Sentiment-Ausblick 2014

Financial MarketsNun haben die Prognostiker wieder Hochkonjunktur. Kurz vor Jahreswechsel bewegt die Börsianer nur eine Frage. Wie wird das Börsenjahr 2014? Leider lag bei Redaktionsschluss für dieses Stimmungsbarometer die hier stets kommentierte Kapitalmarktprognose des Handelsblatts noch nicht vor, um für den Ausblick aus Sentiment-Sicht herangezogen werden zu können. Wie sich die knapp 40 befragten Bankanalysten zu DAX, Euro und Zinsen äußern werden, ist aber bereits aus vielen Kommentaren ablesbar.

Aktien
„Zu viel Optimismus?“ lautete die Überschrift des letzten Stimmungsbarometers im Jahr 2012. Die Frage bezog sich auf die Aktienmärkte. Der DAX notierte bei rund 7.600 Punkten und war bereits ganz ordentlich gestiegen. Mein Fazit lautete, dass Rückschläge einzukalkulieren seien, Aktien für die weitere Zeit jedoch attraktiv blieben. Die Stimmungsindikatoren spiegelten damals keinen Pessimismus mehr, sie waren aber auch nicht extrem optimistisch. Die Prognose ging auf, wie wir heute wissen. Die vorausgesagte Umschichtung von Anleihen in Aktien hat in 2014 erstmals stattgefunden, abzulesen in deutlichen Abflüssen aus Renten- und Zuflüssen in Aktienfonds.
Heute, ein Jahr später, sieht die Situation anders aus. Insbesondere an der Wall Street liefern einige Stimmungsindikatoren mittlerweile deutliche Verkaufssignale. So erreichte die Anzahl der pessimistischen US-Börsenbriefe ein neues historisches Tief mit noch gut 14 Prozent. Auch in Deutschland ist größere Sorglosigkeit vorhanden als vor zwölf Monaten. Nur neun Prozent der Börsenbriefe sind negativ gestimmt. Das alles deckt sich mit den Kommentaren der Marktteilnehmer und Analysten, die dieser Tage zu vernehmen sind. Zwar sollen Aktien nicht mehr ganz so rasant steigen wie 2013, doch die einhellige Meinung lautet: Es geht weiter nach oben. Das im vergangenen Jahr noch sehr heiß diskutierte Thema Krise ist völlig vom Tisch. Nur vereinzelte Pessimisten weisen darauf hin.

Dow für Blog

Dax für Blog

An der Liquiditätsfront hat sich ebenfalls etwas getan. Meine vor einem Jahr so eindeutig positive Prognose basierte zum einen auf den stark gefallenen Renditen für langlaufende Staatsanleihen und auf der Tatsache, dass die US-Notenbank Federal Reserve (FED) bereits damals innerhalb des Programms Quantitative Easing 3 für 85 Milliarden US-Dollar Anleihen pro Monat aufkaufte. Dieses Programm läuft noch immer und liefert sicher weiterhin eine Unterstützung für die Aktienmärkte. Es wurde nun aber um zehn Milliarden gekürzt, während die Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen rund anderthalb Prozentpunkte über dem Stand von vor einem Jahr notieren. Diese Tatsache gepaart mit der beschriebenen Sorglosigkeit veranlasst doch zu größerer Vorsicht.
Die Krisengefahr ist zudem keineswegs gebannt, vor allem in Bezug auf Europa. Frankreich und Italien kommen nicht wirklich aus der Rezession heraus. Der Reformeifer ist ziemlich erschlafft. Der feste Euro tut ein weiteres, um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Eurozone zu schwächen.
Dennoch rücke ich nicht von meiner Prognose ab, dass Aktien vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen grundsätzlich eine höhere Bewertung verdienen. Die Argumente anderer Skeptiker, die gemessen am historischen Kurs/Gewinn-Verhältnis von zu hohen Bewertungen sprechen, mache ich mir nicht zu Eigen. Doch diese Höherbewertung vollzieht sich nicht linear, sondern in Schüben, die von Rückschlägen unterbrochen werden. 2014, oder zumindest das erste Halbjahr, könnte von einem solchen Rückschlag geprägt sein. Vor dem nächsten Aufwärtsschub müssen zunächst wieder die langlaufenden Renditen fallen.

Zinsen
In den vergangenen Jahren haben die Analysten zum Jahreswechsel stets steigende Zinsen vorausgesagt. Historisch gesehen waren sie so tief, dass sich niemand noch niedrigere Renditen vorstellen konnte. Die Realität belehrte sie dann stets eines besseren. 2013 war nun das erste Jahr, in dem sie Recht behielten. Für 2014 wird ein weiterer Anstieg der langlaufenden Zinsen vorausgesagt, so viel scheint sicher. Im US-Anlegermagazin Barrons, das zehn Experten befragte, gab es keinen einzigen, der von fallenden Renditen ausgeht. Auch die quantitativen Stimmungsindikatoren zeugen von einem ausgeprägten Pessimismus gegenüber Anleihen. So gehen von den US-Anlageberatern seit vielen Wochen nur noch rund ein Drittel von steigenden Anleihekursen aus. Stellen sich die Wirtschaftsprognosen als zu optimistisch heraus, was nicht unwahrscheinlich ist, kann es bei dieser Stimmungslage zu einem deutlichen Aufwärtsschub bei Anleihen, sprich einen erneuten Rutsch bei den Zinsen kommen. Hiermit würde dann die Grundlage für den nächsten Aktienaufschwung gelegt.

Bonds Consensus

Gold
Das Jahr 2013 war ein Desaster für Goldfans. Hier waren die Prognosen aus stimmungstechnischer Sicht leider nicht zutreffend. Die nachlassende Krisenangst zum einen und die abnehmenden Inflationsgefahren zum anderen raubten den ohnehin gestressten Goldoptimisten die zwingenden fundamentalen Argumente. Rekordaflüsse von rund 30 Prozent aus börsengehandelten Gold-ETFs und Stimmungsindikatoren, die nach wie vor alles andere als optimistisch sind, sprechen auf jeden Fall für eine Erholung des Goldpreises. Ob es zu einer Wiederaufnahme des langjährigen Haussetrends kommt, ist jedoch abhängig vom fundamentalen Bild. Wer wie ich von irgendwann deutlich höheren Inflationsraten ausgeht, der kann auf Gold setzen. Ansonsten stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn der unrentierlichen Goldanlage. Es hängt also von der fundamentalen Sicht ab, ob ein Langfristengagement sinnvoll ist. Aus stimmungstechnischer Sicht erscheint ein Einstieg jetzt auf jeden Fall attraktiv.

Gold Hulbert

Währungen
Auf der Währungsseite zeigen vor allem der Japanische Yen und das Britische Pfund aus stimmungstechnischer Sicht interessante Werte. Die Japaner wollen ihre Währung ganz bewusst abwerten, um zum einen die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Industrie zu steigern und zum anderen Inflation zu importieren. Ziel ist es, die jahrelange Deflation nachhaltig und endgültig zu überwinden. Die Marktteilnehmer haben diese Argumente gekauft. Trotz des bereits deutlichen Falls sieht nur ein Viertel der Marktteilnehmer eine Erholung des Yen gegenüber dem Dollar. Niemand möchte sich offenbar gegen die Bank of Japan stellen. Und das erscheint auch sinnvoll.

YEN Consensus

Im Pfund sieht die Situation anders aus. Dieses ist deutlich gestiegen bei entsprechend optimistischer Stimmung. Die britische Wirtschaft erholte sich zuletzt stärker als zu erwarten war. Wer jedoch hinter die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt schaut, der erkennt sehr schnell, dass das Wachstumsmodell wie in den Jahren vor der Krise wieder nur auf zusätzlicher Verschuldung aufgebaut ist. Von Revitaliserung der Industrie kann keine Rede sein. Die Leistungsbilanz verbessert sich überhaupt nicht. Hier gegen den Markt auf ein fallendes Pfund zu setzen erscheint daher chancenreich, weil die Bank of England auf der gleichen Seite steht. Sie kann eine weitere Aufwertung des Pfundes im Grunde nicht tolerieren, da die Industrie sonst völlig kollabieren dürfte.

Britisches Pfund

  • Christian Störzer

    Interessant ist, daß der wenig beachtete DAX-Kursindex nur noch ca. 150 Punkte von seinen Höchstständen im Jahr 2007/2008 vor der Finanzkrise entfernt ist. Wenn er diese Kurse wieder erreichen sollte, würde das ungefähr korrespondieren mit “der” 10.000 im Dax-Performanceindex. Eine Marke für einen Wendepunkt?

    • Stefan Riße

      Interessant!

  • Martin Müller

    Nächste Woche KW4 (20.01.2014- 24.04.2014) werden wir ziemlich sicher fallende Kurse sehen. Heute werfen noch die Hexen ihre “Nebelkerzen” und in den USA steht ein Feiertag an. Haben sich die Hexen und die gute Feiertagslaune aber erst mal verabschiedet dürfte es klar tiefere Kurse geben. Nach vorerst fallenden US Indizes dürfte dann auch zeitverzögert der Dax nachgeben. Erste Ziele sind 9225-9100 Punkte später wird es meiner Meinung nach noch viel tiefer gehen!

    • brokervorschlag.de

      Gut gesehen ! Gratuliere

      http://www.brokervorschlag.de

      • Martin Müller

        Freue mich!

    • Stefan Riße

      Hut ab!!!

      • Martin Müller

        Danke!

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