbrauchervertrauen zwar für etwas mehr Vorsicht, mit den neuen Höchstständen ist die Euphorie der Börsenprofis aber wieder zurückgekehrt. Vor allem die Wall Street sieht überhitzt aus. Der quasi rückschlagfreie Aufschwung erreicht langsam Rekordlänge.

Der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) befindet sich mit 70,6 für Standard- und 93,8 Prozent für Technologieaktien auf mehrjährigen Rekordständen. Kaum anders sieht es bei den US-Anlageberatern nach Lesart von Consensus aus. 71 Prozent Optimisten zeugen von ziemlich guter Stimmung, zumal seit Wochen Werte in dieser Region gemeldet werden. Zwar hatten in der zwischenzeitlichen Eintrübung Indikatoren wie der AAII, der die Stimmung der US-Privatanleger misst, oder Ticker-Sense, der die US-Börsenblogs auswertet, Kaufsignale generiert, mittlerweile ist der Optimismus aber auch hier wieder deutlich angesprungen.

Die jeden Mittwoch in der FAZ erscheinenden technischen Kommentare von der Wall Street, die ich aus dem antizyklischen Blickwinkel mit großem Interesse lese, haben zuletzt ebenfalls einen etwas positiveren Tenor bekommen. Wurde bisher immer wieder auf die nachlassende Dynamik des Aufschwungs und der damit nahenden Korrektur hingewiesen, war das Thema zuletzt der sich etablierende Haussetrend.

Kommt es an der Wall Street zur Korrektur, wird sie auch die restlichen Börsen und damit auch unseren DAX mit auf die Reise nach unten nehmen, obwohl hier die Stimmung noch deutlich verhaltener ist als beispielsweise im Dezember. Das lässt sich beispielsweise an den heimischen Börsenbriefen ablesen.

Deutschland isoliert betrachtet könnte wohl noch ein ganzes Stück weiterlaufen. Es ist zu greifen, dass viele vor allem institutionelle Anleger nicht ausreichend investiert sind. Die hausgemachte Korrektur droht wohl erst, wenn ein gewisser Mister D. wieder mit optimistischen Prognosen auf den Titelblättern erscheint.

  • Stefan Kusche

    Haha xD Wenn dieser gewisse Mr. D mal nicht gerade gegen den Euro hetzt oder gegen eine vermeintliche “Versklavung” durch die Rettungsschirme…

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