Schwellenangst

GettyImages_106780916Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent, eine junge wachsende Bevölkerung, die auch zukünftiges Wachstum garantiert, geringe Verschuldung von Staat und Privathaushalten, Rohstoffvorkommen und geringe Löhne, die Vorteile im globalen Wettbewerb sichern. Alles Argumente, die für Investitionen in den meisten gemeinhin als Emerging Markets bezeichneten Schwellenländern sprechen und bereits in den vergangenen Jahren sprachen. Vielleicht nicht gerade im Jahr 2007 als die Kurse schon stark gestiegen waren und Banken einen Fonds und ein Zertifikat nach dem anderen auf diese Länder auflegten und der Begriff BRIC als Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China zur Investmentmode wurde. Doch spätestens nach dem Lehman-Crash im Jahr 2008 kam eine günstige Bewertung als weiteres Argument hinzu.

Gerade aktuell erscheint es aus fundamentalem Blickwinkel absolut logisch Aktien aus Schwellenländern und insbesondere aus China zu kaufen. Die dortige Wirtschaft wächst derzeit um mehr als sieben Prozent im Jahr und das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Unternehmen liegt bei gerade einmal sieben. Zum Vergleich: In den USA wächst das Bruttoinlandsprodukt noch immer weit unter dem langfristigen Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und das Kurs/Gewinn-Verhältnis an der Wall Street liegt bei 14. Also Ruckzuck raus aus den etablierten Aktienmärkten und rein in die Emerging Markets? Die Antwort wäre ein klares „Ja“, gäbe es nicht die Erfahrung der vergangenen Jahre. Denn die genannten Argumente gelten schon seit mindestens drei Jahren. Wer ihnen in seiner Anlageentscheidung folgte, hat desaströse Ergebnisse eingefahren, vor allem im Vergleich zu denjenigen, die auf die alten Industrieländer setzten. Gewinne von 50 Prozent und mehr stehen Verluste in den Schwellenländern gegenüber. Ich selbst habe auch an dieser Stelle bis vor kurzem immer wieder den Aktienmarkt in Hong Kong hervorgehoben als Alternative zu Investitionen direkt in China. Der Aktienmarkt ist seit Jahren etabliert und frei zugänglich. Dennoch hat auch die ehemalige britische Kolonie enttäuscht.

Die Suche nach den Gründen ist schwierig. Sicher ist es insbesondere in China die nach wie vor eher restriktive Geldpolitik und die hohe Zahl an Neuemissionen, die auf den Aktienmarkt drängt, sobald das Klima einigermaßen gut ist. Ansonsten fällt eine Einschätzung recht schwer. Aus der Geldpolitik lassen sich nicht die Schlüsse ableiten wie in den westlichen Industrieländerbörsen. Ein gestiegener oder gefallener Langfristzins ist noch kein Garant für fallende oder steigende Kurse. Kurzum, die Emerging Markets sind schwer zu verstehen, wie es auch mit dem japanischen Aktienmarkt stets war.
Zwar gibt es mit Argentinien, der Türkei oder auch Brasilien Märkte mit erkennbaren Problemen, doch für Märkte wie den chinesischen fällt es schwer diese seit Jahren katastrophale Performance nachzuvollziehen. Eines steht in jedem Fall fest. Aus stimmungstechnischer Sicht müsste man jetzt mehr denn je dort einsteigen. Der Glaube an die Emerging Markets ist verloren gegangen.

Oder man hält es doch mit Börsenlegende André Kostolany, der so schön sagte: „Ich verstehe nicht, warum die Leute in Manila, Jakarta und Buenos Aires investieren, man kann sein Geld doch auch in Frankfurt, London und Paris verlieren.“
Es war bisher auf jeden Fall besser, auf westliche Unternehmen zu setzten, die von dem Wirtschaftsboom in den Schwellenländern profitieren, als dort direkt zu investieren. Der risikoscheue Anleger bleibt besser dabei.

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