German Aktien Angst

Financial MarketsSieht man sich den DAX-Chart der vergangen drei Jahre an, dann würde man daraus wohl schließen, dass an der Börse Champagnerlaune herrscht. Eigentlich galt die Marke von rund 8.000 Punkten als magische Grenze, die der deutsche Leitindex DAX nicht nachhaltig überschreiten kann, war er hieran doch schließlich zwei Mal gescheitert, das erste Mal im Jahr 2000 und dann nochmals 2007. Im vergangen Jahr war es dann aber so weit. Nach einem Abprallen nahm er die Marke dann im Sturm und erreichte in diesem Jahr dann auch die 10.000 Punkte. Von Euphorie kann jedoch keine Rede sein. Mit der Situation während des Internethypes hat die aktuelle Lage gar nichts zu tun. Damals wurde Spekulieren zum Volkssport. Eine Neuemission jagte die andere. Und mag es an der Wall Street und auch anderswo schon wieder Megamissionen geben und große Phantasiestorys gehandelt werden, hierzulande ist davon nichts zu erkennen. Die Zahl der Aktionäre geht immer weiter zurück, Neuemissionen gibt es erst jetzt wieder die eine oder andere und es mangelt nicht an warnenden Stimmen vor zu hohen Kursen. Fazit: Die breite Bevölkerung bleibt trotz Rekordkursen Aktienabstinent.
Wie sieht es aber mit den verbliebenen Aktienanlegern aus, den privaten aber vor allem auch den institutionellen, die am Markt aktiv sind? Auch hier dominiert die Vorsicht. Etwas Euphorie hat es allenfalls mal zum Jahreswechsel gegeben, seit der Ukraine-Krise und den ersten Rückschlägen bleiben die Profis aber in Deckung. Schön ablesbar ist dies im Put/Call-Ratio. Die Anzahl der zur Absicherung häufig verwendeten und auch als Verkaufsoptionen bezeichneten Puts lag in den vergangen Wochen im Verhältnis zu den auch als Kaufoptionen bezeichneten Calls weit über dem üblichen Durchschnitt. Auch an der Stimmung der Börsenbriefe lässt sich seit Monaten diese Skepsis erkennen.

PutCall-Ratio Deutschland

Deutsche Börsenbriefepositiv

Um es auf den Punkt zu bringen: Gäbe es nur die deutsche Börse, so müsste man ohne Wenn und Aber auch auf diesem Kursniveau zu Aktienkäufen raten. Natürlich hat sich die Situation durch die Ukraine-Krise eingetrübt und wird die Gewinnphantasie hierdurch weiter limitiert, Aktien sind aber noch immer spotbillig, vergleicht man sie mit der Verzinsung selbst zehnjähriger Anleihen.
Nur ist Deutschland keine einsame Insel. An der Wall Street gibt es durchaus harte Verkaufssignale von der Stimmungsseite. Und weil die Deutschen mit Aktien nicht viel anfangen können, werden diese traditionell zu hohen Anteilen von angelsächsischen Anlegern gehalten. Geht es dort abwärts, drücken sie dann auch bei deutschen Aktien auf den Verkaufsknopf. Da hilft dann die Unterinvestierung der heimischen Anleger wenig. Eine Korrektur an der Wall Street abzuwarten und dann beherzt in Deutschland einsteigen, könnte daher das richtige Konzept sein.

  • PSRF

    nun wissen wir es, die “Korrekturseher” hatten Recht!

  • PSRF

    Die Verkaufssignale von der Stimmungsseite kann ich nicht entdecken, wenn ich die Artikelüberschriften in US sehe. Da empfinde ich geradezu eine Art “Korrekturmanie”, dagegen erscheint mir die “German Angst” geradezu als eine “Freudenfeier von Optimisten”! Ich gebe zu, hier möglicherweise nicht mehr objektiv zu sein, aber so viel “sorgenvolle Stimmen” sind schwer zu ertragen.
    Ich bin sehr gespannt, wie die Entwicklung der nächsten Wochen tatsächlich sein wird. Ich will ja nicht behaupten, dass die mahnenden Stimmen unrecht haben.

    • egglo

      Ich sehe das ähnlich. Es wird doch häufig von der bevorstehenden Korrektur geschrieben. Eine euphorische Stimmung an der Börse scheint mir nicht zu herrschen.

      • PSRF

        Bei den Anlegern scheint es schon Einige zu geben, die optimistisch sind, wie u.a. die AAII Umfragen ergeben, auch die starke Nachfrage bei IPOs überrascht mich. Die Aktienkäufe auf Kredit in US scheinen mir ein beunruhigende Höhe zu haben. Es könnten somit schon reichlich “zittrige Hände” im Markt sein. Anleihen haben wohl fragwürdige Zinsen erreicht? Unternehmen haben wohl in den letzten Jahren wenig investiert und eher Aktien rückgekauft und Dividenden ausgezahlt, ob das so bleibt? Also es gibt schon Sachverhalte, die beunruhigen können. Was mich aber überraschte ist die breite und Kontinuität der Korrektur/Blasen/Crash Diskussion in US, die so gar nicht zu den Kursen und den sonst eher optimistischen Amerikanern bei Aktien passen wollte, das sah eher aus wie “German Aktien Angst+”. Hat diese Diskussion nun eher Short Squeezes zur Folge oder zermürbt es die Anleger derart, so das sie vorsichtig werden? Oder kommt der richtige “Optimismus”, wenn das “Crash Gerede” permanent ins Leere läuft?

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • Zur Zeit keine Termine vorhanden
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv