Aktien – teuer oder billig?

DAX_AllzeithochNie war diese Frage schwieriger zu beantworten als heute. Früher schaute man vor allem auf das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Kurs/Buchwert-Verhältnis (KBV). Es gab entsprechend lange Zeitreihen für diese Zahlen und so ließ sich ein historischer Durchschnitt ermitteln. Waren die Aktien weit darüber bewertet, waren sie teuer, wie zur Zeit des Internetbooms um die Jahrtausendwende. Da mussten dann Geschichten vom ewigen Wachstum und der New Economy erfunden werden, um die Bedenken, die die Bewertungen auf den Plan riefen, zu zerstreuen. Erfahrene Börsianer ließen sich zumeist nicht beirren, sondern machten Kasse. Die Unerfahrenen holten sich die blutige Nase, wenn die Träume zerplatzten. In der irgendwann folgenden Ausverkaufspanik schmissen sie dann frustriert die Papiere heraus. So ergaben sich dann wieder Kennzahlen deutlich unter der historischen Messlatte, die die hartgesottenen Börsianer für Käufe nutzten.

Sieht man sich nun heute die historischen Kennzahlen an, dann ist festzuhalten, dass die Kurse an der Wall Street mittlerweile teuer sind. In Europa sieht es besser aus, von Unterbewertung kann jedoch auch keine Rede mehr sein. Am günstigsten sind die Kurse noch in Japan. Also Finger weg von Aktien, oder wer welche hat, Gewinne mitnehmen?
Leider ist es nicht so leicht. Denn früher ist nicht heute. Sobald in die Bewertungen der Zins einfließt, dreht sich das Bild und Aktien sind plötzlich billig. Die Dividendenrendite der 30 DAX-Werte liegt heute mehr als dreimal so hoch wie die zehnjähriger Bundesanleihen. Bis zur Finanzkrise im Jahr 2008 war es stets so, dass der langfristige Zinsfuß über der Dividendenrendite lag. Schließlich hatte man bei Aktien ja noch die Kurschancen. Vergleiche mit dem Jahr 2000, wie sie teilweise zuletzt wieder gezogen wurden, sind daher absurd. Damals bekam man für eine zehnjährige Bundesanleihe fünf Prozent Zinsen, während die Dividendenrendite im DAX schlappe 1,5 Prozent und damit ein Drittel betrug. Die Relationen haben sich also umgekehrt, und das macht auch einen DAX bei 12.000 Punkten nicht teuer. Würde er diesbezüglich die damalige Relation wieder erreichen, müsste er auf 108.000 Punkte klettern. Dass wird er freilich nicht tun. Doch das Beispiel macht deutlich, wie günstig Aktien eigentlich sind. Und selbst in den USA, wo der Zins höher liegt und die Dividendenrendite tiefer, sind Aktien nach einem Bewertungsmodell der US-Notenbank Federal Reserve FED noch immer unterbewertet. Dieses bezieht ebenfalls den Zins mit ein und demnach wäre der S&P 500 erst bei gut 3.000 Punkten fair bewertet.

FED Modell

Doch was nützen all die Bewertungsrelationen, wenn die Anleger schon in euphorischer Stimmung sind und Aktien auf Kredit kaufen? Nichts. Geht es dann nach unten, nützen hohe Dividendenrenditen und niedrige KGVs gar nichts.

Erst müssen die Spekulanten aus dem Markt fliegen. Doch von dieser Euphorie ist nichts zu erkennen. Der AAII Index, der die Stimmung der US-Privatanleger widerspiegelt, gibt derzeit so starke Kaufsignale wie zu den Börsentiefs 1987, 2003 und 2009. Das ist sehr überraschend, denn die anderen Signale wurden nach starken Kursstürzen erreicht. Diesmal befinden wir uns jedoch knapp unter dem Allzeithoch.

AAII 8 Wochen-Durchschnitt

Die Signale in Ihrer Wirkung gleichzusetzen, wäre daher sicher auch verwegen. Dennoch zeigt die aktuelle Stimmung sehr deutlich, dass von Euphorie keine Rede sein kann. Und es zeigt einmal mehr: Die Börsensituation ist anders als in den
Jahrzehnten zuvor.

  • PSRF

    Das war zu erwarten, China senkt den Leitzins. Die 0,25 Basispunkte könnten ggf. nicht das letzte Wort sein.

  • PSRF

    Für mich ist der Versuch der FED etwas mehr Zinsnormalität zu schaffen gescheitert, ohne die massive Liquidität “geht gar nichts”. Und wir haben im Rohstoffbereich massive Deflation mit hohen Gefahren für die Ölwirtschaft und den High Yield Bereich.
    Und die chin. Notenbank wird viel deutlichere Maßnahmen ergreifen müssen.
    Die Krise 2007/2008 ist überhaupt nicht gelöst, im Gegenteil die Verschuldung ist größer geworden und die Wirtschaft läuft mit nur geringen Wachstumsraten. China, Rußland und Brasilien haben inzwischen sogar Probleme.
    Nur eine Meinung.

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