Geht Gold auf Null?

GoldDas wohl gerade nicht, doch muss ich zugeben, dass dieser Sturz nicht in mein Szenario passt. Mit dem heutigen Tag hat er nun auch das Korrekturausmaß im Lehman-Crash von 2008 überschritten. Es fällt schwer, eine Prognose abzugeben, wie weit der Preis noch fallen kann. Aus antizyklischer Sicht müsste nun eigentlich mal Schluss sein. Die US-Anlagestrategen erreichen mit nur noch 29 Prozent Optimisten den tiefsten Stand seit April 2004, als sich die Hausse noch im Anfangsstadium befand. Die kurzfristigen US-Gold-Börsenbriefschreiber empfehlen mit minus 43,3 Prozent massive Short-Positionen im Gold und die von Sentix gemessene Stimmung befindet sich auf einem neuen Rekordtief. Auch die Positionsdaten vom Terminmarkt in den USA sprechen die gleiche Sprache. Das Verhältnis der Long-Positionen zu Short-Positionen ist ebenfalls so niedrig wie seit 2004 nicht mehr. Massiver können die Kaufsignale kaum sein.

Consensus Gold
Quelle: Bloomberg, eigene Recherchen

Am fundamentalen Umfeld hat sich eigentlich nichts geändert. Gold müsste eigentlich der Gewinner des internationalen Währungsabwertungswettlaufs sein, tatsächlich aber passiert derzeit das Gegenteil. (Siehe hierzu auch Stimmungsbarometer in Focus Money 26/13)
Für den Gold-Investor mit langfristiger Perspektive sollte der Kurssturz selbst nicht zum Verkaufsargument werden. Sich in seiner fundamentalen Sicht von kurzfristigen Kursentwicklungen beeinflussen zu lassen, war langfristig gesehen immer falsch. Problematisch ist es nur dann, wenn die fundamentale Sicht grundverkehrt ist. Hier muss jeder Anleger selbst Position beziehen, meine für Sachwerte und damit auch die Edelmetalle positive Sicht hat sich nicht geändert. Eines aber dürfte durch die jüngsten Kursstürze klar geworden sein. Die Verschwörungstheoretiker, die großen Banken schlimme Manipulation unterstellt haben, als im April der Einbruch begann, befinden sich auf dem Holzweg. Oder wer soll nun wieder Interesse haben, auf die Kurse zu drücken?
Nach meiner Einschätzung sehen wir nach wie vor die Zwangsauflösung von Haussepositionen, wo nun einfach Stopp-Loss greifen. Dazu gehören sicher auch jüngere Engagements, die auf eine schnelle Erholung angelegt waren.

Indische Rupie
Quelle: Bloomberg

Ein Grund für die Schwäche des Goldpreises dürfte auch in der aktuellen Schwäche der Indischen Rupie liegen. Diese erreicht neue Rekordtiefs und lässt somit die Kaufkraft der immer noch größten Goldkäufer schwinden. Dazu kommen erhöhte Einfuhrzölle, weil Indien sein Leistungsbilanzdefizit nicht weiter wachsen sehen möchte, was durch hohe Goldimporte passieren würde. Dennoch, Montag beginnt das saisonal bekanntlich günstigere zweite Halbjahr für Gold, und eine gewisse Erholung der Rupie erscheint ebenfalls überfällig. Damit rückt eine Aufwärtskorrektur des Goldpreises wahrscheinlich auch immer näher, wenngleich derartige Prognosen in diesem Marktumfeld schwierig bleiben.

  • Christian Störzer

    Ich möchte nur am Rande einmal empfehlen, sich den ganz langfristigen Chart von Gold oder Silber oder generell von Commodities anzuschauen. Dann wird man sehen, daß das typische Bild eine große Kerze nach oben und ebenso schnell wieder nach unten ist und anschließend Grabesruhe herrscht. Beim Gold oder Silber zum Beispiel kam nach der großen Hausse Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre ein Absturz in die Nähe des Ausgangsniveaus und dann eine 25 Jahre (!) dauernde Seitwärtsbewegung ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten. Wenn dieses Muster auch heute Gültigkeit haben sollte, müßten wir von einem Goldpreis von um die 700 Dollar pro Feinunze in den nächsten ein bis zwei Jahren ausgehen. Warum trifft man bei Commodity-Charts im Gegensatz z.B. zu Aktienindex-Charts häufig auf diese kerzenartigen Strukturen? Antwort: weil es in der Regel eindimensionale Märkte sind mit einer einzigen Story hinter dem Kursanstieg. Fällt die in sich zusammen, fällt auch der Kurs zusammen. Die Story beim Gold lautet: die Notenbanken drucken endlos Geld und bewirken damit eines Tages eine Hyperinflation. Doch spätestens seitdem bei der US-Notenbank dieser Kurs des “quantitative easing” zunehmend infrage gestellt wird und sie damit klarmacht, daß sie die überschüssige Liquidität im Zweifel auch wieder einsammeln kann, wird der Hausse-Spekulation im Gold mehr und mehr der Boden entzogen. Spätestens bei einem Kurswechsel der Notenbanken und wieder steigenden Zinsen dürfte der Goldpreis unter 1.000 Dollar pro Unze rutschen, wahrscheinlich aber schon früher, da dieser Schritt von den Börsen antizipiert werden wird.

  • Stefan Bode Finanzfachwirt (FH

    Nun, wir sind jetzt im Anfangsbereich der Bodenbildungsphase angelangt. Wir haben nahezu 50% der Aufwärtsbewegung von Gold seit 1999 innerhalb von 2 Jahren korrigiert. (Pullback auf 1.323, immerhin 8%, ist erstmal eingegeben). Nun beginnt der Fokus der Anleger auf die Anleihenblase rüber zu schwappen. Der Bundfuture dürfte die Topbildung bald abgeschlossen haben und zu fallen beginnen und selbiges trifft auf die meisten westlichen Staaten zu. Schlecht für den Euro, gut für den Export. Das Kapital wird folglich aus den Anleihen abgezogen werden und Alternativen suchen müssen. Da bleibt neben Aktien, Rohstoffe und Gold nicht mehr viel übrig. Das dazu jetzt viele Minen schließen, verknappt nur das Angebot und wird zukünftig preistreibend sein. Ist der Boden bei Gold ausgebildet, dann dürften auch bei anziehenden Kursen die Minenaktien wieder interessant werden, zumindest die bis dahin noch produzieren können. Eine wichtige Chartlinie läuft derzeit noch bei 1050 Dollar steigend aufwärts und bei ca. 1100 Dollar liegt das 50% Korrekturziel. Da diese dicht beeinander liegen, dürften Sie bei zunehmender Annäherung eine gewisse Anziehungskraft auf die Kurse entwickeln. Dazu wird auch noch der Dollar gegen den Euro aufwerten, da viel Geld aus dem Euro gen Dollar auf Grund der Anleihenprobleme abgezogen wird. Beste Grüße aus Hannover

    Stefan Bode

  • silbertrader

    Charttechnisch betrachtet verläuft der langfristige Aufwärtstrend bei ca. 1133, bis dahin hat er noch locker Platz. Hält der Support nicht, gehts auf die 1000, wo die nächste Unterstützung wartet. Fundamental betrachtet sind wir allerdings schon deutlich unter den Produktionskosten pro Unze, sodass die Bagger jetzt erst mal stillstehen dürften und der Preis demnächst wieder anziehen dürfte.

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